Solingen: Zurück zur Natur

Solingen : Zurück zur Natur

Fremd- und auch Regenwasser soll künftig nicht mehr in die Abwasserkanäle fließen. In den Siedlungen Böckerhof und Weegerhof wird das Wasser oberirdisch über Rinnen in den Weinsberger Bach abgeleitet.

Der Weinsberger Bach soll in Zukunft mehr „frisches Wasser“ erhalten. Im Rahmen eines Umweltprojektes wird deshalb so genanntes Fremdwasser in den Siedlungen Böckerhof und Weegerhof des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV) oberirdisch über Rigolen beziehungsweise Rinnen abgeleitet. „Positiver Nebeneffekt ist, dass wir über dieses Umweltprojekt auch Regenwasser mit ableiten können, das in diesem Gebiet dann nicht mehr in die Kanäle gelangt“, sagt Manfred Müller von den Entsorgungsbetrieben Solingen (EBS).

Landesweit beschreitet Solingen hier eine Vorreiterrolle und hofft für dieses Pilotprojekt auch auf finanzielle Unterstützung des Landes. Ist es von Erfolg gekrönt, dann könnte dieses Projekt im gesamten Regierungsbezirk beziehungsweise in NRW ebenfalls Anwendung finden. Denn mittelfristig lassen sich so enorme Kosten sparen. Immer dann, wenn Fremdwasser naturnah abgeleitet und der Bau neuer, größerer Kanäle so vermieden werden kann.

Die Siedlung Böckerhof ist dabei in zwei Gebiete – Ost und West – unterteilt. „Idee ist, dass Fremdwasser über den Grünstreifen beziehungsweise Graben in der Mitte der Wittekindstraße in Richtung der Kleingartensiedlung Gabelsberger Straße zu leiten.“ Die Grünfläche vor dem Eingang der Kleingartensiedlung wird als Mulde ausgebaut, von dort fließt das Wasser dann durch die Gartenanlage links vorbei vom Restaurant hinein in den Weinsberger Bach – den ersten offenen Teil des Bachs. „Wir haben für das gesamte Gebiet eine Konzeption erarbeitet“, berichtet Manfred Müller.

Während das Umweltprojekt im Böckerhof ab dem kommenden Jahr umgesetzt werden soll, ist man in der SBV-Siedlung Weegerhof bereits kurz vor dem Start. „Nächsten Monat wird hier die Umgestaltung in Angriff genommen und Fremd- beziehungsweise Regenwasser direkt in den Weinsberger Bach geleitet“, sagt Müller. Er sieht in dem Umweltprojekt ebenso wie SBV-Geschäftsführer Gerhard Rohde eine „schöne, innovative Sache“ beziehungsweise eine „pfiffige Lösung“. „Oberflächenwasser wird beispielsweise schon in unserer Siedlung Börkhauser Feld über Gräben in einen Teich geleitet“, sagt Rohde, „die Abwässerkanäle werden durch dieses getrennte System weniger belastet.“

Für die Entsorgungsbetriebe Solingen bringt das Modellprojekt neben ökologischen darüber hinaus auch handfeste finanzielle Vorteile. „Wenn wir Fremdwasser aus den Kanälen herausnehmen können, dann müssen wir die Kanäle nicht mehr vergrößern“, weiß Manfred Müller.

So könnten mittelfristig für die Bürger auch die Abwasser-Gebühren stabil gehalten werden. Die naturnahe Umgestaltung erhöhe zudem die Wohnortqualität. „Da wir viele Bachläufe im Stadtgebiet haben, können wir uns vorstellen, dies an weiteren Stellen umzusetzen, um so das öffentliche Abwasserkanalsystem zu entlasten“, meint Müller.

(RP)