Solingen: Windräder an Talsperre sollen sich 2015 drehen

Solingen: Windräder an Talsperre sollen sich 2015 drehen

Die Stadtwerke treiben die Planung zweier bis zu 200 Meter hoher Windräder südlich der Sengbachtalsperre mit Nachdruck voran. Auf zwei Info-Abenden wollen sie das Projekt Anwohnern vorstellen.

Das Projekt "Bergwind" nimmt Fahrt auf. Die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft, an der unter sieben bergischen Stadtwerken auch Solingen beteiligt ist, hat bereits umfangreiche Standortuntersuchungen für Windkraftanlagen vorgenommen. Das Ergebnis: Neben zwei Standorten in Langenfeld und in Leverkusen wurde die Sengbachtalsperre als geeignet ausgewählt. Dort sollen bereits 2015 zwei jeweils etwa 200 Meter hohe Windkrafträder entstehen, berichteten Stadtwerke-Chef Andreas Schwarberg und Peter Sossna, Leiter des Bereichs Erzeugung, gestern bei einem Pressegespräch. Genauere Planungen und Hintergründe will der Energieversorger nun bei zwei Veranstaltungen in Burg und in Witzhelden (siehe Info) den Anwohnern offenlegen. Damit gehen die Stadtwerke einen ersten Schritt der Bürgerbeteiligung auf dem Weg zur Änderung des Flächennutzungsplans.

Das Projekt ist umstritten. Zuletzt waren Bedenken des Naturschutzes laut geworden, nachdem in dem Waldgebiet an der Sengbachtalsperre ein brütendes Uhu-Pärchen aufgetaucht war. Wegen dieses Uhu-Pärchens hätten die Planer auf zwei weitere Windräder verzichtet, hieß es gestern. Nach derzeitigen Planungen gebe es einen festen Sicherheitsradius um das Brutgebiet mit einem Abstand von 1000 Metern. Der Radius sei bewusst weit gewählt worden, sagte Peter Sossna. Auf umfangreiche und langwierige Fluguntersuchung mit Hilfe eines im Gefieder des Uhus implantierten Senders sei verzichtet worden, ebenso wurden Umsiedlungspläne für das Uhu-Pärchen verworfen.

Doch gelte in dem Gebiet weiterhin das "Risiko" des Naturschutzes. Sossna: "Tiere können den Betrieb einer solchen Anlage gegebenenfalls einschränken." In dem als Nutzwald gebrauchten Gelände müssten zudem für den Aufbau der Windräder im Umkreis von jeweils einem Hektar auch Bäume weichen, die später wieder aufgeforstet würden. Auch neue Zuwege seien nötig, ebenso wie Stromleitungen.

"Wir hoffen, dass 2014 ein windreiches Jahr wird", sagte Stadtwerke-Chef Schwarberg und nannte Zahlen zu dem Projekt. Ein Windrad erzeuge sechs Gigawattstunden/Jahr, mit den beiden Windrädern könnten also rund 3000 von insgesamt 80 000 Haushalten in Solingen versorgt werden. Zudem würden etwa 8000 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr eingespart. "Ein nicht unwesentlicher Beitrag zur Energiewende", so Schwarberg. Gleichwohl bleibe der Anteil an der Gesamtversorgung mit Strom sehr gering, räumt der Stadtwerke-Chef ein. "In ökonomischer Hinsicht ein Tropfen auf den heißen Stein."

Doch das sei nicht wesentlich. Vielmehr wolle man dem "St. Florians-Prinzip" entgegenwirken, das Windräder anderswo, aber nicht vor der eigenen Tür haben will. Schwarberg: "Es kommt darauf an, dass möglichst jede Stadt und Gemeinde einen Beitrag zur Energiewende leistet." Mit dem Projekt kämen die Stadtwerke dem ihnen per Ratsbeschluss dezidiert erteilten Auftrag nach, die Eigenerzeugung regenerativer Energien in den kommenden Jahren zu steigern.

(RP)