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Interview mit Schiedsmann Herbert Gerbig: Wenn der Gartenzwerg für Streit sorgt

Interview mit Schiedsmann Herbert Gerbig : Wenn der Gartenzwerg für Streit sorgt

Neben Rasenmäherlärm, zu spätem Schneeräumen und Hundegebell sorgen auch Gartenzwerge für Streitpotenzial, das Schiedsleute schlichten können. Ein kostenträchtiger Gang vor Gericht kann so oft vermieden werden.

Der Solinger Herbert Gerbig ist Vorsitzender der Wuppertaler Bezirksvereinigung im Bund deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Die Bezirksvereinigung ist für den Landgerichtsbezirk Wuppertal mit den Amtsgerichten Wuppertal, Solingen, Remscheid, Mettmann und Velbert zuständig.

Welches sind die häufigsten Streitfälle, in denen Schiedsleute vermitteln?

Gerbig Rasenmähen, zu lautes Heimwerken zur Ruhezeit, nicht geräumter Schnee, häufiger Grillgeruch bis ins Schlafzimmer, Hundebellen, Hupen und Autotürenschlagen in der Nacht, Schatten durch Bäume auf dem Nachbargrundstück, Bäume, die zu nahe an der Grundstücksgrenze stehen, Videoüberwachung des Grundstücks, Gartenzwerge, das alles birgt Konfliktpotenzial unter Nachbarn und wird so häufig zu einem Fall für den Schiedsmann.

Warum kommt es überhaupt zu Konflikten unter Nachbarn?

Gerbig Sicher ist es der Wunsch von fast jedem, mit seinen Nachbarn in Harmonie zusammenzuleben. Allerdings sind die Wünsche, Ansichten und Verhaltensweisen von Nachbarn oft sehr unterschiedlich. Dabei ist festzustellen, dass die Betroffenen überdurchschnittlich emotional reagieren. Schließlich betrifft der Konflikt den unmittelbaren Lebensbereich. Man glaubt, sich dem Konflikt aufgrund der räumlichen Nähe nicht entziehen zu können.

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Sind alle der eingangs genannten Konflikte wirklich Gründe, sich vor dem Schiedsmann oder der Schiedsfrau zu treffen?

Gerbig Die Gartenzwerge auf dem Nachbargrundstück oder gelegentliches Hundebellen zur Nacht lassen sich mit etwas Toleranz sicher akzeptieren. Auch gelegentliches Grillen und Rasenmähen zur Unzeit durch den beruflich stark eingespannten Nachbarn sollten toleriert werden. Bei Feiern empfiehlt es sich, die Nachbarn zu informieren. Viele potenzielle Konflikte ließen sich vermeiden, wenn die Nachbarn Geschehnisse mit mehr Duldsamkeit, auch im Hinblick auf das künftige Zusammenleben, betrachten und Gespräche miteinander führen würden. Mit etwas mehr Toleranz könnten viele Schieds- und Gerichtsfälle vermieden werden. Auch Toleranz muss tagtäglich geübt werden.

Kennen die Beschwerdeführer die Gesetze und wissen sie, was sie einfordern können, und was nicht?

Gerbig Es ist für einen Schiedsmann immer wieder erstaunlich, wie gering die rechtlichen Kenntnisse im Umgang mit den Nachbarn sind. "Das ist mein Grundstück, hier darf ich machen, was ich will", ist ein Satz, den wir oft zu hören bekommen.

Und das ist nicht so?

Gerbig Unser Grundgesetz sieht das anders und schützt den Nachbarn vor wesentlichen Beeinträchtigungen seines Grundstücks. Und diese Unkenntnis hat häufig Intoleranz gegenüber dem kritischen Nachbarn zur Folge.

Welche Beeinträchtigungen muss man als Nachbar denn nicht akzeptieren?

Gerbig Wer Bäume an oder auf der Grundstücksgrenze pflanzt und eine Videokamera installiert, um das Nachbargrundstück einzusehen, kann keine Toleranz erwarten, denn hier werden die Interessen der Nachbarn (auch rechtlich) berührt.

Wie hoch ist der Anteil der Fälle, die der Schiedsmann nicht schlichten kann und die dann doch vor Gericht führen?

Gerbig Die Schlichtungsrate beträgt circa 60 bis 70 Prozent, somit gibt es bei den Schiedsleuten rund 40 Prozent Fälle, die nicht geschlichtet werden. Diese 40 Prozent haben dann das Recht, vor Gericht zu klagen. Doch von diesen 40 Prozent ist es nur ein kleiner Anteil der beim Schiedsamt verhandelten Fälle, die bei Gericht landen. So die Aussage des Direktors des Amtsgerichts. Aber selbst wenn es beim Schiedsamt zu keinem Vergleich kommt, haben zumindest beide Parteien mal gemeinsam miteinander gesprochen und können sich dann eventuell in die Situation des anderen versetzen und im Nachhinein ist dann zumindest ein Zusammenleben ohne Streit möglich

Wie viele Schiedsleute gibt es im Bezirk Wuppertal?

Gerbig Es gibt in der Bezirksvereinigung Wuppertal mit den Amtsgerichten: Wuppertal, Remscheid, Solingen, Mettmann und Velbert 53 Schiedsleute. In Solingen gibt es elf Schiedsamtsbezirke mit elf Schiedspersonen.

Annemarie Kister-Preuss stellte die Fragen.

(RP)