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Solingen: Wald: Jugendliche arbeiten an einer Lösung

Solingen : Wald: Jugendliche arbeiten an einer Lösung

Sie sitzen zusammen in einem Café schräg gegenüber von Walder Stadtsaal und altem Rathaus bei einem Glas „Schai“, dem starken Tee, wie er in der Türkei getrunken wird. „Wir Jugendliche wünschen uns einen eigenen Raum“, berichten Daniel Stasiewski, Faruk Meydan und Bayram Eyilmaz. Dann bräuchten sie mit ihren Freunden nicht immer auf der Straße „abzuhängen“. Die drei 14- beziehungsweise 15-jährigen Schüler sind im Jugendstadtrat. Sie arbeiten gemeinsam in der Projektgruppe Wald. Ihr Ziel: ein ordentlicher Treffpunkt für die Jugendlichen im Stadtteil. „Wir sind alle in Wald aufgewachsen, fühlen uns in Ohligs oder in der Solinger Innenstadt nicht wohl.“

Daniel Stasiewski, Faruk Meydan und Bayram Eyilmaz gehören zu jenen gut 30 Jugendlichen, die sich stets am Stadtsaal treffen, und zwar an der Bank neben der Telefonzelle gleich am Eingang der Friedrich-Ebert-Straße, an den Eingangsstufen nebenan sowie gegenüber unter dem Glasdach der Bushaltestelle.

Sie ärgern sich über Vorurteile

Den drei Jugendstadtrats-Mitgliedern ist klar, welchen Eindruck dies bei vorbeikommenden Passanten mitunter hinterlässt – vor allem freitagabends, wenn meist alle 30 Zwölf- bis 20-Jährigen aus der Gruppe auf einmal zusammen kommen. „Dabei wollen wir eigentlich nicht auffallen.“ Sie wollen niemanden stören. Sie plaudern über Hip-Hop- und R’nb-Musik , treffen Verabredungen, reden über die Schule und über die Freunde. „Manchmal“, sagen sie, „geht das bis nach Mitternacht.“ Die 14- beziehungsweise 15-Jährigen vom Jugendstadtrat ärgern sich über Vorurteile. Wenn man „Kanaken“ zu ihnen sagt, beleidigt sie das. Sie seien Solinger. Jeder sei bei ihnen willkommen. Auch Jugendliche italienischer oder deutscher Herkunft gehören nach den Worten von Daniel Stasiewski, Faruk Meydan und Bayram Eyilmaz zur Gruppe. „Wir sind Brüder und Schwestern, halten zusammen“, sagen sie.

Könnte man so etwas wie das Aufderhöher Blockhaus auch in Wald auf die Beine stellen?, fragen sie Walds CDU-Chefin Rita Pickardt. Das Aufderhöher Jugendprojekt sei ein besonderer Kraftakt gewesen. Es sei wohl nicht noch einmal zu schaffen, entgegnet die Ratsfrau. Nach ihrer Überzeugung muss aber eine Lösung gefunden werden. Falls sich im Stadtsaal ein Jugendraum einrichten lasse, könne dies nur im Zusammenarbeit mit dem Jugendamt erfolgen. Am Hindenburgplatz könnte man zum Beispiel überlegen, einen Streetballkorb aufstellen, schlägt sie vor. Rita Pickardt spricht vom Walder Netzwerk von den Kirchengemeinden, der Schützen- und Bürgergilde sowie den Freizeitangeboten in der WMTV-Halle.

Die drei 14- und 15-Jährigen haben sie wegen des Problems angesprochen. Zwei Mal hat sie mit ihnen schon das Gespräch gesucht. Und nun sitzt sie erneut mit ihnen am Tisch bei einem Glas „Schai“.

(RP)