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Solingen: Weihnachten an der Zapfsäule

Solingen : Weihnachten an der Zapfsäule

Gerd Ernestus betreibt seit 25 Jahren die TSB-Tankstelle an der Wuppertaler Straße. Über die Stadtgrenzen hinaus ist er für den Verkauf von allerlei Figuren bekannt. Jetzt strahlt es am Kassenhaus besonders festlich.

Es riecht nach Benzin und ganz schwach nach Pfeifentabak. Den raucht Gerd Ernestus manchmal vor seiner Tankstelle an der Wuppertaler Straße. Es ist die wohl weihnachtlichste Tankstelle der Region: Ringsherum um die Zapfsäulen blinkt und glitzert es — Leuchtfiguren überall. S

chneemänner und Weihnachtsmänner stehen und hängen da, beleuchtete Rentierschlitten und ein elektrisches Riesenrad, an dem sich mehrere Santas abseilen. Es wirkt fast wie ein kitschig geschmückter Vorgarten, wenn nicht immer wieder Autos um die Figuren kurven würden.

Für Gerd Ernestus sind die Plastiken gleichsam Passion und Zuverdienst. "Nur vom Benzinverkauf könnte ich nicht leben", sagt er. Das überrascht vielleicht, für den 65-Jährigen ist es aber schon seit geraumer Zeit Realität. "Ich verkaufe die Figuren bereits seit mindestens zehn Jahren, um das Geschäft aufzubessern."

Dabei habe er sich selbst anfangs nicht vorstellen können, mal das eigene Haus mit derlei Artikeln zu dekorieren. "Jetzt bleiben die Leute manchmal bei uns am Gartenzaun stehen und staunen über die Figuren im Vorgarten." Eine Eule sitzt dort in der Dachrinne und ein Osterhase vor dem Haus. Auch ein großer Adonis steht da.

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Früher Orientteppiche verkauft

Im April wird der Wuppertaler die Tankstelle 26 Jahre lang gepachtet haben, aber bereits seit seinem 14. Geburtstag arbeitet er an Zapfsäulen. "Ich habe früher für 20 Mark an eineinhalb Tagen an einer Tankstelle ausgeholfen, dann kam die Lehre als Einzelhandelskaufmann."

Nach der Bundeswehrzeit habe er sich gut mit Stoffen von Herrenkonfektionen und Orienttepppichen ausgekannt. Sechs Jahre lang arbeitete er für den Einzelhandel, dann las Gerd Ernestus die entscheidende Anzeige in der Zeitung. "Eine Tankstelle in Wermelskirchen wurde frei. Da hab ich zugeschlagen."

13 Jahre später übernahm er die Tankstelle in Solingen und kann sich mittlerweile auf einen großen Kreis an Stammkunden verlassen. "Die Leute tanken hier, weil sie wissen, dass meine Mitarbeiter und ich sie freundlich behandeln." Ein breites Lächeln formt sich unter dem blond-grauen Bart von Gerd Ernestus. Das Benzin sei stets rund einen Cent billiger als bei der Konkurrenz und wenn möglich, werde auch mal mit kleineren Reparaturen ausgeholfen.

Letztlich bringe aber die gute Lage an einer Hauptverkehrsader der Stadt den entscheidenden Vorteil, sagt der Tankstellen-Chef, der äußerlich selbst ein wenig an den Weihnachtsmann erinnert.

"Die Leute sehen die Figuren und finden sie vielleicht anfangs hässlich. Aber sie erinnern sich später daran, und wenn mal ein Geschenk gebraucht wird, kommen sie wieder hier vorbei." Dann zahlen manche auch schon mal bis zu 390 Euro für eine Figur. Und die gibt es in verschiedenen Formen das ganze Jahr über. Mindestens eine Stunde brauche er, um die Figuren jeden Tag auf- und wieder abzubauen.

Mit seiner Frau Kerstin fährt Gerd Ernestus jedes Jahr im Wohnmobil zum Gardasee in den Urlaub. Wenn die beiden dann losfahren, blickt ihnen ein Plastikrabe vom Dach der Garage hinterher.

(RP)