Solingen: Was gehört in die gesunde Schultüte?

Solingen : Was gehört in die gesunde Schultüte?

Kinder- und Jugendärzte beobachten mit Sorge die wachsende Zahl übergewichtiger Schulanfänger. Morgenpost-Mitarbeiterin Sandra Kaiser sprach mit dem Solinger Arzt Dr. Thomas Fischbach, der auch Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, LV Nordrhein ist.

Warum sind sie besorgt?

Fischbach Noch nie gab es so viele dicke ABC-Schützen in NRW wie in diesem Jahr. Mehr als jedes zehnte Kind, das nächste Woche zum ersten Mal zur Schule geht, trägt außer seinem Tornister mehrere Kilo Übergewicht mit sich herum. Wir appellieren daher an die Eltern, den Schulbeginn zum Anlass zu nehmen, die Ernährung der ganzen Familie gesünder zu gestalten. Das fängt mit der Schultüte an.

Was gehört da rein und was nicht?

Fischbach Eine bis an den Rand mit Schokolade und Bonbons gefüllte Schultüte ist schädlich für das Kind. Die Eltern sollten nur wenige Süßigkeiten und statt dessen lieber Obst, Studentenfutter, zuckerfreie Kaugummi und kleine Überraschungen wie witzige Radiergummis oder Anspitzer, glitzernde Aufkleber, bunte Stifte, ein Buch für Leseanfänger sowie Trinkflasche und Brotbox für die Pause einpacken.

Und wenn der Schulalltag eingekehrt ist?

Fischbach Dann gilt: Jeden Tag ein nicht zu kalorienreiches, leichtes Schulfrühstück. Vollkornbrot mit Wurst oder Käse sowie Obst und Gemüse sind gut für die Zähne, machen nicht dick und geben Kraft für den ganzen Tag. Süße Joghurts und Quarkspeisen, Schoko- und Müsliriegel sind als Pausensnack nicht geeignet, weil sie zu viel Zucker enthalten. Die Werbung ist oft irreführend. Auch wenn auf den Packungen mit Vitaminen und anderen wertvollen Nährstoffen geworben wird – Hauptbestandteile dieser Nahrungsmittel sind Zucker und Fett. Die Kinder werden davon dick und krank.

Was halten Sie von der Idee einer Ampel-Kennzeichnung, wie es sie in Großbritannien gibt?

Fischbach Die befürworte ich. Wir brauchen ein einfaches Kennungssystem für Nahrungsmittel, das alle Menschen verstehen: Ungesunde Produkte bekommen eine roten Punkt, gesunde einen grünen und grenzwertige einen gelben. Wenn dann im Einkaufswagen nur noch rote Punkte leuchten, verstehen Eltern und Kinder sofort, dass sie sich stärker um eine ausgewogene Ernährung bemühen müssen.

(RP)
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