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Solingen: „Wollen ein Stück Schinken“

Solingen : „Wollen ein Stück Schinken“

Sollte es diese Woche in der Metall- und Elektrobranche nicht zu einer Tarifvereinbarung am Verhandlungstisch kommen, kündigt Michael Mahlke von der IG Metall Warnstreiks für die erste Maiwoche an.

Am Donnerstag dieser Woche, 26. April, treffen sich die Arbeitgeber der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie in Gelsenkirchen zur vierten Tarifrunde mit der IG Metall. Morgenpost-Redakteur Uwe Vetter sprach mit dem Ersten Bevollmächtigten der Gewerkschaft, Michael Mahlke, über den bisherigen Verlauf der Tarifrunde und seine Einschätzung darüber, ob bis zum Ende der Friedenspflicht am 28. April ein Ergebnis am Verhandlungstisch erzielt werden kann.

Geht es jetzt nur noch um mehr Lohn und Gehalt?

Mahlke Im Wesentlichen ja, wichtige Zukunftsthemen wie Qualifizierung, Altersvorsorge und Ausbildung wurden bereits im vergangenen Jahr angepackt und geregelt. Wir wollen jetzt einen dickeren Schluck aus der Lohnpulle haben. Das Geld der Arbeitnehmer wird in der Regel auch ausgegeben und stärkt den weiteren Aufschwung der Wirtschaft, während das Geld der Bosse im Ausland verschwindet.

Zwischen angebotenen drei Prozent der Arbeitgeber und geforderten 6,5 Prozent der IG Metall liegen aber noch Welten.

Mahlke Der Metall- und Elektrobranche geht es ausgesprochen gut, deshalb fordern wir auch eine gute Lohnerhöhung für die Beschäftigten. Allerdings setzt das entsprechenden Druck in den Betrieben voraus.

Nicht allen Betrieben geht es gleich gut . . .

Mahlke Das wissen wir, deshalb sind ja auch Differenzierungen vorhanden. In Betrieben, denen es nicht gut geht, gestalten wir abweichende Vereinbarungen. Das haben wir schon immer so gehalten.

Wo kommt man zusammen?

Mahlke Ich sitze ja nicht mit am Verhandlungstisch. Klar ist aber für die IG Metall, wir werden das Thema nicht, wie von der Arbeitgeberseite gewünscht, über Einmalzahlungen beenden. Wir wollen eine richtige Erhöhung für die einzelnen Tarifgruppen. Die deutsche Volkswirtschaft wächst dieses und nächstes Jahr nach neuesten Angaben um jeweils 2,5 Prozent insgesamt. In der Metallwirtschaft sind die Wachstumsraten dabei noch wesentlich besser.

Die Arbeitgeber wollen nicht über einen Tarifabschluss aus dem Vorjahr hinaus. Der lag bei drei Prozent.

Mahlke Das ist mit uns definitiv nicht zu machen, deshalb sind die Belegschaften gefordert, sich nach Ende der Friedenspflicht mit Warnstreiks für ihre Lohnerhöhung einzusetzen.

Wird es Ihrer Einschätzung nach am Donnerstag ein Ergebnis geben?

Mahlke Davon gehe ich eigentlich nicht aus. Ich glaube, die Arbeitgeber wollen zunächst sehen, ob die Arbeitnehmer wirklich entschlossen sind, für ihre Forderungen in den Unternehmen einzutreten. Insofern gehe ich von Warnstreiks in der ersten Maiwoche aus.

Warum sind Sie so pessimistisch?

Mahlke Weil sich die Arbeitgeber vergangene Woche bei der dritten Verhandlungsrunde in Neuss nicht bewegt haben. Bei der Industriegewerkschaft Metall steht fest, wir wollen eine hohe tabellen-wirksame Lohnerhöhung – die brauchen die Kollegen in den Betrieben auch. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung fordern wir deshalb bildlich gesprochen nicht zusätzlichen Speck, sondern ein Stück vom guten Schinken.

Laufen bereits Vorbereitungen für Warnstreiks?

Mahlke Ja, wir hatten schon zwei größere Veranstaltungen dazu, diese Woche steht eine weitere an. Wenn es am Donnerstag oder Freitag keine Tarifeinigung geben sollte, kommt es in Solingen und Remscheid in der nächsten Woche zu Warnstreiks.

(RP)