Andrea Weyergraf-Hahn stellt im Rathaus St. Tönis 13 ihrer Collagen und Assemblagen aus.

Ausstellung : Im Trauraum schwirren die Schmetterlinge umher

Neue Kunst ist in den St. Töniser Trauraum eingezogen. Andrea Weyergraf-Hahn stellt 13 ihrer Collagen und Assemblagen aus.

Es sind die unterschiedlichste Schmetterlinge, die sich auf dem rostig wirkenden Gewebe, das mit Seidenpapier farbig unterlegt ist und durch das zwei Stäbe führen, bewegen. Mal sind sie kleiner, mal größer, mal einfarbig schattierend und dann mit Muster. Sie scheinen kurz auf dem Netz innezuhalten, und man erwartet als Betrachter förmlich, dass sie gleich weiterfliegen. „Zu diesem Werk bin ich durch ein Lied von Novalis inspiriert worden“, sagt Andrea Weyergraf-Hahn. „Wer Schmetterlinge lachen hört“ hat sie ihre Arbeit daher genannt.

Aber nicht nur die lachenden Schmetterlinge laden zum Verweilen, Schauen und Entdecken ein. Im Rahmen der Reihe „Kunst im Traumraum“ verschönern die Werke der Künstlerin aus Ratingen-Homberg noch bis Dezember das Trauzimmer im Rathaus. Für die 58-Jährige ist es die erste Ausstellung in Tönisvorst. Der Kontakt zu der Künstlerin entstand über den Standesbeamten Manfred Küsters. „Wir kennen uns schon seit dem Studium, und ich wollte Andrea schon immer einmal für eine Ausstellung in unserer Apfelstadt begeistern“, sagt Küsters. Jetzt hat es geklappt, wobei es die elfte Ausstellung ist, die ins Trauzimmer eingezogen ist.

Weyergraf-Hahn verarbeitet in ihren Collagen und Assemblagen unterschiedlichse Materialien. Für den Betrachter heißt dies: Es gibt jede Menge zu entdecken. Es sind immer wieder viele Details, die in ihren Bildern auftauchen und die zu einem Aha-Effekt führen. Wer vor ihren Arbeiten steht, möchte sie am liebsten anfassen, um festzustellen, wie sich das Material anfühlt. Auf ihren Hintergründen, die aus Schichten von Sand, Farbe, Pigmenten und Spachtelmasse aufgebaut sind und für sich schon ein Hingucker sind, geben sich Dinge, die sie teilweise gefunden hat oder die dem Alltag entspringen, ein Stelldichein. Aus Rost, Draht, Textilien und Seidenpapier entstehen Kompositionen und Figuren. Da sind es die Könige, die aneinander Halt geben. Kleine rostige Kronen treffen ehemalige, ebenfalls rostende Kettenglieder. Zwei völlig unterschiedliche Dinge, die bei Weyergraf-Hahn ein stimmiges Gesamtwerk ergeben. „In meinen Arbeiten treffen Altes und Rostiges auf Schönes und Zartes“, sagt die Künstlerin, die sich nach ihrem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin intensiv mit der Kunst beschäftigte und unter anderem Ausbildungen bei Daniela Kosik, Sabina Ritterbach und Rainer Storck absolvierte.

In ihrem Werk „Die Mondin“ gibt es so nicht nur den roten, den vernebelten und den goldenen Mond, wobei Rot das Feuer symbolisiert und für die Kraft der Liebe steht. Hinter den Nebelschwaden vollzieht sich eine Wandlung, aus der letztendlich die goldene Mondin entsteht. Eingearbeitete Fossilien und rostige Eisenteile erinnern indes an die zeitliche Begrenztheit und die Vergänglichkeit. Ideengeber für die außergewöhnliche Assemblage war dabei das Gedicht „Freundschaft mit der Mondin“. Plastisch wirkende Engel, die feine Spitze, leichte Federn, glitzernde Perlen, einen Seestern und rostigen Draht mit Seidenpapier in sich vereinen sind ebenso anzutreffen wie das Werk „Aufbrechen“, bei dem Weyergraf-Hahn aus der Kombination und Verarbeitung verschiedener Materialien eine Art aufbrechendes Wespennest geschaffen hat, in dessen Inneren ein goldenes Ei liegt. Jedes der Werke ist eine Schöpfung mit starkem Ausdruck. Wobei diejenigen, die bis einschließlich Dezember im Traumraum heiraten, sich auf die Fotografie der Arbeit „Wer Schmetterlinge lachen hört“ im Stammbuch freuen dürfen.

Die Ausstellung „Mit den Augen fühlen, mit dem Herzen sehen“ von Andrea Weyergraf-Hahn ist bis zum 21. Dezember im Trauraum des Tönisvorster Standesamtes, Hochstraße 20a, zu sehen. Die Ausstellung kann nach Anmeldung während der Dienstzeiten des Standesamtes besucht werden. Kontakt: Manfred Küsters, Telefon 02151/999207.

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