1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Zeugin bestätigt die Folgen der Misshandlung

Solingen : Zeugin bestätigt die Folgen der Misshandlung

Beim Prozess gegen den 52-jährigen Solinger Ulrich K. (Name geändert) wegen des Vorwurfs der zweifachen Vergewaltigung geht die Zeugenvernehmung vor der Zweiten Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts weiter.

Dabei kam gestern eine Sozialarbeiterin des Solinger Frauenhauses zu Wort. Sie hat das mutmaßliche Opfer Petra K. (30, Name geändert), die getrennt lebende Ehefrau des Angeklagten, von 2008 bis 2009 beraten und bis zuletzt einen guten Kontakt zu ihr gepflegt. Die Sozialarbeiterin berichtete ausführlich von ihren Gesprächen mit Petra K..

Diese hatte den Angeklagten bereits im Alter von 17 Jahren geheiratet. Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen. Der vorbestrafte Solinger sei für seine Ehefrau eine Art Vater-Ersatz gewesen, schilderte die Zeugin. Stets habe sich Petra K. jedoch von ihrem Ehemann bedroht gefühlt. Vor allem seine Wutausbrüche unter Alkoholeinfluss, seine Gewalttätigkeit und der Hang zu unnormalen sexuellen Praktiken hätten zu den Gesprächsthemen im Frauenhaus gehört, berichtete die 54-jährige Sozialarbeiterin weiter.

Im Sommer 2009 habe Petra K. einen anderen Mann kennengelernt. "Sie plante, Solingen zu verlassen, und hat heimlich den Umzug organisiert", erinnert sich die Zeugin. Zwei Schwangerschaften von ihrem neuen Lebensgefährten seien fehlgeschlagen.

Inwieweit Ulrich K. darüber unterrichtet war, weiß die Zeugin nicht mit Sicherheit. Die beiden Vergewaltigungen sollen sich im Oktober 2009 und im Februar 2010 zugetragen haben.

Vor allem zum Hergang der zweiten Tat hakte das Gericht mehrfach nach. Petra K. sei von ihrem Ehemann unter einem falschen Vorwand in dessen Wohnung gelockt worden, berichtete die Zeugin. Dann habe Ulrich K. sie mit einer Pistole bedroht, gefesselt, über einen Zeitraum von mehreren Stunden misshandelt und vergewaltigt. Striemen an den Handgelenken bezeugten die Gewaltanwendung.

Dennoch hatte sich Petra K. laut der Zeugenaussage nicht getraut, in ein Krankenhaus zu fahren oder die Polizei zu informieren. Die Frage des Gerichts nach der Glaubwürdigkeit des Opfers bejahte die Sozialarbeiterin. Sie charakterisierte Petra K. als eine überaus sympathische und ehrliche Person, die nie übertrieben habe.

Kinder wirkten verstört

"Ich hatte manchmal das Gefühl, dass das eher die Spitze des Eisbergs ist, worüber sie spricht", berichtet die Zeugin. Zudem soll Ulrich K. seiner Ehefrau E-Mails geschickt haben, in denen er den Tathergang noch einmal aufarbeitete. Auch die gemeinsamen Kinder sollen vom 54-Jährigen wiederholt geschlagen worden sein. "Direkt beim ersten Besuch im Frauenhaus wirkten die Kinder sehr unruhig", schilderte die Sozialarbeiterin.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ulrich K., der bereits wegen Sexualverbrechen und Körperverletzung im Gefängnis saß, zudem den Besitz kinderpornografischer Schriften und Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Sie fordert für den 54-jährigen eine Sicherungsverwahrung. Acht Prozesstage sind insgesamt angesetzt. Die nächste Sitzung ist für den 12. Juli anberaumt.

(RP)