Solingen: Weiter Warten auf Hochwasserschutz

Solingen : Weiter Warten auf Hochwasserschutz

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Dr. Klaus Strehlau, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt, ist Wissenschaftler und damit niemand, der sich gerne in Spekulationen ergeht. Auf Nachbohren gibt er dann doch eine vorsichtige Einschätzung ab: Hätte es die mobilen Hochwasser-Spundwände schon gegeben, wäre in Unterburg trotz der starken Regenfälle wohl nicht ’Land unter’ gewesen.

Das, was entlang eines Teilstücks des Eschbachs geplant ist, soll die Ortschaft vor dem schützen, was in Fachkreisen 100-jähriges Hochwasser heißt. Doch längst nicht mehr nur alle 100 Jahre wird aus dem gemütlichen Eschbach ein im wahrsten Sinne des Wortes mitreißender Fluss.

Anfang März hatte der Landschaftsbeirat wieder einmal das Thema Hochwasserschutz für Unterburg auf der Tagesordnung. Dort wurde das Ergebnis einer Arbeitsgruppe unter Federführung des Stadtdienstes Natur und Umwelt vorgestellt: So soll der Solinger Stadtteil ähnlich wie die Kölner Altstadt mit mobilen Spundwänden geschützt werden. Bei Bedarf könnten die Wände in kürzester Zeit von der Berufsfeuerwehr installiert werden. Ottmar Müller, stellvertretender Chef der Solinger Berufsfeuerwehr: „Das Wasser kam zwar sehr schnell, aber vielleicht hätten die Wände die schlimmsten Schäden verhindern können.“

Sei’s drum, denn schon im März hatte es geheißen: Über Kosten und Baustart gibt es noch keine Angaben. Das ist auch der Sachstand von gestern. Im Mai hatte die Bezirksregierung noch Nachbesserungen am Konzept verlangt, erzählt Strehlau. Ein Gutachter aus Aachen sitzt über den Plänen, um darzustellen, wie Niederschlagswasser außerhalb des Eschbachs aufgenommen werden kann, etwa von der Wupper. Doch auch wenn das dann Modell stimmig ist, die Kostenfrage ist noch nicht geklärt. In nächster Zeit sollen Vertreter der betroffenen Anrainer-Städte, außer Solingen noch Remscheid und Wermelskirchen darüber verhandeln. Der Wupperverband soll in Vorleistung gehen. Er stehe dazu im Wort, so Strehlau. Im Herbst wolle die Bezirksregierung über das Konzept entscheiden, sagte Susanne Fischer vom Wupperverband. Die Kommunen sollen die Finanzierung nach einem Veranlagungsschlüssel und in Raten stemmen: Die Klingenstadt müsste mehr als die Hälfte (54 Prozent) tragen, Remscheid 36 und Wermelskirchen den Rest. Völlig unklar ist zudem, ob das Land Fördermittel dazu tut.

Auch die Chefetage des Wupperverbandes habe die Bilder von der Überflutung von Unterburg nicht kalt gelassen, hieß es auf Anfrage. Doch für Mitgefühl können sich die Unterburger nichts kaufen, vor allem keine neue Existenz. Es ist höchste Zeit, dass sich in Sachen Hochwasserschutz für den Eschbach etwas tut. Denn schon bei den starken Regenfällen in den vergangenen Wochen führte der Eschbach mehr Wasser als gewöhnlich. Die letzten Monate haben gelehrt, dass die Natur inzwischen unberechenbar ist, erinnern wir uns nur an den Orkan Kyrill. Seit Jahren wird an Hochwasserschutz-Maßnahmen herum gedoktert, mal sind sie zu teuer, mal widersprechen sie Umweltschutzgründen. Doch mobile Spundwände wären eine Lösung. Jetzt ist politischer Druck gefragt, damit die Thematik nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Das Land fördert so vieles, vor allem städtebauliche Maßnahmen, wie die Umbaumaßnahmen in der Nordstadt. Alles gut und schön. Sollte nicht aber ein Hochwasserschutz-System, das Menschen und ihr Eigentum schützt, Vorrang haben? (rö)

(RP)
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