Weniger Besucher bei Solinger Lichternacht

„Unterwasserwelt“ im Südpark : Solinger Lichternacht – ein feuchtes Vergnügen

Das Motto „Meer Licht“ füllten nicht nur die Künstler der Güterhallen kreativ mit Leben: Wasser kam reichlich vom Himmel.

Wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit tauchte das golden schimmernde Korallenriff vor den Augen der Besucher auf. „Das hat eine tolle Wirkung“, sagte Britta Kluth, als sie gemeinsam mit Freunden das „Riff Obscure“ betrachtete.

Die Skulptur der Künstler Beatrix Deus, Silke Widenka sowie Olga und Wladimir Vollmer zeigte eindrucksvoll die Schönheit der durch Verschmutzung, Giftfischerei und Klimaerwärmung bedrohten Lebensräume. „Meer Licht“ lautete das Motto der 12. Solinger Lichternacht am Samstagabend. Und passend dazu verwandelten die Künstler der Güterhallen den Südpark in eine Unterwasserwelt – mit Quallen, leuchtenden Wellen und bewegten Bildern der Ozean-Landschaften auf der Wiese vor den Ateliers.

Wasser steuerte – ein wenig zum Leidwesen von Besuchern und Akteuren – allerdings auch der Himmel bei. Hatte die Lichternacht im vergangenen Jahr noch rund 8000 Besucher angezogen, schätzte Südpark-Managerin Petra Krötzsch die Zahl der Gäste am Samstagabend auf ein Drittel dieser Marke – nicht ohne den Wetterfesten für ihre Unterstützung zu danken: „Die Stimmung war sehr gut, die Ateliers gefüllt und die Künstler zufrieden“, betonte sie. Sponsoren und Unterstützer des Ereignisses kamen am frühen Abend in der Galerie Pest Projekt bei Peter Amann zusammen. Dort traf Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) auf seine Vorgänger Norbert Feith und Franz Haug (beide CDU). „Wir freuen uns über die große Wertschätzung für die Arbeit in den Güterhallen“, betonte Krötzsch.

Zauberhafte Wesen, die nicht allein den Südpark in eine Wunderwelt verwandelten, sondern auch auf bestehende Umweltprobleme in den Weltmeeren hinwiesen. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Von der Schaffenskraft der Künstler konnten sich erneut auch Gäste aus den Solinger Partnerstädten bei einem Rundgang überzeugen. Mit seinen Amtskollegen aus Aue, Gouda, Chalon-sur-Saone und Ness Ziona – ein Vertreter aus Blyth hatte abgesagt – schlenderte Kurzbach über das phantasievoll gestaltete Gelände neben dem früheren Solinger Hauptbahnhof.

Nicht nur die hohe Ästhetik, sondern auch die Botschaft dürfte bei den Besuchern hängen geblieben sein: So befasste sich Peter Amann mit der Plastik-Vermüllung der Ozeane. Und auch das Museum Plagiarius füllte das Motto „Meer Licht“ auf eigene Weise: An der Fensterscheibe prangten von Kindergartenkindern bemalte Fische. Dinnebier-Original-Lampen trugen zur Beleuchtung des Innenraums bei. Und natürlich konnten die Besucher erneut die Preise für die dreistesten Plagiate „bewundern“. Platz zwei hatte in diesem Jahr eine obskure chinesische Firma mit einer Kopie des mobilen Wassersportparks „Wibit“ ergattert. Fotos und Filmmaterial zeigten den Schwindel.

Wem der Sinn eher nach Bewegung stand, fand sich auf der Tanzfläche beim Kollektiv „Beatbar.Butze“ wieder. Das war mit elektronischer Musik und Lichtkegel vom Birkenweiher auf die Wiese oberhalb der Ateliers umgezogen.

Musik vom DJ-Pult, eine Lichtshow und Live-Graffiti-Kunst erlebten auch die Gäste am illuminierten Felix-Gebäude. Dort zeigten viele Künstler ihre Sammelausstellung „Grand Closing Exhibition 5“ – mit Malerei, Fotokunst und Bildhauerei. Der stattete bereits am frühen Abend Familie Rymkuß mit Tochter Greta (3) einen Besuch ab. „Das hat uns allen sehr gut gefallen“, sagte Suse Rumkuß. Zuvor hatten die Solinger auch ein Konzert in der illuminierten Lutherkirche besucht. Wie viele andere Kinder, die an den Güterhallen entlang zogen, war auch Greta mit einem bunten Leuchtstab ausgestattet.

Eine Option, beim ungemütlichen Wetter am Samstagabend daheim zu bleiben, gab es für die Familie nicht: „Wir wohnen in der Nähe und sind immer sehr gerne hier“, betonte Suse Rymkus und gewann der Witterung auch noch die eine oder andere positive Seite ab: „Durch den Regen ist es eben auch nicht ganz so voll wie zuletzt.“

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