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Weiterer IS-Mann aus Solingen in Syrien getötet

Salafismus : Solinger IS-Terrorist in Syrien getötet

Sicherheitsbehörden haben Erkenntnisse darüber, dass der Mann, der früher zu den Salafisten in der Nordstadt gehörte, 2017 bei einem Luftangriff ums Leben gekommen ist. Auch die Frau und die Kinder von Sadr A. sollen tot sein.

Die Liste ehemaliger Salafisten aus der Klingenstadt, die ihre Teilnahme an den Bürgerkriegen im Nahen Osten mit dem Leben bezahlt haben, wird immer länger. Denn wie am Montag aus deutschen Sicherheitskreisen zu erfahren war, gibt es nun ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der Solinger Sadr A. bereits im Jahr 2017 in Syrien bei einem Drohnenangriff getötet worden ist.

Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Fall berichtet. Demnach hatte sich der junge Mann, der bis zu seiner Radikalisierung ein vergleichsweise normales Leben führte und in verschiedenen Sportvereinen der Klingenstadt aktiv war, in den Jahren 2011 / 12 der berüchtigten Solinger Salafisten-Szene angeschlossen.

Diese hatte seinerzeit ihr Hauptquartier in einer Hinterhofmoschee an der Konrad-Adenauer-Straße in der Nordstadt gehabt, ehe der Verein Millatu Ibrahim im Nachgang zu den schweren Straßenschlachten am Maifeiertag 2012 vor dem Solinger Rathaus verboten und aufgelöst wurde. Gleichwohl trat damals keine Beruhigung der Lage ein. Im Gegenteil: Viele der „heimatlosen“ Salafisten radikalisierten sich weiter und zogen später zu Dutzenden in die Bürgerkriegsregionen der arabischen Welt.

Einer von denen, die schließlich in Syrien landeten, war Sadr A. Und offenbar gehörte der Solinger dann ziemlich schnell zu der Propaganda-Abteilung des so genannten Islamischen Staates um den ebenfalls aus der Klingenstadt stammenden Konvertiten Christian Emde. Wobei sich A. in der Folgezeit an schweren Verbrechen des IS beteiligt haben könnte. Beispielsweise soll der Solinger nach „Bild“-Informationen als Kameramann unter anderem Ermordungen von Gefangenen durch den IS gefilmt haben.

Tatsächlich ging ein solches Video 2015 um die Welt und sorgte für Entsetzen. In einer kurzen Filmsequenz war auf einschlägigen Seiten im Internet zu sehen, wie der Österreicher Mohamed Mahmoud, der früher seinerseits zu den Köpfen der Solinger Salafisten-Szene gehört hatte, mit einem anderen Terroristen zwei auf dem Boden sitzende Männer erschoss.

Bis heute ist unklar, bei wie vielen Gräueltaten Sadr A. noch anwesend gewesen ist. Und auch über das genaue Schicksal des Mannes gibt es bei den deutschen Sicherheitsbehörden keine hundertprozentigen Erkenntnisse. Allerdings dürfte mittlerweile wohl feststehen, dass der Solinger nach dem Zurückdrängen des IS trotzdem in Syrien blieb, wo er 2017 bei besagtem Drohnenangriff ums Leben kam. Und anderen Quellen zufolge könnten einige Wochen danach zudem die Ehefrau von Sadr A. sowie die gemeinsamen Kinder des Paares bei einem weiteren Luftschlag getötet worden sein.

Insgesamt besteht für deutsche Stellen die Schwierigkeit, Informationen aus den Kriegsgebieten zu erhalten. So ist etwa der Verbleib von Christian Emde nach wie vor offen. Der Solinger, der schon 2011 in Großbritannien wegen Terror-Aktivitäten verurteilt worden war, dürfte ungefähr 2014 von Syrien in den Irak gezogen sein, wo er zu einem der Gesichter des IS aufstieg. Später führte sein Weg zurück nach Syrien, ehe sich schließlich seine Spur verlor.

Andere Solinger Salafisten wiederum kamen höchstwahrscheinlich wie Sadr A. im Kriegsgebiet um. Zuletzt wurde zum Beispiel im Herbst 2018 bekannt, dass sich der ehemalige Vize-Chef von Millatu Ibrahim in die Luft gesprengt haben könnte.