Tönisvorst: Anwohner der Blumenstraße wollen klagen

Tönisvorst : Anwohner der Blumenstraße wollen klagen

Es ist beschlossen: Die Mitglieder des Bauausschusses haben sich gegen den Willen der Anwohner einstimmig für den Ausbau der Blumenstraße in St. Tönis ausgesprochen. Die Anwohner zahlen die Hälfte der Kosten von 330 000 Euro.

"Keine Fakten sind in Sicht, der Bürger zieht vor Gericht!", steht auf einem der Spruchbänder, die rund 15 Anwohner der St. Töniser Blumenstraße mit in den Bau-, Energie-, Verkehrs- und Umweltausschuss gebracht haben. "Und genau das werden wir jetzt auch tun", sagt Anwohnerin Brigitte Späthe, als der Beschluss feststeht.

Auf der Blumenstraße sind bereits Markierungen für die Arbeiten des Energieversorgers NEW zu sehen. Foto: Wolfgang Kaiser

Einstimmig haben die Mitglieder des Ausschusses sich bei ihrer jüngsten Sitzung für den Ausbau der 220 Meter langen Straße zwischen der Vorster- und der Hospitalstraße in St. Tönis ausgesprochen. Die kleine Stichstraße soll einen frostfreien Unterbau bekommen, eine neue Asphaltdecke und einen einseitigen Gehweg aus Betonpflaster. Außerdem soll die Blumenstraße nach Abschluss der Arbeiten aufgrund der Enge - an einigen Stellen ist die Straße nur drei Meter breit - zur Einbahnstraße werden. Lediglich der öffentliche Parkplatz im Einmündungsbereich zur Hospitalstraße soll noch in beide Richtungen an- und abgefahren werden dürfen.

Die Kosten für den Straßenausbau beziffert die Verwaltung mit etwa 330 000 Euro. Der Energieversorger NEW, der die Straße im Frühjahr aufreißt, um neue Leitungen zu legen, wird 25 000 Euro übernehmen, den Rest teilen sich Stadt und Anwohner, die teilweise mit Kosten von 10 000 Euro und mehr rechnen müssen. "Die Kosten berechnen sich nach der Grundstücksgröße", hatte die Stadt den Bürgern erklärt, "bei einem Grundstück von 300 Quadratmetern kommen rund 4600 Euro auf die Besitzer zu." Die meisten Grundstücke an der Stichstraße sind allerdings deutlich größer.

"Wir haben hier junge Familien, die gerade erst das Haus gekauft haben und sicher nicht im Geld schwimmen, und wir haben Senioren, die auch nicht mal eben 10 000 Euro haben und vielleicht nicht mal mehr einen Kredit bekommen", sagt Späthe. Das Hauptargument der wehrhaften Bürger aber lautet: "Wir haben keine Schlaglöcher, wir haben keine Frostschäden, wir brauchen und wollen den Ausbau nicht."

Die Stadt hingegen sieht eine günstige Gelegenheit, die Arbeiten von NEW zum Anlass zu nehmen, die Straße endlich auszubauen. "Ein Gutachten hat ergeben, dass es keinen Unterbau gibt und der Aufbau nicht frostsicher ist", sagt Marcus Beyer vom Fachbereich Immobilien und Gebäudemanagement. Würde die Straße nach den neuerlichen Erdarbeiten nicht grundlegend erneuert, entstünde ein Flickenteppich, der den Belastungen dauerhaft nicht standhalten würde.

Was die Anwohner außerdem umtreibt: "Die Vorster Straße hat den gleichen Aufbau, das haben wir gesehen, als dort kürzlich Kanalarbeiten durchgeführt worden sind", sagt Späthe. Warum sei es dort möglich, die Straße nach den Erdarbeiten einfach wieder zu schließen und an der Blumenstraße nicht?, fragen die Bürger. Die Stadt sagt dazu, die Vorster Straße sei vor vielen Jahren ausgebaut worden und habe einen anderen Unterbau als die Blumenstraße, die in den 60er-Jahren mit Hochofenschlacke und Bauschutt angelegt worden sei und nur eine dünne, an vielen Stellen rissige Betonschicht habe.

(WS03)