Solingen: Windrad-Investor ist zum Ausstieg bereit

Solingen : Windrad-Investor ist zum Ausstieg bereit

Nachdem auch am Freitag noch eine große Menge an Protesten im Rathaus eingingen, gibt es nun eine überraschende Wende im Gräfrather Windkraft-Streit. Aeos Energy will unter Bedingungen auf den Bau verzichten.

Die zuständigen Kräfte der Stadt Solingen hatten gestern zum wiederholten Male alle Hände voll zu tun. Denn nachdem in den zurückliegenden Wochen bereits etliche Widersprüche gegen die geplante Windkraftanlage in Gräfrath auf den Schreibtischen der Beamten gelandet waren, erreichte die Sachbearbeiter im Rathaus am Freitag - pünktlich zum Ende der Einspruchfrist - jetzt noch einmal ein regelrechter Schwung von weiteren Protesten.

"Wir haben insgesamt allein gestern dutzende neue Widersprüche im Büro des Oberbürgermeisters abgegeben oder per Fax gesendet", zog Frank Fischer, Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Gräfrath", später eine vorläufige Bilanz. Wobei der Kampf der Nachbarn gegen das rund 150 Meter hohe Windrad demnächst eine entscheidende Wende nehmen könnte. Denn am 3. April werden Fischer und der Geschäftsführer des Investors Aeos Energy, Guido Fiebes, erstmals seit längerer Zeit wieder zu einem Treffen zusammenkommen. Und im Vorfeld dieses Gesprächs hat Fiebes nun signalisiert, unter bestimmten Bedingungen auf die Errichtung der der Anlage doch noch verzichten zu wollen.

"Wenn die Voraussetzungen stimmen, ist aus unserer Sicht ein solcher Schritt denkbar", sagte Fiebes am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Zwar könne es keinen Zweifel daran geben, dass der Bau des Windrades rechtens sei, unterstrich der Investor, der mit seiner Firma nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren rund 40 vergleichbare Projekte in ganz Deutschland verwirklichte. Gleichwohl gehe es ihm nicht darum, die Gräfrather Anlage um jeden Preis zu realisieren, betonte der Geschäftsführer.

Prinzipiell, so Fiebes, sei er durchaus bereit, auf den Vorschlag der Bürgerinitiative einzugehen, die Rechte zum Bau des Windrades abzutreten. "Dazu wäre allerdings der Besitzer des vorgesehenen Grundstücks für die dann zu erwartenden Einnahmeausfälle voll zu entschädigen", stellte der Investor klar, der zudem eigene Ansprüche geltend machte. Guido Fiebes: "Sollten wir auf die Anlage verzichten, müssten die Windradgegner unsere bislang entstandenen Kosten ebenfalls ersetzen".

Tatsächlich dürfte die in Rede stehende Summe insgesamt bei mehreren 100.000 Euro liegen. Die Bürgerinitiative selbst nahm den Vorstoß zunächst einmal zurückhaltend auf. "Eine Entschädigung für die Firma wäre aber sicher denkbar", sagte Sprecher Fischer in einer ersten Reaktion.

Derweil gerät die Windkraftanlage auch immer mehr zum Politikum. So warf Gräfraths Bezirksbürgermeister Udo Voigtländer (SPD), der das Treffen im April vermittelt hat, gestern Abend der CDU Wahltaktik vor, da die Partei zuletzt Position für die Windradgegner bezogen habe. "Die CDU war es doch, die einst die Anlage als erste befürwortet hat", sagte Voigtländer. Investor Fiebes erwartet hingegen ein klares Signal von der Politik. "Die dritte Voraussetzung für einen Verzicht ist, dass Stadtspitze und Parteien deutlich Abstand vom Bau nehmen", forderte der Geschäftsführer.

(or)
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