Solingen: Windräder stören nicht nur den Uhu

Solingen: Windräder stören nicht nur den Uhu

Naturschutzverbände melden Bedenken an, weil viele Vogelarten im Bereich der Sengbachtalsperre gefährdet werden.

Die Naturschutzverbände sind in einer Zwickmühle: Zum einen begrüßen sie die Gewinnung von alternativen Energien, zum anderen sorgen sie sich um die Natur, in die durch das Aufstellen zweier Windräder im Bereich der Sengbachtalsperre eingegriffen wird. Und zwar mehr, als die Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), des Rheinisch Bergischen Naturschutzbundes (RBN) und des Arbeitskreises Fledertierschutz bisher angenommen haben. Das geht aus den Berichten von Fachleuten hervor, mit denen die Naturschützer Anfang der Woche zusammenkamen.

Ging es bisher schwerpunktmäßig um ein im Bereich der Sengbachtalsperre brütendes Uhu-Pärchen, ist das Spektrum der gefährdeten Tiere nach den Erhebungen der Wissenschaftler deutlich größer. Bei der von Experten vorgenommen Kartierung wurden nicht nur weitere Uhus festgestellt, im Gebiet kommen auch Schwarzstörche, Rotmilane, Wanderfalken und andere schlagempfindliche Vögel vor. Auch überwintern und rasten nach den Erkenntnissen der Naturschutz-Experten viele Vögel rund um die Talsperre, unter anderem Kraniche und Kormorane.

Besonders gefährdet durch den Schlag der Rotoren sind auch Fledertiere, allein sieben Arten leben im Gebiet. Diese Vielfalt habe selbst die Naturschützer überrascht, heißt es in der Erklärung. Rund um die Sengbachtalsperre leben der Große und Kleine Abendsegler, die Mücken- und die Zwergfledermaus, die Rothaut und Breitflügelfledermaus und das Große Mausohr. "All das hat erhebliche Bedenken bezüglich des Standorts aufkommen lassen", sagen die Verbandsvertreter Sibylle Hauke, Helmut Sang, Thomas Blos und Helmut Pötzsch. Selbst wenn die Fledertiere nicht durch den Schlag der Rotoren getötet würden, können Tiere sterben durch die Druckwellen der Windräder.

Auch der Eingriff in die Natur, zum Beispiel durch Baumfällungen und Wegeverstärkungen, die zum Aufstellen der Montagekräne nötig sind, werden von den Verbandsvertretern nicht akzeptiert. Dennoch, endgültig positionieren wollen sich BUND, Nabu, RBN und der Arbeitskreis Fledertierschutz erst, wenn das von den Stadtwerken beauftragte naturschutzfachliche Gutachten veröffentlicht wurde. Dieses Gutachten wurde der Stadt Solingen Ende Juni übergeben. Die Sachverständigen bei der Stadt, die Träger des Verfahrens ist, befassen sich derzeit damit und wollen die Ergebnisse des Gutachtens danach veröffentlichen.

Die Naturschützer kritisieren derweil, dass alternative Standorte in der augenblicklichen Diskussion keine Rolle spielen und auch kleinere, dezentrale Anlagen mit Röhren-Rotoren nicht ins Auge gefasst wurden. "Vermisst wird auch eine gesamtstädtische Analyse des Potenzials der Nutzung anderer alternativer Energien und der Einsparungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch Nutzung von mit Gasmotoren betriebenen Blockheizmodulen und den Einsatz von Wärmepumpen", heißt es in der Erklärung.

(RP)
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