Interview: Alexander Herpich: Winterdienst für Eis und Schnee gerüstet

Interview: Alexander Herpich : Winterdienst für Eis und Schnee gerüstet

16 Streuwagen kümmern sich um 490 Straßenkilometer, davon 190 Kilometer der Prioritätsstufe eins. Alexander Herpich, zuständig für den Winterdienst der Stadt, verlässt sich bei den Einsätzen nicht auf sein Gefühl, sondern die Wetterfakten.

Vor vier Jahren ist die Stadt Anfang Dezember buchstäblich im Schnee stecken geblieben. 30 Zentimeter Neuschnee fielen an jenem 5. Dezember, ein Sonntag. Das war noch Glück - an einem Werktag unter der Woche wäre wohl das absolute Verkehrschaos ausgebrochen. Mit welcher Erwartung blicken Sie auf den kommenden Winter?

Herpich Wir hoffen auf einen normalen Winter; doch wir wissen: Das Wetter schlägt seine Kapriolen. Es gab schon Winter, die begannen für uns beim Winterdienst im November und waren nach wenigen Wochen bereits beendet. Andere fingen erst im Februar an - oder sie dauerten bis in den April hinein. Wir hatten auch schon Ostern Schnee und Frost.

Der letzte Winter war ja besonders mild, hätten Sie denn ein Gefühl, wie dieser werden könnte?

Herpich Nein, wir lassen uns davon nicht leiten - weil es nicht zu kalkulieren ist. Wir nutzen bei den Technischen Betrieben verschiedene Wetterdienste. Deren Werte und Prognosen beobachten wir täglich mehrfach und richten unsere Einsatzpläne für die nächsten Tage darauf aus.

Über wie viele Streuwagen verfügt der Winterdienst der Stadt?

Herpich Wir können 12 Streuwagen, ausgestattet mit Schneeräumschildern, auf die Straßen schicken. Das sind 18 Tonnen schwere Lastwagen, die bei den Technischen Betrieben als Kehrmaschinen beziehungsweise als Containerfahrzeuge für den Wintereinsatz umgerüstet werden. Hinzu kommen noch vier kleinere Streuwagen, die wir beispielsweise für enge Gassen in Gräfrath oder zugeparkte Straßen brauchen und auch auf der Schlossbergstraße von Unterburg nach Oberburg einsetzen.

Wie ist der Einsatzplan bei Eis und Schnee?

Herpich Wir richten uns nach festgelegten Prioritätsstufen. Hauptverkehrsstraßen, Zufahrten zu Krankenhäusern, Altenheimen, Buslinien und Schulwege habe die Priorität eins. Das alleine sind schon 190 Kilometer in Solingen. Sind die geräumt beziehungsweise abgestreut, fahren wir auf die sogenannten Anliegerstraßen. Dies sind meistens Nebenstraßen in Wohngebieten. Zusammen sind das noch einmal nahezu 300 Kilometer. Unser Streckennetz beim städtischen Winterdienst umfasst also 490 Kilometer. Privatwege sind nicht darunter.

Wie ist zu erklären, dass auf Seitenstraßen trotz Schneefall mitunter tagelang kein Streuwagen zu sehen ist?

Herpich Dann binden uns die 190 Straßenkilometer der Prioritätsstufe eins. Wenn die immer wieder zuschneien, können wir sie mit den Fahrzeugen nicht verlassen. Bei Blitzeis könnte das ebenso erforderlich werden.

Bislang mussten die Fahrzeuge in diesem Winter ja noch nicht ausrücken.

Herpich Erste Kontrollfahrten haben wir in der vergangenen Woche angesichts der gesunkenen Temperaturen frühmorgens bereits durchgeführt.

Ist das Lager mit Streusalz auf dem Betriebshof an der Dültgenstaler Straße in Wald gefüllt?

herpich Wir sind für den Winter gerüstet. Das Lager ist mit 1200 Tonnen Salz, die wir eingelagert haben, nahezu voll. Zusätzlich kann die Stadt auf 1000 Tonnen Streusalz als Puffer beim Hersteller zurückgreifen.

Wird eigentlich nur Salz auf den Straßen ausgebracht?

Herpich Nein, meist streuen die Räumwagen ein Salz-Granulat-Gemisch. Der Splitt hat eine zusätzlich abstumpfende Wirkung. Nur bei besonderen Wetterlagen wie Blitzeis streuen wir reines Salz.

Wie sieht der Dienstplan für Personal und Fahrzeuge aus?

Herpich Auch das ist gestaffelt. Wenn es nur punktuell schneit, rücken vier Streufahrzeuge aus - zu verkehrsrelevanten Punkten wie Brückenköpfen oder Höhenlagen und zu Straßenabschnitten, bei denen wir aus Erfahrung wissen, dass sich hier schnell Glätte bilden könnte. Zusätzlich können in der ersten Einsatzstaffelung zehn Mitarbeiter eingesetzt werden, die Treppenabgänge, Fußgängerquerungen kontrollieren und gegebenenfalls abstreuen. Bei der großen Rufbereitschaft sind dann bis zu 160 Handreiniger auf den Beinen - und alle Räumfahrzeuge im Einsatz.

GÜNTER TEWES FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT ALEXANDER HERPICH.

(RP)
Mehr von RP ONLINE