Sicherheit zu Hause Wer Einbruchsopfern in Solingen hilft

Serie | Solingen · Es ist ein leises Leiden: Wer nach einem Wohnungseinbruch nach Hause kommt und seine persönlichsten Sachen durchwühlt sieht, der kann eine traumatische Belastungsstörung entwickeln. Wer darunter leidet, kann auch in Solingen Hilfe finden.

 Die Opfer von Einbrechern erleben häufig ein Trauma. (Symbolbild)

Die Opfer von Einbrechern erleben häufig ein Trauma. (Symbolbild)

Foto: dpa/Silas Stein

An den Tag des Einbruchs kann sich Sandra K. (Name von der Redaktion geändert) noch genau erinnern. Zusammen mit ihrem Mann kam sie nach einem beschwingten Abend in das gemeinsame Einfamilienhaus zurück. Ein unauffälliges Reihenhäuschen, aus dem die beiden erwachsenen Söhne schon ausgezogen waren.

Als das Ehepaar die Haustüre öffnete, bot sich Sandra K., die doch auf Ordnung und Sauberkeit so viel Wert legt, der Anblick eines heillosen Durcheinanders. Schubladen und Schränke standen offen, Fotoalben und Wäsche waren über dem Fußboden verteilt.

Der aktuelle Einbruchsradar für Solingen.

Der aktuelle Einbruchsradar für Solingen.

Foto: C. Schnettler

Einbrecher waren über die Terrassentüre eingedrungen. Sie hatten einige Wertgegenstände und den Inhalt der Kegelkasse erbeutet. Vom Wert her kein großer Schaden. Doch darunter war die Halskette des erst vor Kurzem verstorbenen Vaters des Ehemannes – ein lieb gewonnenes Erinnerungsstück.

Bis heute berichtet Sandra K. davon, dass sie all die Gegenstände, ihr Eigentum, solange nicht anfassen durfte, bis die Polizei alle Spuren gesichert hatte. Das fiel ihr schwer. Denn sie hätte so gerne Ordnung gemacht. Erst später konnte sie alles im wahrsten Sinne des Wortes bereinigen: Sie konnte dort gründlich wischen und putzen, wienern und schrubben, wo fremde Menschen sich in den persönlichsten Winkeln ihres Hauses zu schaffen gemacht hatten. Die Vorstellung, dass ein Krimineller in ihrer Wäsche gewühlt hatte, war ihr ein Graus. Es dauerte Wochen, bis das Großreinemachen im Hause K. beendet war. Und ebenso lange, bis die Terrassentüre wieder verschließbar war.

So manches Opfer von Wohnungseinbrüchen muss sich psychologische Hilfe suchen. 140 Mal wurde laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr in ein Haus oder eine Wohnung in Solingen eingebrochen. War diese Zahl während der Coronapandemie gesunken, scheint sie nun wieder anzusteigen.

Die Aufklärungsquote lag 2022 gerade mal bei 9,3 Prozent. Das heißt, nicht einmal jeden zehnten Fall vermag die Polizei aufzuklären. Eine weitere Zahl macht den Rat der Polizei umso verständlicher, für einen guten Einbruchsschutz zu sorgen: In 70 Fällen, also der Hälfte, blieb es beim Einbruchsversuch. Denn den Tätern gelang es häufig nicht, die vorhandenen Sicherungseinrichtungen zu überwinden.

Vorbeugung

Eine Investition in geeignete Schlösser oder Verriegelungen von Kellerfenstern rechnet sich also. Wer dazu unabhängig beraten werden will, wendet sich an das Polizeipräsidium Wuppertal, Kommissariat Vorbeugung unter ☏ 0202 / 284-1801 oder per E-Mail unter k.praevention.wuppertal@polizei.nrw.de. Unter diesen Adressen können Termine vereinbart werden, die Beratung ist kostenfrei.

Einbruchsradar

Der Vorbeugung soll auch der Wohnungseinbruchsradar der Polizeibehörden dienen. Dieser wird vom Polizeipräsidium Wuppertal für jede Stadt und jede Woche rückblickend erstellt. Er kann als pdf-Datei unter https://wuppertal.polizei.nrw/artikel/wohnungseinbrueche-in-wuppertal-remscheid-und-solingen heruntergeladen werden. Die Vorbeugung besteht darin, dass Anwohner in den betroffenen Straßenzügen besonders wachsam sein sollten: „Eine aufmerksame Nachbarschaft trägt zum Schutz im Viertel bei“, heißt es auf der Homepage der Polizei.

Opferschutz

Wer Opfer einer Straftat geworden ist, kann sich ebenfalls beim Polizeipräsidium Wuppertal an die Abteilung Opferschutz unter ☏ 0202 / 284-1814 oder per E-Mail unter k.praevention.wuppertal@polizei.nrw.de wenden. Der Opferschutz ist ein freiwilliges Angebot der Behörde und bietet unbürokratische Unterstützung.

„Wir versuchen stets, mit den Geschädigten eines Einbruchs in Kontakt zu treten, um unsere Betreuung anzubieten. Hierzu zählt unter anderem die technische Beratung“, sagt Alexander Kresta, Sprecher der Polizei Wuppertal. Einen therapeutischen Anspruch gebe es dabei nicht. Ist dieser nötig, „stellen wir einen Kontakt – sofern gewünscht –  zu Opferschutzeinrichtungen her“, so Kresta.

Weißer Ring und Traumaambulanzen

Christel Scharkowski, Leiterin der Solinger Außenstelle des Weißen Rings, weiß, dass Opfer von Wohnungseinbrüchen traumatisiert sein können. Rund 50 Mal im Jahr helfen die aktuell zwölf ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen der Organisation im Durchschnitt betroffenen Solingern bei der Überwindung von Straftaten aller Art. Dabei geht es zum einen um finanzielle Hilfen, aber auch darum, die psychischen Folgen zu überwinden.

In diesen Fällen vermittelt der „Weiße Ring“ in Solingen die Betroffenen an die Traumaambulanzen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), die in Langenfeld und an der Frankenstraße in Solingen ihren Sitz haben.  Kontakt zum Weißen Ring gibt es unter ☏ 0151 / 55164784 oder per E-Mail unter scharkowski.christel@mail.weisser-ring.de.

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