Wachmann gesteht Raubüberfall in Solingen

Fahrer eines Geldtransporters schildert vor Gericht Geschehen am Fronhof : Wachmann gesteht Raubüberfall

Fahrer eines Geldtransporters schildert Geschehen an der Sparkassenfiliale.

Mit Kindern im Auto zum Raubüberfall in die Fußgängerzone am Fronhof: Im Polo saßen am 30. Januar drei Erwachsene und der Nachwuchs (zwei und drei Jahre alt). Bei dem, was derzeit vor dem Wuppertaler Landgericht verhandelt wird, kommen Prozessbeobachter aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Da ist zum einen einer der drei Angeklagten. Der 42 Jahre alte Libanese, der die Vorwürfe gestanden hat, war in Geldnöte geraten. Bei einer Wach- und Schließgesellschaft als Werttransport-Fahrer beschäftigt, war er ins Gespräch mit einem Kollegen gekommen. Der soll in Siegen ein „krummes Ding gedreht“ und eine Bank um einen fünfstelligen Betrag erleichtert haben.

Für den 42-Jährigen schien das ein gelungenes Drehbuch zur Geldbeschaffung gewesen zu sein. Er überlegte, einen Überfall vorzutäuschen und sich die Geldscheine, die bei der Sparkasse angeliefert werden sollten, in die eigene Tasche zu stecken. Die Ehefrau war offenbar eingeweiht – sie soll mitgemacht haben und gleich nach der Tat in den Libanon ausgereist sein.

Ein weiteres Pärchen – nun mit dem 42-Jährigen auf der Anklagebank sitzend – scheint mittlerweile getrennt zu sein. Die Frau war mit den Kindern im Auto geblieben, der Freund wartete mit der Ehefrau des Angeklagten im Treppenhaus vor dem Keller der Bank. Abgemacht war scheinbar, dass sie den 42-Jährigen und dessen Beifahrerin fesseln sollen. Angeblich sollen beide aber auch noch geknebelt und geschlagen worden sein. Zuvor waren sie mit 526.000 Euro in Geldkassetten und den dazugehörigen Schlüsseln die Kellertreppe herunter gelaufen – dort wurden sie von beiden Tätern erwartet.

Als der nun mitangeklagte Fahrer des Geldtransporters und dessen ahnungslose Kollegin angekommen waren, sollen sie mit vorgehaltener Waffe zum Öffnen der gesicherten Kellerräume gezwungen worden sein. Danach eilten die Täter mit den Geldscheinen in der Tasche zurück zum Polo, in dem die Kinder und eine weitere Mittäterin warteten. Zuhause angelangt, sollen die Geldscheine durch die Geldzählmaschine geschoben und bei dem Fahrer des Geldtransporters, der als Drahtzieher gilt, versteckt worden sein. Unter der Badewanne, in der Wand und in der Zwischendecke verstaut:

Am Ende wurden dort aber nur noch 326.000 Euro gefunden. Und der Rest? So genau will der 42-Jährige das nicht mehr wissen. Irgendwas sei da mit Hawala-Banking gewesen. Dessen in den Libanon ausgereiste und am Überfall beteiligte Ehefrau könnte vielleicht etwas wissen - die aber will nur aussagen, wenn ihr Straffreiheit und sicheres Geleit nach Deutschland zugesichert werde. Der Prozess wird fortgesetzt.