Solingen: Weit mehr als nur ein Bananen-Sprayer

Solingen: Weit mehr als nur ein Bananen-Sprayer

Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel ist als Bananen-Sprayer international bekanntgeworden. Doch es gibt neben den sogenannten "Spraygrammen" auch ein malerisches Werk - zu sehen in einer Ausstellung im Klingenmuseum.

Anfang des Jahres startete Art-Eck-Galerist Dirk Balke einen Spendenaufruf. Aus Anlass seiner Ausstellung in Gräfrath hatte sich der als Bananen-Sprayer international bekannte Kölner Künstler Thomas Baumgärtel mit der Schneidwarenindustrie der Klingenstadt beschäftigt. Eins der Bilder, die Balke damals in Gräfrath zeigte, war das Bild "9 Messer" - und genau das wollte der Galerist mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren ankaufen und dem Deutschen Klingenmuseum für seine Sammlung schenken. Denn Sprayvorlagen für das Bild waren in Solingen hergestellte Haushaltsmesser.

"Es ist also ein freudiger Anlass, das wir heute hier sitzen können", eröffnete Dr. Barbara Grotkamp-Schepers das Pressegespräch aus Anlass der Präsentation "Auf Messers Schneide" im Stiftersaal des Klingenmuseums. Denn der Spendenaufruf von Dirk Balke war erfolgreich, das Bild konnte dank von Spenden tatsächlich angekauft werden - und so befindet sich das Bild "9 Messer" heute im Besitz des DKM befindet. Wo das Werk im Eingangsfoyer des Museums einen sehr schönen Platz gefunden hat.

Dass Grotkamp-Schepers Thomas Baumgärtel jetzt eine kleine Einzelausstellung eingerichtet hat, ist nicht nur als Dank an den Künstler zu verstehen. Denn die Bilder, die der Kölner für den Klosterhof ausgewählt hat, zeigen ihn auch von einer ganz anderen künstlerischen Seite - und sie stellen gleichzeitig das Bild "9 Messer" in den Kontext seines vielfältigen Schaffens. Baumgärtel präsentiert sich im Klingenmuseum nicht nur mit Beispielen aus seiner Werkgruppe Spraygramme als Sprayer, sondern auch als klassischer Maler. Zwei großformatige Bilder aus seiner Grauen Werkgruppe der Industrielandschaften zeigen Zechen-Motive aus dem Ruhrgebiet, gemalt mit feinem Pinsel fast im fotorealistischen Stil. Durch das Übereinanderlegen zahlreicher Farblasurschichten scheinen sich die Industriemotive wie aus einem grauen Nebel herauszuschälen.

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Aber natürlich müssen die Besucher auch nicht auf die bekannte Baumgärtel-Banane verzichten - einschließlich ihrer Metamorphosen in Form von Paragrafen-, Spreng- und Friedensbanane. Besonders freut sich Grotkamp-Schepers natürlich über die "Messerbanane", die sich auch an der Fassade des Klingenmuseums findet: "Die hat Baumgärtel extra für das Museum entworfen und im Rahmen der letzten Kulturnacht aufgesprayt." Als Schablonengraffiti auf Leinwand hängt die "Messerbanane" jetzt auch in der Ausstellung, als Ink-Jet-Druck auf handgeschöpftem Büttenpapier kann sie als Edition (Herausgeber ist die Galerie Art Eck) käuflich erworben werden. Die Auflage beträgt 30 Exemplare, der Stückpreis freundliche 99 Euro. Die zweite Edition ist ein Spraygramm auf Leinwand "Gabel, Messer, Löffel" - neun Originale (20 x 20 cm) zum Stückpreis von 499 Euro.

Schon seit 28 Jahren bringt Baumgärtel seine Banane an Fassaden von Kulturinstituten an. Was früher als illegale Aktionen gesehen und oft polizeilich verfolgt wurde, wird heute als Auszeichnung verstanden. "Das hat sich total gewandelt. Früher bin ich dafür verhaftet worden, jetzt bitten mich die Leute, ihnen eine Banane an die Eingangsfassade zu sprayen", erzählt Baumgärtel. Heute findet sich die Banane an den Eingängen von gut 4000 Kunstmuseen und Galerien. "Das Projekt ist in erster Linie ein psychologischer Projektionstest in der Kunst - so wie man mit der Banane umgeht, so gehen Betrachter und Ausgezeichnete auch mit der Kunst um."

(mit)
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