Solingen: Wilnaer Ghetto im Spiegel seiner Lieder

Solingen : Wilnaer Ghetto im Spiegel seiner Lieder

Roswitha Dasch und Ulrich Raue stellen heute in der Ohligser Stadtkirche ihr Programm "Ess is gewen a Sumertog" vor.

"Ess is gewen a Sumertog - Das Wilnaer Ghetto im Spiegel seiner Lieder" lautet der Titel des Programms, welches das Duo Roswitha Dasch und Ulrich Raue heute um 19 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche Ohligs (Wittenbergstraße 4) präsentieren wird. Veranstalter des Abends ist das Katholisches Bildungswerk Wuppertal/Solingen/Remscheid in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wuppertal sowie der Evangelischen Kirchengemeinde Wald und dem Evangelischer Kirchenkreis Solingen. Der Eintritt ist frei.

Ihr Programm haben Roswitha Dasch und Ulrich Raue den Menschen im Wilnaer Ghetto zur Zeit der deutschen Besetzung Litauens gewidmet. Während der Aufstand im Warschauer Ghetto vielen Menschen ein Begriff ist, weiß man über das Ghetto von Wilna nur sehr wenig. Wilna aber wurde einmal das "Jerusalem Litauens" genannt. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg galt die Stadt als religiöses und literarisches Zentrum der jüdischen Kultur. Am 6. September 1941 wurde die jüdische Bevölkerung von den Nationalsozialisten in ein Ghetto gesperrt, zwei Jahre später, am 23. September 1943, wurde das Wilnaer Ghetto liquidiert.

Die Musikerin Roswitha Dasch ist mehrfach nach Wilna gereist, um vor Ort mit Zeitzeugen zu sprechen und historische Hintergrundinformationen zur Geschichte des Ghettos in Erfahrung zu bringen. Durch den privaten Kontakt, den Roswitha Dasch seit einigen Jahren zu Überlebenden des Ghettos hat, erhält das Programm eine sehr persönliche Note. Das Musik- und Text-Programm "Ess is gewen a Sumertog - Das Wilnaer Ghetto im Spiegel seiner Lieder" ist eine Text-Musik-Collage, die den Zuhörern anhand von Zeitzeugenberichten, wichtige historische Ereignisse und vor allem durch jiddische Lieder die Lebenssituation der jüdischen Bevölkerung im Wilnaer Ghetto in den Jahren 1941 bis 1943 auf eine sehr eindringliche Art näher bringt.

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Die von Roswitha Dasch ausgewählten Lieder wurden von jüdischen Komponisten und Dichtern im Ghetto verfasst. Ulrich Raue hat sie für die Besetzung Gesang, Violine und Klavier arrangiert.

Roswitha Dasch beschäftigt sich als Künstlerin (Violine, Gesang, Rezitation) seit vielen Jahren intensiv mit jüdischer Kultur und Musik. Seit Beginn der 1990er Jahre engagiert sich die Künstlerin für die Überlebenden des Wilnaer Ghettos. Sie ist Organisatorin für die Wanderausstellung "Sage nie, du gehst den letzten Weg", die das Schicksal der litauischen Juden beleuchtet. Dasch ist Trägerin des Wuppertalers Von der Heydt-Kulturförderpreises und als Musikerin auch im In- und Ausland tätig. Auch Pianist Ulrich Raue fühlt sich dem Genre der Erinnerungskultur verpflichtet, das er seit langen Jahren musikalisch pflegt.

(RP)
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