Ostern in Solingen: Was Farben über den Anlass verraten

Ostern in Solingen : Was Farben über den Anlass verraten

Die „Heilige Woche“ bis zum Osterfest steckt voller Symbolik – bis hin zur Kleidung. Pfarrer Meinrad Funke erklärt die liturgischen Besonderheiten.

Vor allem Kinder stellen beim Kirchgang oft die Frage: „Warum hat der Priester eigentlich immer andere Sachen an?“ Und auch die erwachsenen Begleiter finden darauf nicht immer eine Antwort. Soviel ist sicher: Mit den modischen Vorlieben der Geistlichen hat die Wahl der Messgewänder nichts zu tun. An gewöhnlichen Sonntagen im Jahreskreis tritt der Priester in der katholischen Kirche in Grün vor die Gläubigen: Die Farbe der Hoffnung und aufgehenden Saat trägt er außerhalb großer Festzeiten. Violett stehe wiederum für Besinnung, erklärt Pfarrer Meinrad Funke von der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian. Entsprechende Gewänder trägt er unter anderem zur Liturgie für Verstorbene und während der Fastenzeit.

Wiederum in einer anderen Farbe sah man ihn am vergangenen Sonntag in der Kirche. „Palmsonntag ist so etwas wie die Ouvertüre der Heiligen Woche“, erklärt Funke. Alles, was im Laufe der nächsten Tage wichtig werde, komme dabei schon einmal vor. Die Kirchgänger erlebten die Segnung der grünen Zweige in Anlehnung an den gefeierten Einzug Jesu Christi in Jerusalem, zugleich begegnete ihnen aber auch schon die Passionsgeschichte. Die liturgische Farbe des Palmsonntags ist, an Feuer, Blut und den Heiligen Geist erinnernd, rot – ebenso wie an den Apostel- und Märtyrerfesten und am Karfreitag.

An Karfreitag um 15 Uhr, laut Bibel der Todesstunde Jesu Christi, legt sich der Priester unter dem Kreuz auf den Boden. Foto: Zelger, Thomas

Dazwischen, am heutigen Gründonnerstag, steht erst einmal ein Farbwechsel an: In feierliches Weiß gehüllt nimmt der Priester die Abendmahlsmesse vor. Die beinhaltet gleich mehrere Besonderheiten: Die Fußwaschung, die Jesus nach biblischer Überlieferung an seinen Jüngern vornahm, vollziehen auch viele Kirchengemeinden nach – so auch heute die Pfarrgemeinde St. Sebastian ab 20 Uhr am Kirchort St. Katharina. „Wir werden dazu sechs Paare bilden“, berichtet Funke – darunter zum Beispiel ein Elternteil mit Kind und ein erfahrenes Ehepaar. „Jesus will Diener aller Menschen sein“, erklärt Funke. Auch das Abendmahl selbst verläuft anders als sonst: Die Kommunion wird in beiderlei Gestalt gereicht – mit Brot und Wein. Das Tabernakel, in der sonst die Hostie verwahrt wird, bleibt von nun an erst einmal leer. Was festlich begann, endet schlicht und still. Eine Gebetsnacht bis 6 Uhr morgens schließt sich an. Sie erinnert an die Nachtwache am Ölberg.

Stumm zieht die Gemeinde am Karfreitag ins Gotteshaus ein. Um 15 Uhr, laut biblischer Überlieferung der Todesstunde Jesu Christi, legt sich der wieder in Rot gewandete Priester unter dem Kreuz auf den Boden – eine Geste, die es nur zu diesem Anlass und zur Priester- oder Bischofsweihe gibt. „Es ist der längste Wortgottesdienst im Jahr“, erklärt Funke. Eine Eucharistiefeier findet nicht statt. Umfangreiche Fürbitten und Kreuzverehrung prägen die Karfreitagsliturgie.

Umso festlicher startet dafür der Ostersonntag. Gegen 6 Uhr versammeln sich die Gemeindemitglieder etwa neben der Kirche St. Joseph am Osterfeuer, an dem die neue Osterkerze geweiht und entzündet wird. Nur der Kerzenschein wird während des „Osterlobes“ und der darauf folgenden Lesungen das Gotteshaus erleuchten: „Er durchbricht symbolisch die Dunkelheit“, sagt Funke. Beim „Gloria“ wird es schließlich hell, die Orgel erklingt ebenso wie die Glocken des Kirchturms – Jesus ist auferstanden. Der Priester segnet das Taufwasser und besprengt damit zur Erneuerung des Taufversprechens die Kirchbesucher. Es ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. Und dazu trägt der Priester natürlich, wie übrigens auch an Weihnachten, ein festliches weißes Messgewand.