Tönisvorst: Barrierefreiheit liegt in weiter Ferne

Tönisvorst : Barrierefreiheit liegt in weiter Ferne

Im Nahverkehrsplan des Kreises Viersen wird der barrierefreie Ausbau von Haltestellen angemahnt. Im Kreis ist die Stadt Tönisvorst dabei eines der Schlusslichter. Bis 2022 sollen acht Haltestellen entsprechend umgebaut werden.

In der zweiten Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Kreis Viersen ist der barrierefreie Ausbau der Haltestellen nur ein Randthema. Allerdings gehen die Kommunen im Kreis sehr unterschiedlich damit um. Während die Gemeinde Grefrath den geringsten Stand beim Ausbau barrierefreier Haltestellen hat, liegt die Stadt Willich mit 35 Prozent über dem Durchschnitt und damit an der Spitze im Kreis Viersen. Die Planer stellten allerdings fest, dass bisher oftmals vergleichsweise unbedeutende Haltestellen außerhalb dichterer Siedlungsstrukturen ausgebaut wurden, während zentrale Umsteige-Haltestellen weiterhin nicht vollständig barrierefrei sind, so auch die Haltestelle St. Töniser Straße in Willich. In der Grafik zum Ausbau (Stand Herbst 2017, Abb. 26) gehört Tönisvorst zu den Schlusslichtern im Kreis. Nur zehn Prozent der Haltestellen weisen einen erhöhten Bordstein von mindestens 16 cm und einen Leitstreifen auf. 90 Prozent dagegen sind Fehlanzeige (zum Vergleich Kreisdurchschnitt 64 Prozent, Willich 44 Prozent, Kempen 51 Prozent).

Wolfgang Schouten, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt Tönisvorst, sieht es gelassen. Ja, es gebe einen Ausbauplan, die Verantwortung liege teils bei der Stadt, teils bei den Verkehrsbetrieben von Bus und Bahn. Für den Bürgerbus gilt er allerdings nicht, so Schouten, der Ende April in den Ruhestand geht, weiter. Die Busse auf diesen Linien seien nicht dafür eingerichtet, Rollstühle aufzunehmen. Auch besäßen die ehrenamtlichen Fahrer der Bürgerbusse keine Beförderungserlaubnis für Behinderte.

Die Haltestellen für den Bürgerbus, hier am Wasserturm, bleiben so. Foto: Heribert Brinkmann

Auch die Stadtwerke Krefeld (swk mobil) sind mit im Boot. Wie Dirk Höstermann, stellvertretender Pressesprecher der swk, bestätigt, soll auch die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 041 am Wilhelmsplatz barrierefrei ausgebaut werden. Allerdings wird in diesem und im nächsten Jahr dort nichts passieren, weil die Fördermittel des Landes bereits erschöpft sind. So bleibt der Ausbau "perspektivisch" für die nächsten Jahre auf der Agenda.

Die Hospitalstraße gehört zu den acht Haltestellen, die als vorrangig gelten. Foto: Heribert Brinkmann

In der zweiten Fortschreibung des Nahverkehrsplanes empfehlen die Experten sowieso einen Haltestellenausbau gestreckt bis zum Januar 2022. Am vordringlichsten sehen die Planer in Tönisvorst acht Haltestellen an: Biwak, Hospitalstraße, Krefelder Straße, Lindenallee, Nordring, Oedter Straße, Rosenstraße und Vorst Kapellchen. Dort überall soll für eine barrierefreie Haltestelle ein erhöhter Bordstein mit mindestens 16 Zentimetern Höhe und ein Blindenleitsystem aus Leitstreifen, Aufmerksamkeitsfeld und Auffindstreifen vorhanden sein. Die Verkehrsplaner sagen nichts dazu, wie der Ausbau konkret aussieht. Bei einer Haltestelle wie der Hospitalstraße in St. Tönis gibt es in beiden Richtungen zwar eine Haltebucht, aber keinen geteilten Bereich für Haltestelle und Bürgersteig. Das heißt, der Bürgersteig wird in diesem Segment zur Haltestelle. Wird jetzt der Bürgersteig mit erhöht? Oder wird vielmehr die Haltebuch zur Straße hin begradigt? Der Bus hält dann auf der Fahrbahn - was den Busverkehr beschleunigen kann, aber den nachfolgenden Durchgangsverkehr blockiert. Die Planer formulieren es so: "Für die Beschleunigung des Busverkehrs und einen einfacheren Ein-/Ausstieg ist einzelfallbezogen ein Umbau von Busbuchten zu Buskaps zu prüfen." Der Kreis schreibt auch fest, dass die Kommunen den Haltestellenumbau in eigener Zuständigkeit umsetzen sollen.

Bis zum Jahr 2022 sollen Haltestellen wie diese an der Hospitalstraße (auf der Friedhofseite) barrierefrei umgebaut werden. Der Bordstein wird dazu erhöht. Foto: Heribert Brinkmann

Nötig wurde die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes durch die EU-Richtlinie 1370/2007 über öffentliche Personenverkehrsdienste.

(RP)
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