Solingen: Wahrzeichen wird renoviert

Solingen : Wahrzeichen wird renoviert

Bis zu 400 000 Euro wird die Sanierung des Merscheider Kirchturms kosten. Die Gemeinde ist auf Spenden angewiesen. Heruntergefallene Dachpfannen und das marode Mauerwerk machten die Maßnahme unumgänglich.

Es ist still geworden über Merscheid. Der Glockenschlag ist verstummt, auch auf das Schlagen der Kirchturmuhr kann man sich nicht mehr verlassen. "Viele in Merscheid haben gar keine Armbanduhr mehr, weil sie es gewohnt sind, sich nach unserer Uhr zu richten", sagt Pfarrer Hildebrand Proell. Seit März ist der Turm der Kirche an der Hofstraße eingerüstet, weil die Sanierung dringend erforderlich ist.

Begonnen hatte alles mit einem vermeintlich simplen Unwetterschaden. Nach einem Sturm stürzten Dachpfannen auf das Auto einer Mitarbeiterin. Als ein Dachdecker den Turm überprüfen wollte, stieß er auf bis dahin ungeahnte Probleme im 110 Jahre alten Gemäuer. Das Mauerwerk ist durch Feuchtigkeit morsch, die Turmspitze neigt sich leicht in östliche Richtung, und der Uhrwerkgiebel könnte im schlimmsten Falle abstürzen.

Bürger nehmen großen Anteil

"Auch die Schwingungen der Glocke würden das Mauerwerk weiter gefährden", sagt Proell. Die Sanierungskosten von ursprünglich 200 000 Euro steigerten sich inzwischen auf 350 000 bis 400 000 Euro. Die Anteilnahme der Bürger ist dabei groß. 2200 Mitglieder hat die evangelische Gemeinde in Merscheid. "Aber wir haben auch schon Spenden erhalten von Merscheidern, die keine Gemeindemitglieder sind", erzählt Klaus Diederich, Vorsitzender des Bauausschusses und stellvertretender des Presbyteriums stolz.

"Die Menschen betrachten unsere Kirche als Wahrzeichen des Stadtteils", fährt er fort. Die Gemeinde hofft auf weitere Spenden. "Schließlich wird uns das Geld, das wir für die Sanierung aufwenden, in der Gemeindearbeit fehlen", sagt Klaus Diederich. Alle Baumaßnahmen an der Kirche muss die Gemeinde mit der Denkmalbehörde koordinieren. Seit 1985 steht der Backsteinbau unter Denkmalschutz. "Das ist eine ausgesprochen konstruktive und harmonische Zusammenarbeit", lobt Architekt Andreas Wiedmann. Ende Juli sollen die Bauarbeiten beginnen. Auch bei günstiger Witterung seien die Bauarbeiten frühestens Weihnachten abgeschlossen.

Die nächste Gelegenheit, die Kirche zu unterstützen, bietet sich beim Gemeindefest am Sonntag. Los geht es um 11 Uhr mit dem Gottesdienst auf der Wiese neben der Kirche. Um 18 Uhr gibt der Gospelchor "Good news" ein Benefizkonzert. Während der Veranstaltung verkauft der Merscheider Heimatverein Aufkleber mit der Aufschrift Fürstentum Merscheid und einem Bild der Kirche. Am Abend lädt die Gemeinde zum Public Viewing des EM-Finales ein.

Für alle Kirchenbesucher, die den Glockenschlag der Kirche zu sehr vermissen, hat die Gemeinde übrigens improvisiert. Am Eingang steht ein Sparschwein. "Wenn man da eine Münze hineinwirft, läutet es elektronisch", erzählt Pfarrer Hildebrand Proell schmunzelnd, räumt aber ein, dass echter Glockenschlag nicht so einfach zu ersetzen sei.

(ied)
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