AWG Tönisvorst plant Wohnungen mit Service für Menschen über 80

Bauprojekt der AWG : Drei statt vier Häuser am Hallenbad

Die AWG will am H2Oh! in St. Tönis Wohnungen mit Service für Menschen über 80 errichten. Wegen des Lärmschutzes mussten die Pläne allerdings überarbeitet werden. Die Wohnungsgenossenschaft investiert knapp zehn Millionen Euro.

Drei Gebäude, 39 Wohnungen und 16 Plätze in der Tagespflege: Die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft (AWG) Tönisvorst plant auf dem Gelände des ehemaligen Freibads zwischen Schelthofer und Roßstraße in St. Tönis zwar nicht das größte, dafür aber das teuerste Projekte in ihrer Geschichte. Gedacht sind die Häuser für Mieter über 80 Jahren mit Servicebedarf.

Vor einem Jahr stellten Michaela Karth und Walter Schöler vom Vorstand der AWG ihre Planungen erstmals vor, nachdem der Planungsausschuss für das Projekt sein Okay gegeben hatte. Seitdem hat sich einiges geändert, denn ein Lärmschutzgutachten hat den ursprünglichen Bebauungsplan durchkreuzt. Statt vier Häusern soll es nun auf der Fläche neben dem Hallenbad H2Oh! und hinter dem Haus des Sports nur noch drei Gebäude geben. Sonst wäre man zu nah an das Schwimmbad und das dazugehörige Heizkraftwerk gekommen, berichtet Karth.

Michaela Karth und Walter Schöler vom Vorstand der AWG Tönisvorst. RP-Foto: Senf. Foto: Emily Senf

Die drei Häuser haben 15, 14 und zehn Wohnungen zwischen 48 und knapp 75 Quadratmetern auf jeweils drei Etagen. Laut Karth wird es einige Drei-Zimmer-Wohnungen geben, großteils aber sollen die Wohnungen zwei Zimmer haben. Alle haben einen Balkon und sind barrierefrei. So sind die Wohnungen in den oberen Etagen mit einem Aufzug erreichbar. Die Häuser sind so geplant, dass Wohn- und Schlafzimmer sowie die Balkone vom Schwimmbad weg gerichtet sind. Weil in rund sechs Metern Tiefe im Boden der Hauptwasserkanal verläuft, wird es keine Keller geben. Vor einem der Häuser entstehen dafür etwa 27 Parkplätze sowie Raum für Fahrräder und Elektromobile. Die Besonderheit: Zwischen den Häusern soll es einen Treffpunkt für gemeinsame Aktivitäten geben.

Die AWG will die Hälfte der Wohnungen mit öffentlichen Mitteln finanzieren lassen. Die Kaltmiete soll dann bei 6,20 Euro pro Quadratmeter liegen. Der Rest soll frei finanziert werden und dennoch bezahlbar sein. „Wir wollen preisgedämpfte Mieten und nicht ausschöpfen, was geht“, sagt Schöler. Gedacht seien diese für Menschen in einer „Sandwich-Position“: „Diejenigen, die keinen Wohnberechtigungsschein haben, aber auch nicht reich sind“, erklärt Karth. „Die werden gerne übersehen, aber die gibt es auch.“ Wie hoch die Mieten für diese Wohnungen werden, steht noch nicht fest. „Daran rechnen wir noch“, sagt Karth. Schöler: „Wir werden deutlich unter dem freien Markt mit Quadratmeterpreisen zwischen zehn und 13 Euro liegen.“

Die AWG kauft das etwa 3900 Quadratmeter große Grundstück von der Stadt Tönisvorst. „Für ’ne runde Million“, wie Schöler sagt. Das sei im Wesentlichen in trockenen Tüchern, so dass „wir im Frühjahr den Kaufvertrag unterschreiben können“, sagt Karth. Die AWG erhöht ihren Bestand mit diesem Projekt um fast zehn Prozent und plant dafür Kosten in Höhe von etwa zehn Millionen Euro ein. Die Bauzeit beträgt drei bis vier Jahre. Der Spatenstich soll 2020 erfolgen, Ende 2021 soll das erste Haus fertig sein.

Dieses steht direkt an der Schelthofer Straße und soll im Erdgeschoss eine knapp 290 Quadratmeter große Tagespflege haben. Dafür habe man einen erfahrenen Betreiber gewinnen können, der vorgestellt werde, sobald alle Verträge unterschrieben seien. Der Betreiber wird auch die Betreuung der Mietparteien übernehmen und dafür in einem der Häuser ein Büro haben. Wie der Service aussieht, soll noch entschieden werden; möglich ist unter anderem etwa ein Hausnotruf. Der Bedarf sei da, sagt Schöler: „Laut Pflegebedarfsplanung des Kreises fehlen bis 2012/22 für Senioren 187 Wohnungen mit Betreuung.“ Allein die AWG habe rund 70 Mieter, die älter als 80 seien.