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Serie Mein Solingen: Wie Merscheid zum Fürstentum wurde

Serie Mein Solingen : Wie Merscheid zum Fürstentum wurde

Der Heimatverein, der heute rund 200 Mitglieder zählt, engagiert sich für das Brauchtum im Stadtteil - und hat ihm ein nobles Image verliehen. Pumpenfest und Osterfeuer sind zwei der zahlreichen Höhepunkte.

Die alte Pumpe auf dem Schleifstein an der Straße Stadersberg wirkt so, als gehöre sie seit Jahrhunderten hier hin. Stimmt aber nicht: "Die tauchte irgendwann einmal in einem Vorgarten auf und wurde später hier aufgestellt", erzählt Klaus Renneberg, Vorsitzender des Merscheider Heimatvereins. Der widmet sich seit seiner Gründung im Jahr 1934 der Aufwertung des Stadtteils und Traditionspflege. "Der Zusammenhalt der Merscheider ist historisch gewachsen", sagt Renneberg. Und dafür ist ja letztlich nicht unbedingt entscheidend, ob die Bewahrung gemeinsamer Bräuche wirklich ihren Kern in der Geschichte eines Ortes hat: Die Pumpe jedenfalls gibt seit mehr als 25 Jahren dem beliebten Fest im Schatten der evangelischen Kirche an der Hofstraße den Namen, zu dem sich stets gut 200 Menschen aus der Umgebung am dritten Samstag im September einfinden.

Es ist nicht das einzige festliche Ereignis, um das sich der Heimatverein kümmert: Einen großen Andrang erfährt der Kern des Stadtteils alljährlich beim Osterfeuer, das zu den größten in der Klingenstadt gehört. Daran beteiligen auch andere örtliche Vereine und Initiativen: Merscheider Männergesangverein und Frauensingkreis zum Beispiel bestücken die Getränkewagen, für die Kinderunterhaltung sorgt die Tanzgruppe "Himmelsfunken" und auch der Merscheider Turnverein bringt sich in die Organisation ein. Großer Beliebtheit vor allem bei älteren Einwohnern erfreut sich die Bustour, die der Heimatverein auch in diesem Jahr wieder im Oktober auf die Beine stellt. "Diesmal geht es nach Maria Laach und zum Eifelkeller", sagt Renneberg. Der Vereinsvorsitzende, der gerade seine dritte Amtszeit angetreten hat, ist übrigens selbst Wahl-Merscheider. Über seiner Ehefrau gelangte der gebürtige Dortmunder einst in den Stadtteil - und kam über den Turnverein schließlich zum Stammtisch, der sich wöchentlich trifft.

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Seit rund 30 Jahren engagiert er sich im Merscheider Heimatverein. Der hat heute knapp 200 Mitglieder - und sorgt sich etwas um den Nachwuchs. "Das Interesse bei der Jugend ist leider nicht sehr groß", gesteht der Vorsitzende.

Und dabei hat der Verein eigentlich in puncto Vermarktung ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt: Denn schließlich findet sich der Schriftzug "Fürstentum Merscheid", der ein Bild der evangelischen Kirche einrahmt, heute auf Aufklebern, Flaggen, Schürzen oder Krawatten. Die verkauft der Verein in seinem "Fan Shop" im Internet. Doch einen echten Fürsten gab es zwischen Loch- und Viehbachtal nie: Heimarbeiter Günter Altgeld galt im Stadtteil einst als "Scherenfürst". Eine Postkarte, die ein Vereinsmitglied von einem Ausflug dem "Scherenfürst von Solingen-Merscheid" ohne weitere Angabe der Adresse abschickte, stellte der Postbote tatsächlich zu. So reifte im Stammtisch die Idee für den noblen Namenszusatz. Und Fanutensilien des "Fürstentums" verkaufen sich sogar bis ins ferne Bayern. "Es haben sich schon ehemalige Merscheider aus München gemeldet, die einen Aufkleber haben wollten", erzählt Renneberg.