Zehn Jahre Rauchverbot in Solinger Kneipen

Ende der dicken Luft: Zehn Jahre Rauchverbot in Solinger Kneipen

Kneipe, Bier und Zigarette schienen lange untrennbar voneinander. Das änderte sich, als im Juli 2008 in NRW das Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen in Kraft trat.

„Für Betriebe, deren Fokus auf dem Essen liegt, haben sich die Auswirkungen in Grenzen gehalten. Für typische Kneipen war das Verbot aber sehr schlecht“, zieht Petra Meis ein gemischtes Fazit. Sie ist Vorsitzende des Solinger Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Auch Thorsten Hellwig vom Dehoga-Landesverband NRW rät zu einer differenzierten Betrachtung. In den Anfangsjahren sah das Verbot noch einige Ausnahmen vor, beispielsweise für Raucherclubs oder Raucherbereiche. Dies änderte sich aber mit dem Inkrafttreten des absoluten Rauchverbots am 1. Mai 2013. „Das hat sich in den Kassen der Wirte deutlich niedergeschlagen“, sagt Thorsten Hellwig. Darunter gelitten haben vor allem reine Schankwirtschaften.

Doch hat das Rauchverbot zu einem Kneipensterben geführt? Die Zahlen legen das nur bedingt nahe. Gab es 1994, also deutlich vor dem absoluten Rauchverbot, in Nordrhein-Westfalen laut der Dehoga noch mehr als 21.000 Schankbetriebe, waren es 2015 nur noch 8500. Belastbare Zahlen für Solingen gibt es nicht. Thorsten Hellwig betont deswegen, dass dieser Trend schon viel früher begonnen hatte und nicht einzig und allein auf das Rauchverbot zurückzuführen ist. Er ist sich jedoch auch sicher, dass diese Regelung die Entwicklung beschleunigt hat.

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Ein erklärter Gegner des Rauchverbots war Michael Vollak. „Für mich ist es aber nicht schlecht gelaufen“, sagt der Wirt der Ohligser Dürpelstube heute auf Nachfrage. Zum einen habe er sich auf seine Stammkundschaft weiterhin verlassen können. Zum anderen konnte er wegen der reinen Luft auch neue Kunden begrüßen. Dennoch würde er eine lockerere Regelung befürworten.

Volker Brandt will hingegen nicht, dass in seiner Kneipe „Brandy’s“ am Rathaus wieder geraucht wird. Er hat sich vor zehn Jahren dagegen entschieden, einen Raucherclub zu eröffnen und die Gesetzesänderung strikt durchgezogen. Die Belastung durch den Dunst sei kaum noch zu ertragen gewesen. Das Verbot habe seinem Geschäft nicht geschadet.

Brandt nennt ein weiteres Argument für rauchfreie Kneipen: „Wo geraucht wird, kann man alle zwei Jahre renovieren.“ Die Zahl der Verstöße gegen das Nichtraucherschutzgesetz in Solingen ist übrigens merklich zurückgegangen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres stellte das Ordnungsamt bei routinemäßigen Gaststätten- und Jugendschutzkontrollen lediglich zwei Verstöße fest.