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125 Jahre nach der Uraufführung von "Hänsel und Gretel" besucht eine deutsch-peruanische Famile (St. Tönis/Lima) die Vorstellung in Krefeld

St. Tönis : Märchenoper vereint Familie aus St. Tönis

Am 23. Dezember 1893 wurde „Hänsel und Gretel“ uraufgeführt. Exakt 125 Jahre später gibt es eine Vorstellung im Theater Krefeld, die eine niederrheinisch-peruanische Familie zusammenbringt: Die Scheurenbergs lieben die Oper.

Die Oper „Hänsel und Gretel“ gehört bei so manchem Musikliebhaber unbedingt in die Adventszeit. So auch bei Ursula Scheurenberg aus St. Tönis. Allerdings wird der Besuch des Stadttheaters Krefeld am 23. Dezember für sie ein besonderes Ereignis. Aus zweierlei Gründen. Die Aufführung findet auf den Tag genau 125 Jahre nach der Uraufführung statt: Engelbert Humperdincks spätromantische Oper wurde am 23. Dezember 1893 mit außerordentlichem Erfolg am Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Ursula Scheurenberg hat das Stadttheater auf diesen Jubiläumstermin aufmerksam gemacht.

Der zweite Grund: „Mein Sohn hat sich Theater gewünscht“, sagt sie und erfüllt ihm gerne diesen Wunsch – Thomas Scheurenberg lebt nämlich in Lima. Seit Montag Abend ist er in seiner Heimatstadt, um die Weihnachtstage bei seiner Mutter zu verbringen. Er ist nicht allein gekommen, sondern hat seine zweite Frau Ana und deren Sohn Lucas mitgebracht. Für den 16-jährigen Lucas – mit ihm spricht Ursula Scheurenberg Englisch – ist es der erste Besuch in Krefeld. Am Tag nach der Ankunft stand sehr traditionell ein Essen im Nordbahnhof auf ihrem Programm. Das hat Thomas Scheurenberg von Lima aus organisiert. Über den Weihnachtsmarkt will die Familie auch schlendern, und für das neue Jahr haben sie sich eine Reise nach Berlin vorgenommen.

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Thomas Scheurenberg lebt schon seit einigen Jahren in Südamerika. Zuerst war der Textilingenieur in Kolumbien tätig; jetzt arbeitet er in der peruanischen Hauptstadt. Dort hat Ursula Scheurenberg ihn schon mehrmals besucht: „Ich fliege gerne“, sagt sie. Von ihren Reisen bringt sie Fotos mit, mit denen sie dann Bücher gestaltet. Bogotá, Lima und auch Indien hat die ältere Dame gesehen. „Das Fotografieren ist mein zweites Hobby“, sagt sie. Sie freut sich schon darauf, ihrer Familie die neuen Alben zu zeigen. Thomas Scheurenberg und seine Mutter pflegen einen engen Kontakt: „Mein Sohn ruft mich jeden Tag an“, sagt sie.

 „Hänsel und Gretel“ mit Susanne Seefing als Hänsel, Sophie Witte als Gretel und Markus Heinrich als Hexe.
„Hänsel und Gretel“ mit Susanne Seefing als Hänsel, Sophie Witte als Gretel und Markus Heinrich als Hexe. Foto: Matthias Stutte

Ursula Scheurenberg wurde 1941 in Bayern geboren; ihre Mutter war während des Krieges aufs Land geschickt worden. Mit der Bauersfamilie verstand sie sich gut: „Die Bäuerin hat mich zur Taufe getragen.“ Und später haben sie einander häufig besucht. Mit 15 Jahren ist Ursula Scheurenberg zur Verseidag in die Lehre gegangen, war später in St. Tönis tätig: „Ich habe 45 Jahre lang gearbeitet.“ Mit 60 ist sie in den Ruhestand gegangen.

Das Singen und die Musik sind ihr erstes Hobby und haben sie ihr ganzes Leben begleitet: „Mit 14 Jahren bin ich in den Chor eingetreten.“ Sie erinnert sich gerne an die Aufführungen, an denen sie mitgewirkt hat. Zum Beispiel hat sie das Mozart-Requiem unter dem Dirigat von Dieter Schulte-Bunert gesungen und auch das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. „Ich durfte Weihnachten auch mal solo singen“, erzählt sie.

Ursula Scheurenberg ist sehr häufig ins Theater gegangen – am liebsten in die Oper. Nun freut sich die Familie auf den gemeinsamen Abend bei „Hänsel und Gretel“.

Die Uraufführung von „Hänsel und Gretel“ am 23. Dezember 1893 in Weimar dirigierte Richard Strauss. Das Libretto verfasste Humperdincks Schwester Adelheid Wette zusammen mit ihrem Mann Hermann Wette. Sie hatte den Stoff zunächst als häusliche Theateraufführung bearbeitet. Hermann Wette, Arzt und Schriftsteller aus dem nordrhein-westfälischen Hebern (heute Ascheberg), war Schüler des Collegium Augustinianum Gaesdonck am Niederrhein.