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Solingen: Zurück zur Normalität

Solingen : Zurück zur Normalität

Die Schuldenkrise und hohe Rohstoffpreise dämpfen derzeit die Zukunftserwartungen der Unternehmen. Nach einer Umfrage der IHK-Initiative Rheinland, an der sich auch die bergische Industrie- und Handelskammer beteiligte, hat sich der Aufschwung indes bis in diesen Herbst unvermindert fortgesetzt. Der Unternehmer Horst Gabriel, zugleich Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes und Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung, kann sich zurzeit noch vor Aufträgen nicht retten.

Ihr Unternehmen, die Emde GmbH, ist Zulieferer für die Elektro- und Automobilindustrie. Sind die Auftragsbücher gut gefüllt?

Gabriel Unsere Auftragsbücher sind zurzeit noch sehr gut gefüllt. Wir können die Aufträge nur mit Mühe bewältigen, zum Teil arbeiten wir noch Rückstände aus dem letzten halben Jahr auf. Bei der Elektroindustrie ist das zweite Halbjahr aber schon deutlich ruhiger geworden, die Automobilindustrie will allerdings das Jahr 2011 mit einem Rekordergebnis beenden. 2012 wird es hier aber voraussichtlich auch deutlich ruhiger werden.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Gabriel Das wird unsere Produktionskapazitäten dann passgenauer füllen, die wir wegen der enorm hohen Anfragen ausgebaut haben.

Also alles eitel Sonnenschein?

Gabriel Nein, denn wir können ja nicht nur die Umsatzseite betrachten. Die Ertragsseite hat nämlich schon in diesem Jahr gelitten. Die Unternehmen, gerade die aus der Automobilindustrie, verlangen pünktliche Lieferung. Gelingt das trotz unglaublicher Anstrengungen nicht, werden Konventionalstrafen fällig. Die Automobilindustrie geht hier rigoros bei den Zuliefern vor und schreibt dicke Rechnungen, wenn man einen Termin nicht einhalten konnte.

Viele Unternehmer berichten derzeit über eine gute Lage, sie ärgert aber eine Miesmacherstimmung, die letztlich auch dazu führen könnte, dass in absehbarer Zukunft die Geschäfte wirklich schlecht laufen.

Gabriel Ich glaube nicht, dass wir einen ähnlichen Absturz wie 2008/2009 erleben werden. Wir werden eine Konjunkturabschwächung erleben, aber die schadet insofern nicht, weil 2011 überzogen war und wir nun wahrscheinlich wieder in den Normalbereich zurückgelangen werden. In Deutschland laufen die Geschäfte noch ganz gut, in der Europäischen Union dagegen etwas schlechter. China ist weiter ein guter Exportmarkt. Aber hier sehe ich auch Risiken, dass die in Zukunft alles selber machen und Deutschland seine Vorreiterposition in der Automobilzulieferbranche verlieren könnte. Geschieht dies, müssen wir uns warm anziehen.

Welche Risiken sehen Sie für den weiteren Konjunkturverlauf?

Gabriel Bezogen auf mein Unternehmen bin ich optimistisch, weil wir breit aufgestellt sind. Ich gehe nicht davon aus, dass alle Bereiche gleichzeitig einbrechen werden. Zudem haben wir unsere Flexibilität deutlich erhöht. Höhere Rohstoffpreise haben wir bereits eingerechnet, einen zusätzlichen negativen Schub erwarte ich hier nicht, zumal ich das Gefühl habe, dass sich die Preise stabilisiert haben.

Ist es immer noch schwer, Fachkräfte zu bekommen?

Gabriel Das ist nach wie vor ein wirkliches Problem, vor allem im Bereich der Stanztechnik. Ich suche händeringend einen Produktionsleiter beziehungsweise Stanzereileiter. Auf dem Markt ist so eine Fachkraft derzeit nicht zu finden.

Uwe Vetter führte das Gespräch mit Horst Gabriel.

(RP)