1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Waldsiedlung Ohligs statt Stadion

Solingen : Waldsiedlung Ohligs statt Stadion

Der Investor Viantis hat am Freitag seine Pläne für das alte Union-Stadion präsentiert. Anstelle der Arena sollen rund 115 Häuser beziehungsweise Eigentumswohnungen entstehen. Der Clou: Teile des Stadions könnten erhalten bleiben.

Die Fans dürfte es zwar kaum trösten. Aber geht es nach dem Investor Viantis, wird das alte Union-Stadion in Ohligs nach seinem geplanten Abriss wenigstens nicht ganz verschwinden.

Solingen: Waldsiedlung Ohligs statt Stadion
Foto: viantis

Die Immobiliengesellschaft Viantis, eine 100-prozentige Tochter der Sparda-Bank West, will an der Stelle der Arena am Hermann-Löns-Weg ab 2015 Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihen- sowie Mehrfamilienhäuser des gehobenen Wohnsegments errichten. Bis zu 400 Menschen sollen dort einmal leben. Insgesamt sind rund 115 Wohneinheiten vorgesehen — wobei einige zukünftige Hausbesitzer demnächst ein Stück Stadion im Garten haben könnten. Teile der Stehtraversen sollen nämlich erhalten bleiben.

"Wir werden mit der Geschichte des Ortes sensibel umgehen", sagte gestern Wolfgang Marcour vom mit der Planung beauftragten Architektenbüro SOP bei der Vorstellung des Projekts. So wollen die Verantwortlichen sowohl die Topographie des rund 36 700 Quadratmeter großen Areals als auch dessen Einbettung in die Natur weitgehend unverändert lassen.

Im Klartext: Teile der Stehtribünen bleiben stehen und bilden eine Art Einfriedung des mittleren Bereichs der neuen "Ohligser Waldsiedlung". Darüber hinaus sollen die Alleebäume am heutigen Eingang zum Stadion ebenfalls ein Teil der Siedlung werden.

Stadioneingang Dort ist eine Zeile von etwa acht dreigeschossigen Reihenhäusern vorgesehen. Die Garagen dieser Gebäude sind unterirdisch, da in dem Bereich des Stadionparkplatzes das Grundwasser und der Felsuntergrund relativ tief liegen.

Haupttribüne Die Haupttribüne des Union-Stadions wird abgerissen. An ihrer Stelle entstehen ungefähr fünf viergeschossige Mehrfamilienhäuser, die sich in ihrer Höhe an den bestehenden Gebäuden am Hermann-Löns-Weg orientieren. Im Untergeschoss eines der Häuser ist ein Blockheizkraftwerk in Planung. In einem weiteren Gebäude sollen wiederum eine Kita sowie Seniorenappartements untergebracht werden.

Hauptspielfeld Wo sich heute noch die Rasenfläche des Stadions befindet, könnten später einmal im Bereich der alten, partiell zu erhaltenen Stehplatzkurven circa 20 Reihenhäuser und rund um den Mittelkreis etwa 16 Doppelhaushälften gebaut werden. Sämtliche Häuser dieses zentralen Siedlungsbereichs sind dreigeschossig und werden nicht unterkellert sein, wobei die Garagen halb beziehungsweise ganz oberirdisch liegen sollen. Das ist dem unterschiedlichen Grundwasserspiegel geschuldet.

Kunstrasenplatz Der zentrale Siedlungsbereich wird durch Teile der alten Stehplatzgerade sowie die dort stehende Baumreihe abgegrenzt. Dahinter sind auf der Fläche des heutigen Kunstrasenplatzes rund acht Reihenhäuser und noch einmal so viele Einfamilienhäuser projektiert. Aufgelockert wird dieser hintere Bereich vom wieder freizulegenden Garather Bach, einer Wasserspielfläche sowie durch öffentliches Grün.

Konzept Die Häuser werden Flachdachbauten und weiß sein. Die Form soll zeitlosen Charakter vermitteln. Das Architekturbüro SOP entwarf unter anderem den Flughafen Düsseldorf und die dortige Arena. Seit einigen Jahren beschäftigt sich das Büro mit Wohnungsbau. Die "Ohligser Waldsiedlung" wird im oberen, aber nicht im Luxussegment liegen. Ein Haus könnte an die 300 000 Euro kosten. Das Konzept habe städtebaulich wie ökologisch überzeugt, sagten gestern Stadtdirektor Hartmut Hoferichter und Kämmerer Ralf Weeke.

Anbindung Die Erschließung für Autos soll über zwei bestehende Wege zum Stadion zwischen Häusern am Hermann-Löns-Weg erfolgen. Der Stadioneingang mit der Allee dient nur als Fußweg, der weiterführt zum S-Bahnhof Vogelpark.

Anhandgabe Viantis hat das Gelände noch nicht gekauft. Mit der am Donnerstag im Finanzausschuss einstimmig beschlossenen Anhandgabe besitzt Viantis aber ein "exklusives Recht", zu planen, wie Stadtdirektor Hoferichter und Kämmerer Weeke betonten. Die Frist hierfür läuft bis Ende 2014 und kann um bis zu ein Jahr verlängert werden. Kommt es zum Kauf, fließen die verabredeten drei Millionen Euro.

Weiteres Vorgehen Nun arbeiten Investor und Stadt parallel. "Wir entwickeln das städtebauliche Konzept weiter", sagte Viantis-Vorstandssprecher Joachim Sedlaczek. Es stehen architektonische Detailplanungen und Bodenuntersuchungen an, wobei die Grundwasser-Problematik geklärt ist. Zeitgleich wird die Stadt den Bebauungsplan vorantreiben. Sobald dieser sowie der Plan für den Ersatz-Kunstrasenplatz im Joseftal fertig sind, könnten der Stadionabriss und der Bau der Siedlung beginnen. Nach derzeitigem Stand wäre dies Ende 2014, Anfang 2015 der Fall.

(RP)