Solingen: WM-Aus reißt Loch in die Kasse von Wirten

Solingen : WM-Aus reißt Loch in die Kasse von Wirten

Von wegen Sommermärchen: Das Ausscheiden der deutschen Elf in der WM-Vorrunde hat die Fußballparty 2018 abrupt beendet. Leidtragende sind auch in Solingen vor allem die Gastwirte. Denn nun bleiben die Fans in den Kneipen aus.

Lange TV-Abende im Biergarten, spannende Spiele - und deutsche Siege. Es hätte alles so schön sein können. Wäre die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in ihrer Gruppe wenigstens auf Platz zwei gelandet, dann hätte das Team von Trainer Joachim Löw jetzt gegen Brasilien spielen dürfen. Doch bekanntermaßen kam es anders. Die Deutschen schieden aus - so dass am Montagnachmittag Mexiko das am Ende zweifelhafte Vergnügen zuteil wurde, sich von den Brasilianern mit 0:2 nach Hause schicken zu lassen.

Dabei sind aber nicht nur die Fußballer die Verlierer der WM 2018. Auch die Wirte und Kneipenbesitzer in der Klingenstadt leiden unter dem frühen Vorrunden-Aus der Deutschen. Beispielsweise verloren sich im Brandy's an der Potsdamer Straße beim Anpfiff der Partie Brasilien gegen Mexiko gestern um 16 Uhr nur einige wenige Besucher zum Public-Viewing in der Kneipe mit ihren insgesamt fünf TV-Bildschirmen.

"Durch den K.-o. der deutschen Mannschaft mache ich an den Tagen, an denen das DFB-Team hätte spielen sollen, vielleicht noch ein Sechstel des möglichen Umsatzes", zog Brandy's-Wirt Volker Brandt eine entsprechend negative Bilanz. Und anderswo herrschte ebenfalls Ernüchterung vor. Im Bräuhaus Ohligs war am Montag nämlich genauso wenig los wie im Gasthaus Schaaf, wo ebenfalls viele, viele Plätze leer blieben.

"Die Messe ist nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft gelesen", sagte Philipp Müller vom Gasthaus Schaaf. Gleichwohl zeigte sich Müller mit dem Zulauf der Fans im Biergarten an der Ritterstraße noch recht zufrieden. "Ähnlich wie zur Europameisterschaft 2016" werde man die WM-Spiele auf jeden Fall weiter anbieten, betonte der Gastronom. Während für das TV-Erlebnis im Biergarten kein Eintritt erhoben wird, muss für Speisen und Getränke natürlich gezahlt werden. Angeboten wird "klassische Stadionkost" wie Currywurst mit Pommes.

Drei Fernseher stehen im "Schaaf-WM-Park" in der Regel bereit - augenblicklich ist aber nur ein Gerät aufgebaut. Das sei abhängig von den jeweiligen Begegnungen. "Abseits der deutschen Spiele kommen nicht so viele", fasste Philipp Müller die bisherigen Erfahrungen mit den Übertragungen zusammen.

Tatsächlich wären die Wirte schon froh, die WM mit einer schwarzen Null zu beenden. Denn die Kosten bleiben. So hatten sich sowohl das Brandy's als auch das Gasthaus Schaaf vor dem ersten Anpfiff um Lizenzen gekümmert, damit die WM-Spiele gezeigt werden dürfen. "Mehr als 100 Euro an GEMA-Gebühren fallen an, an die Stadt haben wir ein Komplettpaket für die Beschallungserlaubnis in Höhe von 200 Euro gezahlt", rechnete Philipp Müller jetzt noch einmal vor.

Geld, das also teilweise der Stadt zugutekommt, die Laune im Rathaus aber auch nicht in die Höhe zu schrauben vermag. Der Grund: Die Stadt veranstaltete in diesem Jahr bei den deutschen Speilen ihrerseits wieder ein Public-Viewing im Theater und Konzerthaus. Wobei sie aber, da sie bei den Übertragungen Eintritt nahm, zum einen höhere GEMA-Gebühren zu zahlen hatte. Und sich die Besucherzahlen zum anderen nicht gerade positiv gestalteten.

350 Fans beim Duell gegen Mexiko, 380 Zuschauer gegen Schweden und - passend zum Ergebnis - nur 280 Unentwegte beim traurigen deutschen Vorrunden-Finale gegen Südkorea: Die Übertragungen im großen Konzertsaal stießen in diesem Jahr auf ein eher "verhaltenes Interesse", wie eine Rathaus-Sprecherin am Montag sagte. So seien weniger Besucher gezählt worden als noch bei der WM 2014 sowie der EM 2016, hieß es aus der Verwaltung.

Dabei war vornherein klar gewesen, dass lediglich die deutschen Spiele übertragen würden - so dass zeitgleich mit dem 0:2 der Nationalmannschaft gegen Südkorea der Abpfiff im Theater ertönte. Der wiederum wird im Brandy's schräg gegenüber erst nach dem Endspiel am 15. Juli erfolgen. "Wir zeigen weiter alle Spiele", versicherte Wirt Volker Brandt. Zumal sich seine Gäste am Montag mit einem psychologischen Trick behalfen. "Wir halten zu Mexiko", sagten Robert Sadowski, Matthias Stange und René Denecke, die sich pünktlich um 16 Uhr im Brandy's getroffen hatten. Denn immerhin waren die Mexikaner im grün-weißen Dress angetreten - eine Farbkombination, die auch Deutschland bisweilen trägt.

(or/uwv)
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