Solingen: Zeitreise im Gemeindesaal

Solingen: Zeitreise im Gemeindesaal

Mit einem Konzert von Hermann Daun in der Musikschule "Da Capo" wurde am Samstagabend die Solinger Blueswoche 2010 eröffnet. Abgerundet wurde die gelungene und gut besuchte Auftaktveranstaltung durch Auftritte von Spencer Bohren und Peter Jagger.

Als Fritz Kappner, bei der "Provinz lebt" (heute: Cobra) für die dezentrale Kulturarbeit zuständig, 1986 in Kooperation mit dem Konzertveranstalter Wolfgang Pieker aus Mettmann die Blueswoche ins Leben rief, fanden die Konzerte mehr oder weniger nur an einem oder zwei Veranstaltungsorten statt. Doch das Sterben einiger Veranstaltungsorte in der Klingenstadt bedingte in den vergangenen Jahren machen Ortswechsel. Kappner machte aus der Not eine Tugend und verteilte die Konzerte auf viele verschiedene Solinger Gaststätten. Und manchmal entdeckte der Veranstalter in der Vergangenheit auch Orte wieder ganz neu für seine Konzerte, wie jetzt auch wieder für den Auftakt der Blueswoche 2010, die am Samstagabend in der Musikschule "Da Capo" eröffnet wurde.

Die Musikschule neben dem Theater und Konzerthaus verfügt über einen kleinen Veranstaltungssaal für rund 150 Besucher. Und der wiederentdeckte Saal war dann vor dem Beginn des Konzertes auch erst einmal die Hauptattraktion: Ein mit dunkelbraunen Holzpaneelen verkleideter, fast quadratischer Saal mit dem unveränderten Charme eines Gemeindesaals der 60er-Jahre – ideal also für Blues-Konzerte und Auftritte von Singer/Songwritern, so wie es sich beim gut besuchten Eröffnungsabend der Blueswoche zeigte.

Solingens weiße Soulstimme

Kappner hatte sich für das Konzert am neuen alten Ort etwas Besonderes einfallen lassen. Er gab Künstlern des Solinger "Valve"-Labels die Möglichkeit, ihre Blueswurzeln aufzuzeigen. Etwa Spencer Bohren und Pete Jagger. Und zum Beginn präsentierte sich Solingens weiße Soulstimme Hermann Daun mit einer extra für das Konzert zusammengestellten Band – bestehend aus Mutz ("Purple Sex Heads"), Ulf Seiffert ("Slo-Mo Beauties") und Philip Mancarella ("Son De La Goutte" und "Parfum Brutal"). Die Musiker wählten für den Auftritt die Instrumentierung eines klassischen Jazz-Trios (Keyboards, Bass und Schlagzeug), was den bekannten Blues- und Soul-Klassikern im Repertoire – und in neuen Arrangements – eine gehörige Portion Swing verpasste.

Mit "In The Midnight Hour" von Wilson Pickett eröffnete Daun den Auftritt, mit "Knock on Wood" von Eddie Floyd und Steve Cropper als Zugabe beendete der Sänger die knappen 40 Minuten seines Gigs. Nach kurzer Umbaupause spielte Spencer Bohren einen schönen Set im Stil eines klassischen Bluesmusikers. Den gelungenen Abend im wunderbaren und wiederentdeckten Veranstaltungsort rundete Peter Jagger ab, der ebenfalls Solinger Musiker als Begleitband auf der Bühne präsentierte.

(RP)