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Zentrum für verfolgte Künste kooperiert mit UNO

Zentrum für verfolgte Künste kooperiert mit UNO : Erinnerungs-Projekt wurzelt in Solingen

In der Online-Ausstellung „Sieben Orte in Deutschland“, die am Montag eröffnet wird, nimmt jüdisches Leben in Solingen einen wichtigen Platz ein.

Bedrohlich bauen sich SA-Männer vor dem Walder Ladenlokal des Geschäftsmanns Albert Tobias auf. Am Schaufenster hinter ihnen prangt die Nazi-Parole „Deutsche, kauft nicht bei Juden!“ Bilder wie dieses vom 1. April 1933 haben sich in das Gedächtnis von Generationen eingebrannt – und liegen mitten auf einem Zeitstrahl, der die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in allen Facetten und über viele Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart dokumentiert. „7 Places – Sieben Orte in Deutschland“ heißt die digitale Ausstellung, die am Montag zum Gedenken an die Reichspogromnacht an den Start geht.

Und die weltumspannende Weite des Internets macht sie nicht nur rund um den Globus sichtbar, auch ihre Schöpfer stammen von dies- und jenseits des Atlantiks: Denn das Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen hat das Projekt gemeinsam mit einer Abteilung der Vereinten Nationen (UNO) aus der Taufe gehoben – und eine Not zur Tugend gemacht: Denn angesichts der Corona-Pandemie fiel die Entscheidung für ein Online-Format mit all seinen Möglichkeiten statt einer Präsenzveranstaltung.

„Die Ausstellung wird sich weiterentwickeln und eine eigene Dynamik bekommen“, sagt etwa Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste. Das hatte vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Krakauer Museum für Gegenwartskunst die Künstlerbiographie „Kichka. Life is a Cartoon“ realisiert – und ausschnittweise vor den Vereinten Nationen in New York gezeigt. Diese transatlantische Brücke blieb seitdem erhalten – und mündet nun, 75 Jahre nach Kriegsende und UNO-Gründung, im Gemeinschaftsprojekt.

„Sieben Orte in Deutschland“, das sind Synagogen und Gedenkstätten, Einrichtungen, die vieles über jüdisches Leben und seine Geschichte zu erzählen haben. Und dazu gehört auch die Klingenstadt. Hier war es Daniela Tobias vom Verein Bildungs- und Gedenkstätte Max Leven-Zentrum, die den Zeitstrahl als Kernelement der Ausstellung aus lokaler Sicht zu füllen half: Gemeinsam mit Ralf Rogge vom Stadtarchiv sichtete sie Dokumente und stellte sie den Projektpartnern zur Verfügung.

Der erste Eintrag über einen Juden in Solingen datiert von 1568 im Protokoll eines „Schleifergerichts“. Das hatte dem Mann untersagt, das Zeichen eines Schmieds auf die von ihm gehärteten und geschliffenen Schwerter zu schlagen. Weitere Daten sind die erste Erwähnung des Jüdischen Friedhofs 1718, die Errichtung der ersten Synagoge am Südwall 1788, die Gründung der Stahlwarenfirma Alexander Coppel 1821 und die Einweihung der Synagoge Malteserstraße 1872. Die Schicksale von Solinger Juden während des Nazi-Terrors – von Pogromen bis zu den Deportationen – ruft die Sammlung ebenso ins Gedächtnis wie die Initiativen zu ihrer Aufarbeitung: zum Beispiel den ersten Mahngang, mit dem Bürger 1978 der Porgrome gedachten. Oder die Begründung der Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Ness Ziona sowie die Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Friedhof neun Jahre später.

„Ich bin selbst sehr gespannt, wie das alles am Ende in der Ausstellung ausssieht“, sagt Daniela Tobias. Der vorerst letzte Eintrag auf der Zeitleiste ist die Gründung der Initiative zur Schaffung des Max Leven Zentrums 2019. „Geschichte passiert“, betont Jürgen Kaumkötter, und so reicht der Zeitstrahl nicht nur zurück, sondern läuft weiter. Ein Eintrag ist Eröffnung der Ausstellung am Montag.