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Walder Theatertage in Solingen: Peter Wirtz über das 25-jährige Jubiläum

Peter Wirtz im Gespräch über die Walder Theatertage : „Wir schaffen urbane Lebensqualität“

Die Walder Theatertage feiern ihr 25-jähriges Bestehen. Der Vorsitzende des Trägervereins blickt zurück auf die Anfänge und erklärt, warum kulturelle Bildung für die erfolgreich Event-Reihe wichtig ist.

Mit welchem Ziel sind die Walder Theatertage vor 25 Jahren entstanden ?

Wirtz Sie standen von Anbeginn unter dem Gedanken, kulturelle Bildung für junge Leute mit Auftritten von professionellen Künstlern zu verbinden. 1998 fand die erste Ausgabe statt. Begonnen haben wir mit einer Kabarett-Veranstaltung, die von 22 Personen besucht wurde, und einem Schultheatertag vor voll besetztem Haus.

Im Laufe der Zeit sind die Theatertage aber deutlich gewachsen . . .

Wirtz Genau. Aus der ersten Kabarett-Veranstaltung ist eine stets gut besuchte Kabarett-Reihe geworden, die wir in diesem Jahr noch mit einer Überraschung im November abrunden werden. Die Theatertage beleben das gesamte Stadtgebiet mit einem Rahmenprogramm an den unterschiedlichsten Orten. Begeisterten überregionalen Zuspruch gibt es zu den Straßentheatertagen und zu einer international besetzten Musikreihe, die nicht im Mainstream stattfindet. Und wir schaffen immer wieder neue Formate, um Orte und Menschen unterschiedlicher Altersklassen mit Kultur zu verbinden.

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Wie haben es die Theatertage geschafft, im Laufe der Jahre eine überregionale Bedeutung zu erlangen ?

Wirtz Eigentlich müssen Sie dies unser Publikum fragen. Wir sehen an den Ticketverkäufen und bei unseren Großveranstaltungen, dass unsere Kulturreihe viele Menschen nach Solingen zieht. Dies liegt wohl unter anderem daran, dass wir eine Veranstaltung mit einer besonderen Internationalität und einem europäisch urbanen Flair sind. In diesem Jahr kommen beispielsweise 50 internationale Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa nach Solingen. Uns freut selbstverständlich, dass die Landesregierung NRW die Kulturreihe Walder Theatertage als landesweit bedeutend eingestuft hat, was mit einer dauerhaften Förderung verbunden ist.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den internationalen Künstlern entwickelt ?

Wirtz Früher musste ich immer erklären, wo Solingen liegt. Ich habe Solingen als Geburtsstadt von Pina Bausch erwähnt. Heute muss ich das nicht mehr erklären, auch wenn ich bei renommierten Künstlern in Europa anfrage.

Ist die Internationalität also ein Erfolgsfaktor der Theatertage ?

Wirtz Ja, sofern sie für die besondere Qualität der Veranstaltungen sorgt. Aber selbstverständlich geben wir auch der bundesrepublikanischen Kulturszene Auftrittsmöglichkeiten. Ein wichtiger Faktor ist sicherlich auch, dass wir Kultur und Kunst auf die Straße bringen und dass die Theatertage auch eine Vorbildfunktion für andere Städte und Gemeinden haben.

Inwiefern Vorbildfunktion ?

Wirtz Nur zwei Beispiele: Gerade in der härtesten Corona-Zeit, als Kultur nicht mehr stattfand, haben wir zwei Veranstaltungsformen auf die Beine gestellt, die zeigen sollten: Wir lassen Kultur nicht schweigen. Zum einen war da das Fenstertheater. Wir haben Künstler engagiert, die vor Altenheimen, Krankenhäusern oder Gesundheitsämtern aufgetreten sind, und Filme von den mehr als 30 Auftritten ins Netz gestellt. Einige Kommunen haben das Konzept übernommen. Zum anderen haben wir ein Projekt zur kulturellen Bildung in Schulen gemacht.

Dazu haben Sie Filme von Künstlern aufgenommen, richtig ?

Wirtz Ja. Im Lockdown standen Kunst und Kultur im Unterricht hinten an. Aber wir brauchen junge Leute, die als Kreativschaffende nach außen gehen, die ausprobieren, scheitern und Erfolge feiern dürfen. Deswegen haben wir mit internationalen Künstlern Kurzfilme produziert und den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Filme können und werden bundesweit von Theaterpädagogen eingesetzt.

Was tun die Theatertage in diesem Jahr zur Förderung junger Künstler ?

Wirtz In diesem Jahr probieren wir zwei neue beziehungsweise etwas veränderte Formate, die wir vor allem mit der Hilfe der Stadtwerke durchführen. Zum einen ist das der Förderbeitrag „Jugend macht Kultur“. Den Gewinnern winkt finanzielle und organisatorische Unterstützung bei der Durchführung einer Kulturveranstaltung. Zum anderen veranstalten wir den Preis der jungen Poeten. Junge Leute sollen schauen, wie sie im Smartphone-Zeitalter mit Sprache umgehen. Da haben wir 29 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet bekommen, von jungen Leuten im Alter zwischen 15 bis 24 Jahren. Es sind dramaturgische, Hip-Hop- und lyrische Texte dabei. Und ich bin selbst gespannt, wen die Jury zur Preisträgerin oder zum Preisträger wählt.

Ziehen Sie denn auch ein junges Publikum an?

Wirtz Das kommt immer sehr auf die Veranstaltung an. Bei Jazzkonzerten sind es eher ältere Besucher, zum Poetry Slam kommen vor allem junge Leute zwischen 17 und 30 Jahren. Beim Straßentheater ist es sehr durchmischt, das verbindet alle Altersklassen und sozialen Hintergründe. Man merkt, da ist eine wachsende Neugier da. Die gesamten Formate – die Theatergala, Kultur im öffentlichen Raum und das Rahmenprogramm an unterschiedlichen Locations – sprechen unterschiedliche Altersklassen an und schaffen urbane Lebensqualität. Kultur wird so zum wichtigen Standortfaktor.

Welche Aspekte in der Organisation und Durchführung der Theatertage wollen Sie künftig verbessern?

Wirtz Wir stemmen die gesamte Reihe ehrenamtlich. Das ist nicht ausschließlich positiv. Was dahinter fehlt, ist eine hauptamtliche Struktur.

Auch eine Kulturreihe mit dieser Strahlkraft braucht ständig jugendliche Erneuerung. Und die gewinnt man nur, wenn unterstützende Hauptamtliche und erfahrene Ehrenamtler jungen Kreativen bei der Umsetzung von Ideen helfen wie bei Jugend macht Kultur. Eine Reihe dieser Größenordnung ohne hauptberufliche Unterstützung gibt es in der gesamten Bundesrepublik nicht noch einmal.

Welche Highlights halten die Walder Theatertage in diesem Jahr vor ?

Wirtz Die große Theatergala ist für mich das künstlerische Highlight 2022. Ein gut zweistündiger Abend für die ganze Familie mit preisgekrönten spektakulären Darbietungen aus Varieté, Musik, Schauspiel, Kleinkunst und Comedy.