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Solingen: Wasserpreise sprudeln

Solingen : Wasserpreise sprudeln

Ende 2008 wird das neue Wasserwerk Karnap eröffnet. Doch an den vergleichsweise hohen Entgelten ändert dies wegen der Leitungskosten wohl nichts. Die SWS setzen im Wettbewerb weiter auf ein breites Angebot.

Noch befindet sich das Wasserwerk Karnap, ein Projekt der Hildener und Solinger Stadtwerke (SWS), im Bau. Doch eines steht schon fest: Auch nach Einweihung der Anlage Ende 2008 wird sich am Solinger Kaffeetest nichts ändern. Denn auch in Zukunft werden zum Beispiel die Ohligser — im Gegensatz zu den Bürgern in Krahenhöhe — nicht in den Genuss von Trinkwasser aus der Sengbach-Talsperre kommen. Sie werden weiter mit Rheinuferfiltrat versorgt — sehr zum Leidwesen vieler Kaffeetrinker, denen das Getränk mit Wasser aus Glüder erheblich besser schmeckt.

Und da ist es dann für die Ohligser auch kaum ein Trost, dass man in einen weiteren sauren Apfel nicht allein beißen muss. Zwar errichten die SWS mit den Hildenern in Karnap ein modernes Werk, das an die Stelle der Anlage Baumberg tritt. Nur an den hohen Bruttoentgelten für Trinkwasser in ganz Solingen wird dies wohl nichts ändern. Nach dem Landesamt für Statistik sind die Trinkwasserpreise in der Klingenstadt gesalzen. Mit 2,67 Euro pro Kubikmeter sind sie den Statistikern zufolge die höchsten in NRW.

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"Wir sind nicht die Teuersten"

Andreas Schwarberg mag dies indes nicht nachvollziehen. "Wir liegen im oberen Bereich, gehören aber nicht zu den teuersten", erklärt der SWS-Chef, der auch nicht erwartet, im Zuge eines Vergleichs der verschiedenen Anbieter zu einer Preissenkung aufgefordert zu werden. So müssten Wuppertaler, Remscheider und Leichlinger noch erheblich mehr zahlen. Die relativ hohen Preise sind laut Schwarberg vor allem der bergischen Landschaft geschuldet: "Das Wasser muss sowohl hoch- als auch hinuntergepumpt werden." Teils seien sogar Druckminderer nötig, und da die Leitungen oft oberirdisch verliefen, müsse zusätzlich für Frostschutz gesorgt werden.

Dazu kommen finanzielle Absicherungen, die in den Büchern der Wasserwerke Baumberg GmbH auftauchen. Die Gesellschaft, die zur Hälfte den SWS und den Stadtwerken Hilden gehört, und die nach 2008 auch die Anlage Karnap betreiben wird, hat für den Abbruch des alten Wasserwerks schon 2006 eine Rücklage von rund einer halben Millionen Euro eingestellt. 2007 und 2008 fallen jeweils 1,1 Millionen an. Die gesamte Umstrukturierung kostet 4,3 Millionen Euro — dafür werde aber eine ähnlich teure Sanierung vermieden, heißt es im städtischen Beteiligungsbericht.

Glüder steht nicht zur Diskussion

Das Wasserwerk Glüder, in dem das Talsperren-Wasser aufbereitet wird, ist von alldem aber nicht betroffen. "Es gibt keine Pläne, das Werk zu schließen", versichert SWS-Aufsichtsrat-Chef Bernd Krebs. Zwar erklärt Andreas Schwarberg, "rein kostenmäßig" wäre man "froh, die Talsperren los" zu sein. Gleichwohl sei dieses Nass gerade "ein Standortfaktor". Zum Beispiel in Haan, wo Sengbach-Wasser sprudelt. Zwar liegt hier ein Angebot der Düsseldorfer Stadtwerke vor — doch sollten die Verantwortlichen vor der Entscheidung den Kaffeetest machen, dürften die SWS weiter die Nase vorne haben.

(RP)