20 Jahre Bürgerbus Tönisvorst

Tönisvorst : Bürgerbus ist seit 20 Jahren unterwegs

In der nächsten Woche jährt sich die erste offizielle Fahrt des Bürgerbusses durch St. Tönis zum 20. Mal. Gut 440.000 Fahrgäste haben die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer seit 1999 sicher ans Ziel gebracht.

Am 20. Dezember 1999 rieb sich manch St. Töniser verwundert die Augen: Was war das für ein Fahrzeug, das da auf einmal durch die Wohngebiete fuhr und Leute einsammelte? Es war der Bürgerbus, der das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs erweiterte und die Menschen dort abholte, wo keine Straßenbahn und kein Bus hinfuhren.

Was damals für Verwunderung sorgte, ist heute nicht mehr wegzudenken. Seit 20 Jahren gibt es den Fahrservice von Ehrenamtlern für Bürger, die kein Auto oder keinen Führerschein haben, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Gesundheit nicht mehr selber Auto oder Fahrrad fahren können. Seinen Dreh- und Angelpunkt hat der Bürgerbus am Wilhelmplatz. Von dort geht es über die Ringstraße ins Pippergebiet, zum Schwimmbad, zu Krankenhaus, Altenheim und durch das Wohngebiet Südstraße. Auch das Seidenviertel ist über den Bürgerbus an die Innenstadt angebunden. 46 Haltestellen gibt es im Stadtteil. „Ziel ist, dass niemand weiter als 200 Meter bis zu einer Haltestelle laufen muss“, erklärt Horst Dicken, seit 2015 Vorsitzender des Vereins.

Für den 20. Dezember wird der Bus geschmückt. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Unterwegs ist der Bürgerbus bei jedem Wetter von montags bis freitags zwischen 7.40 und 18.36 Uhr. Samstags fährt er von 8.40 bis 14.36 Uhr. Weil die Fahrer ehrenamtlich arbeiten, ist das Ticket für die Nutzer günstig: 1,30 Euro kostet die Tour für Erwachsene, 80 Cent für Kinder ab sechs Jahre, Behinderte fahren kostenlos. „Die Idee kommt aus den Niederlanden“, sagt Pressesprecher Manfred Hoffmann, einer der derzeit 42 ehrenamtlichen Fahrer. Insgesamt waren es in den vergangenen 20 Jahren 95 Fahrerinnen und Fahrer, die 75.000 Stunden am Steuer gesessen haben. Sie sind mehr als zwei Millionen Kilometer gefahren und haben 440.000 Gäste befördert, wie Horst Dicken für die offizielle Feier im September in Erfahrung gebracht hatte.

Meistens gehen die Ehrenamtler ihrem Dienst gerne nach. Aber hin und wieder gibt es auch ärgerliche Vorkommnisse. „Als der Vorster Rewe-Markt vor ein paar Wochen wegen Umbaus geschlossen war, haben wir donnerstags Extra-Fahrten eingelegt, damit die Vorster nach St. Tönis zum Einkaufen und zum Wochenmarkt kommen“, erzählt Manfred Hoffmann. In den sogenannten sozialen Medien sei daraufhin gefordert worden, dass der Bürgerbus sich nicht feiern müsse wegen des Angebots, sondern Vorst lieber regelmäßig bedienen soll.

„Vielen ist gar nicht klar, dass wir nicht bezahlt werden, sondern unentgeltlich in unserer Freizeit den Fahrservice anbieten“, sagt Hoffmann. Tatsächlich sei der Bürgerbus in den Anfangsjahren auch nach Vorst gefahren, aber die Route wurde nicht gut angenommen. Busse der Stadtwerke Krefeld (SWK) bedienen jetzt die Pendler. Trotz ehrenamtlicher Arbeit und Sponsoren muss das Team vom Bürgerbus nämlich aufs Geld schauen. „Von 18.000 Fahrgästen im Jahr haben 6000 einen Behindertenausweis und fahren, wie kleine Kinder, kostenlos mit“, sagt Dicken. Das Land decke mit seiner Unterstützung die ausgefallenen Einnahmen nicht komplett.

„Was wir leisten, wird völlig unterschätzt“, sagt der Vorsitzende. Neben Versicherungs-, Sprit- und Unterhaltungskosten muss der Verein alle sieben Jahre einen neuen Bus kaufen. 2020 ist es wieder so weit. Dann kommt ein Niederflurbus zum Einsatz, damit es für Menschen mit Rollatoren einfacher wird, den Bus zu betreten. „Der Niederflurbus kostet 100.000 Euro und damit 40.000 mehr, als die bisherigen Modelle“, sagt Dicken: „Der Antrag für den neuen Bus, den die Stadt bezuschusst, wurde im Mai 2019 gestellt. Er läuft über die SWK, die die Landesmittel beantragt. Pünktlich zum runden Geburtstag wurde die Anschaffung jetzt genehmigt. Mit dem Einsatz rechnet der Verein für Herbst, dann können auch Tickets des öffentlichen Personennahverkehrs genutzt werden, um vom Wilhelmplatz mit dem Bürgerbus kostenlos in die Wohngebiete zu fahren.

Für seine Geburtstagsrunde am Freitag, 20. Dezember, wird der Bürgerbus geschmückt, und die Gäste erhalten an diesem Tag ein kleines Präsent.