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Wuppertal: Prozess nach Raubüberfall in Solingen an Vockerter Straße

Raubüberfall in Solingen : Mitläufer oder Anführer? Angeklagter will nicht in Haft

Der Angeklagte soll mit einer Jugendgang eine Gaststätte in Solingen und einen Kiosk in Wuppetal überfallen haben. Drei Mittäter wurden schon verurteilt. Der 23-Jährige will eine Haftstrafe vermeiden.

Dass er nicht in den Knast will, war dem Angeklagten schon in den frühen Morgenstunden des 26. Februar 2018 klar. Da saß er bereits im Polizeigewahrsam, nach zwei Raubüberfällen. In einer Gaststätte an der Vockerter Straße war die Wirtin mit einer Waffe niedergeschlagen worden, nur wenig später sollen der mittlerweile 23-Jährige und seine Mittäter einen Wuppertaler Kioskbesitzer ausgeraubt haben. Das alles ist beinahe drei Jahre her – die Jungs, die damals mit dabei waren, haben ihre Strafen längst abgesessen. Der Angeklagte war in Berufung gegangen, nachdem ihn das Amtsgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Die wird nun verhandelt.

Gleich nach der Tat hatte er der Polizei „Insiderwissen“ weitergegeben und als „Kronzeuge“ auf einer langen Liste die Namen derjenigen aufgeschrieben, die für die Einbrüche in Solinger Schulen verantwortlich gewesen sein sollen. Da soll es damals eine „Gruppe 426“ für den Stadtteil „Mitte“ gegeben haben, und eine „Gruppe 427“ für Wald. Stromkästen und Fensterscheiben sollen mit den Initialen bepinselt worden sein.

Einige der Mitglieder hatten bei den Raubüberfällen mit im Auto des Angeklagten gesessen. Die Jungs sollen später erzählt haben, dass der 23-Jährige die Idee zu den Raubüberfällen gehabt haben soll. Vermutlich haben sie mit dem „Verräter“ das sprichwörtliche Hühnchen zu rupfen und man könnte durchaus auf die Idee kommen, dass da jemandem etwas in die Schuhe geschoben werden soll.

Der Angeklagte selbst beteuert, am Tatabend „nur“ der Fahrer gewesen zu sein. Und tatsächlich gibt es in der Ermittlungsakte einen SMS-Verlauf, in dem zu lesen ist, dass er zu einem Schnellimbiss kommen solle, weil man „was machen“ wolle. Er solle sein Spielzeug nicht vergessen – laut Richter soll es sich um eine Schreckschusspistole gehandelt haben. Zudem behauptet der Angeklagte, von einem Mittäter bedroht worden zu sein: Wenn er nicht fahre, würde man seiner Verlobten und dem ungeborenen Kind etwas antun. Die Frau war einen Tag nach dem Raubüberfall in der Gaststätte aufgetaucht, um dort zu „recherchieren“ – die Wirtin hatte die Polizei gerufen.

Dass das Gericht ihm glaubt, darauf scheint sich der Angeklagte dennoch nicht verlassen zu wollen. Sein Verteidiger hatte ihn zu einem Psychiater geschickt und das Gericht hat selbst einen psychiatrischen Gutachter hinzugezogen. Neben der Schuldfähigkeit geht es darum, ob der 23-Jährige möglicherweise, und wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, nach Erwachsenenstrafrecht zu verteilen ist. Am Ende einer Begutachtung könnte aus Sicht des Gerichts auch stehen, dass die Strafe im Maßregelvollzug abgesessen werden muss. Soweit würde der Verteidiger dann doch nicht gehen wollen, aus seiner Sicht sei bei seinem Mandanten eine Reifeverzögerung festzustellen. Der Angeklagte selbst hofft vor allem auf eine Bewährungsstrafe.