Solingen: Zukunftstechnik: Bauteile per 3 D-Druck

Solingen: Zukunftstechnik: Bauteile per 3 D-Druck

Die Wirtschaftsförderung koordiniert das neue Netzwerk für hiesige Firmen, das gestern gestartet ist.

Eines Tages können Firmen aufs Ersatzteillager verzichten. Das Bauteil für den 68er Ford Mustang lässt sich dann kurzerhand per dreidimensionalem Drucker herstellen. Dies ist freilich noch Zukunftsmusik. Doch diese Vision gibt für das gestern gestartete Netzwerk "D 3-Druck Solingen" die Richtung vor. "Firmen sind sehr interessiert", hieß es bei Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol, Netzwerk-Koordinator Werner Koch, Professor Sebastian Weber und weiteren Mitstreitern während der Präsentation in den Lehrstuhl-Räumen für neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe der Bergischen Uni im früheren Hauptbahnhof.

Das Netzwerk auf Initiative der Wirtschaftsförderung will die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen stärken, um den Anforderungen der Zukunft unter dem Slogen additive Fertigung und Industrie 4.0 gerecht zu werden. Es entwickelt sich sehr schnell, betonte Balkenhol. 3 D-Druck ist dabei eine der Schlüsseltechnologien. Solinger Firmen können sich über das Netzwerk austauschen, um beim Know-how und auch bei den Druck-Kapazitäten voneinander zu profitieren. Dies ermöglicht ihnen, Anschluss an die neue Technologie zu halten. Gerade in Solingen beziehungsweise im Bergischen Land sind überdurchschnittlich viele Unternehmen im produzierenden Bereich mit den Schwerpunkten Metallbe- und Metallverarbeitung, Maschinenbau, Oberflächentechnik und Kunststoffbearbeitung tätig.

"Das ist eine Chance für die Unternehmen", erklärte Werner Koch. Seine Einschätzung: "Der 3 D-Druck erobert jetzt die Fabrikhallen." Denn immer rasanter lassen sich damit Werkstücke herstellen, und dies nicht nur aus Kunststoff, sondern sogar aus Metall. Weil Patente auslaufen, wird das Verfahren zugleich immer kostengünstiger. Obendrein werden neue Materialien entwickelt, die die Möglichkeiten der Fertigung erheblich erweitern.

Professor Weber, der den Uni-Lehrstuhl im Südpark bekleidet, erwartet in absehbarer Zeit allerdings noch keine Großserien-Produktion per 3 D-Druck. Vielmehr könne durch Sonderserien speziellen Kundenwünschen entsprochen werden.

Diese Marktchance sieht auch das Unternehmen Aumat aus Merscheid. Der Sondermaschinen-Bauer gehört dem Netzwerk bereits an. 3 D-Druck sei ideal für mittelständische Firmen, sagte Aumat-Technikleiter Achim Ihlefeld. "Wir suchen nach professionalen Maschinen, die auf Knopfdruck verschiedene Materialien verarbeiten können - und die auch bezahlbar sind." Gleichwohl ist nach seiner Einschätzung hier noch Entwicklungsarbeit zu leisten. Einen Baustein dazu hat das neue Netzwerk bei der gestrigen Präsentation freilich bereits hinzugefügt: Durch die Weltpremiere, bei der der Faden eines neu entwickelter Hochleistungskunststoffs von einem D 3-Drucker, der bis zu 400 Grad heiß werden kann, geformt wurde.

Eine Firma aus den Niederlanden und Forscher eines jungen Unternehmens aus Karlsruhe haben daran mitgewirkt. Der sogenannte "PEEK"-Kunststoff wird in der Medizintechnik bei Implantaten eingesetzt, aber auch in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Automobilbranche. "PEEK" ist bis zu 70 Prozent leichter als Metalle, jedoch im Hinblick auf die Stabilität gleichwertig.

Die Forscher sprechen freilich von einem explosionsartigen Interesse an ihrer Innovation, den Hochleistungskundstoff dreidimensional zu drucken. Bezeichnend sei allerdings, dass die Nachfrage hauptsächlich in Amerika bestehe.

(RP)
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