Solingen: Weniger Grün zum Verkauf

Solingen: Weniger Grün zum Verkauf

Nach Bürgerprotesten präsentierte die Stadt gestern ein neues Konzept zur Veräußerung von Grünanlagen. Statt 30 sollen nur noch 21 Parks abgestoßen werden. Bedingung ist aber, dass Bürger die Pflege übernehmen.

Der Protest der Bürger hatte Erfolg. Nachdem es im Herbst reihenweise Beschwerden hagelte, als bekannt wurde, dass die Stadt 30 ihrer 72 Grünflächen verkaufen will, haben sich die Verantwortlichen im Rathaus die Streichliste noch mal vorgenommen (wir berichteten) und jetzt einen Kompromiss erarbeitet. Demnach könnten weniger Parks veräußert werden, als ursprünglich vorgesehen. Dies erklärte gestern Abend Solingens Erster Beigeordneter Hartmut Hoferichter bei einer Info-Veranstaltung in der Volkshochschule (VHS). Bedingung ist aber, dass sich genug Bürger finden, die fortan die Grünflächen in Eigenregie pflegen.

Botanischer Garten als Vorbild

"Ein Kaputtsparen wird es nicht geben", versprach Hoferichter den rund 50 Solingern, die in die VHS gekommen waren – und präsentierte den Anwesenden gleich schon mal neue Zahlen, die dies belegen. Jetzt sollen nämlich nur noch 21 Flächen zum Verkauf stehen. Allerdings, ohne Gegenleistung geht es nicht. Insgesamt zwölf Grünanlagen müsen demnach bald von den Bürgern gepflegt werden, wobei die Stiftung Botanischer Garten Vorbild sein könnte. Der Rotstift würde dann erst angesetzt, wenn die Konzeption nicht greifen sollte.

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Neben den Anlagen, die zukünftig von den Bürgern gepflegt werden, sollen andere teilweise in kostengünstigeren Wald umgewidmet werden oder die Flächen werden der Verwilderung überlassen, wie es für einen Großteil der Anlage Dickenbusch der Fall sein könnte. Dabei teilten die Verantwortlichen die Grünflachen auf: Neben unverzichtbaren Flächen gibt es solche, die als teilweise verzichtbar eingestuft werden (zum Beispiel Bärenloch; Von-Galen-Straße). Und darüber hinaus unterscheidet man Anlagen, die teilweise verzichtbar sind, aber Bedingungen für einen Biotopverbund erfüllen (zum Beispiel Nibelungenstraße) – sowie eben jene, die zum Verkauf angedacht sind wie unter anderem die Hahnstraße in Oberburg.

Eine der Grünflächen, für deren Erhalt sich von Beginn an viele Bürger stark machten, ist der Park Kannenhof. Auch der 72-jährige Helmut Fetz, der gestern in der VHS dabei war, will nicht auf die grüne Oase verzichten. "Es ist mir keinesfalls egal, was mit meiner Umgebung passiert", betonte er. Fetz hat lange am Kannenhof gelebt – und kommt immer noch täglich vorbei. Die Pflege möchte nun die Initiative "Lebenswertes Solingen" ganz übernehmen. "Im Rahmen meiner Möglichkeiten würde ich helfen", so der Rentner. Ähnlich denkt Günter Stoffel: "Die Grünflächen gehören zum Stadtbild und noch können alle etwas beitragen, dass sie nicht verschwinden", findet er. "Was verkauft wurde, ist verloren."

(RP)