Solingen: Waschhaus ist jetzt Museum

Solingen: Waschhaus ist jetzt Museum

Gestern eröffneten der Spar- und Bauverein Solingen (SBV) sowie das Rheinische Industriemuseum die neue öffentliche Bildungsstätte in der SBV-Siedlung Weegerhof.

An der großen Waage im Eingangsbereich des Waschhauses kam früher kein Mieter des Weegerhofes vorbei. Gewogen wurde jedoch nicht das Gewicht der Bewohner, sondern das der mitgebrachten Wäsche. "13 Kilo durften die Mieter einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Monat waschen, 23 Kilo die Mieter einer Fünf-Zimmer-Wohnung", erklärt Dagmar Thiemler vom Rheinischen Industriemuseum. Und damit alles korrekt ablief, hatte der Waschmeister eine Liste mit den Namen und den bereits gewaschenen Mengen aller Bewohner. Wer die mit der Miete abgegoltene Freimenge überschritt, musste extra zahlen. "30 Pfennig pro Kilo."

Gestern ist das Waschhausmuseum in der Spar- und Bauvereinssiedlung Weegerhof eröffnet worden, ab März soll es zwei Mal im Monat Interessierten offen stehen. "Wir haben bewusst wenig verändert, um auch denjenigen einen Eindruck vom früheren Waschen zu geben, die so etwas noch nie gesehen haben", erklärt Vorstandsvorsitzender Ulrich Bimberg.

Zwei große Mangeln stammen sogar noch aus dem Jahr 1928, als das Waschhaus — auf dem Höhepunkt des genossenschaftlichen Wohungsbaus und der Arbeiterbewegung — errichtet wurde. Die Waschmaschinen und Zentrifugen, in denen die Wäsche geschleudert wurde, mussten jedoch im Laufe der Zeit ersetzt werden und stammen jetzt größtenteils aus den 50er- und 60er-Jahren. Schließlich nutzten bis zu 650 Familien die Geräte, in der Nachkriegszeit sogar 816.

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"Die moderne Technik im Waschhaus verkürzte die sonst übliche Waschwoche auf drei Stunden", erklärt Bimberg. Damit und weil die Mütter ihre Kinder während des Waschens im Siedlungs-eigenen Kindergarten unterbringen konnten, bot die Genossenschaft "Luxus für kleine Leute".

Doch das neue Museum erzählt nicht nur die Geschichte des Weegerhof-Waschhauses, sondern auch die Geschichte des Waschens allgemein. "Waschen war früher eine sehr mühselige und körperlich anstrengende Arbeit", berichtet Dagmar Thiemler. Die Textilien mussten eingeweicht werden — im Winter gefror die Wäsche dabei oft über Nacht —, dann in einem Kessel mit Waschpulver gekocht und heiß in einen Waschbottich umgefüllt werden. Dort wurde die Wäsche mit Hilfe von Rührflügeln an der gerillten Wand entlang gezogen, anschließend herausgenommen, durchgespült und ausgewrungen.

"Die Waschmaschinen, die Ende der 1950er-Jahre aufkamen, boten eine große Erleichterung, weil sie mehrere Gänge in einem erledigten, so dass die Textilien nicht immer wieder umgefüllt werden mussten." Allerdings führte die moderne Technik auch zu Umweltproblemen: Schaumberge auf Flüssen und Seen in den 60ern, Überdüngung der Gewässer durch den hohen Phosphatgehalt der Waschmittel bis in die 80er-Jahre. Und trotz aller neuen Kompaktwaschmittel, die sich auf die waschaktiven Stoffe konzentrieren: "Wirklich umweltfreundliches Waschmittel gibt es auch heute nicht", sagt Dagmar Thiemler.

(RP)
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