Solingen: Weitere Leerstände im Bachtor-Center

Solingen : Weitere Leerstände im Bachtor-Center

Ende des Jahres schließen zwei weitere Geschäfte in dem kleinen Center. Dann sind rund zwei Drittel aller Ladenlokale verwaist. Ein neuer Makler bemüht sich um eine Wiederbelebung. Doch das Zentrum leidet unter etlichen Defiziten.

Der Kahlschlag schreitet scheinbar ungebremst voran. Nachdem das Bachtor-Center an der unteren Hauptstraße bereits seit etlichen Jahren zu den sprichwörtlichen Sorgenkindern in der Solinger Innenstadt gehört, kehren demnächst zwei weitere Geschäftsleute der kleinen Shopping-Mall den Rücken. Wie jetzt bekannt wurde, schließen zum Jahresende sowohl der Lederwarenladen am Ausgang zum Breidbacher Tor als auch der Kiosk in der unmittelbaren Nähe zu den Aufzügen der Tiefgarage, der über Jahrzehnte den Mittelpunkt des Centers bildete.

"Nach 27 Jahren ist für mich Schluss", bestätigte gestern der Pächter des Tabak- und Zeitschriftengeschäftes, Willi Grams, auf Anfrage unserer Redaktion. Der 65-jährige Mettmanner, der über die Jahre den schleichenden Verfall des Bachtor-Centers vor seiner eigenen Ladentür mitansehen musste, geht in Rente - und dürfte mit seinem Weggang die ohnehin schon bestehenden Sorgenfalten bei den Verantwortlichen weiter vertiefen. Denn mit den neuerlichen Geschäftsaufgaben erhöht sich der Leerstand in dem Ende der 80er Jahre erbauten Einkaufszentrum von etwas mehr als 50 Prozent auf rund zwei Drittel.

Von insgesamt 17 Ladenlokalen werden dann in den Gängen der überdachten Passage elf nicht mehr belegt sein. Wobei augenblicklich unklar ist, wie dem Problem kurzfristig beizukommen wäre. Zwar wurde Anfang Dezember mit dem Solinger Maklerbüro Immobilien Akyol ein neuer Vermarkter für das Bachtor-Center gewonnen. Doch kann dieser aufgrund der Kürze der Zeit noch keine Neuvermietungen vermelden. "Wir rechnen damit, dass wir zu Beginn des kommenden Jahres die ersten ein oder zwei Geschäfte vorstellen können", sagte Makler Rifat-Sedat Akyol am Dienstag. Gleichwohl, so der Makler, handele es sich bei der Wiederbelebung des Centers um eine "anspruchsvolle Aufgabe".

Die Gründe dafür liegen aus Sicht des Immobilienfachmanns auf der Hand. "Im Bereich der unteren Hauptstraße ist die Situation bereits seit einigen Jahren sehr problematisch", sagte Akyol, der parallel ankündigte, in Sachen Bachtor-Center eventuell neue Wege zu gehen. "Wir überlegen, zusammen mit dem Eigentümer des Centers das Konzept zu überarbeiten", berichtete der Makler.

Eine mögliche Neuausrichtung des Einkaufszentrums würde auch die Stadt Solingen begrüßen, der schon wegen der Lage im unteren Bereich der Hauptstraße an einem Aufschwung des Centers gelegen ist. Zwar sind sich die zuständigen Mitarbeiter des städtischen Innenstadt-Büros in ihrer Einschätzung mit Rifat-Sedat Akyol einig, wonach das Bachtor-Center durchaus Potenzial besitzt. "So wäre es beispielsweise denkbar, dort vor allem gesundheitsnahe Dienstleistungen anzusiedeln", sagte ein Rathaussprecher.

Indes hat erst vor kurzem ein bis dato ansässiges Nagelstudio das Center verlassen, so dass die Stadt nun verstärkt auf einen Neuzuschnitt der Geschäftsflächen setzt. Dies könne ein Schlüssel zum Erfolg sein, betonte der Sprecher, der überdies darauf verwies, in den zurückliegenden Jahren sei durchaus in den Bereich der unteren Hauptstraße investiert worden.

Aber das reicht nach Ansicht der Händler im Bachtor-Center bei Weitem nicht aus. So müsse es endlich gelingen, wieder Geschäfte mit einem hochwertigen Angebot in diesen Teil der Innenstadt zu locken, heißt es. "Da ist seit Jahren nichts geschehen. Und auch die Umgestaltung des Entenpfuhls hat keine Besserung gebracht", kritisierte etwa Kiosk-Betreiber Grams.

Wobei es nicht allein solche Rahmenbedingungen sind, die einer Renaissance des Centers im Weg stehen. Pächter beziehungsweise ehemalige Mieter im Bachtor-Center monieren nämlich darüber hinaus eine verfehlte Preispolitik der Center-Verantwortlichen. Beispielsweise seien die Mieten für die Geschäftsleute viel zu lange Zeit zu hoch gewesen. "Als vor einigen Jahren das Eiscafé wegen des Rauchverbots schloss, ging es noch einmal steil bergab", erinnerte sich Willi Grams, derweil ein anderer - ehemaliger Geschäftsmann - die Hoffnung längst aufgegeben hat. Sein Urteil: "Das Bachtor-Center ist einfach veraltet".

(RP)