Solingen: Wachdienst patrouilliert im Jugendamt

Solingen: Wachdienst patrouilliert im Jugendamt

Da es nach der Herausnahme eines kleinen Mädchens aus seiner Familie im Netz zu massiven Drohungen Dritter gegen Stadtmitarbeiter kam, wurde nun eine Wachfirma eingeschaltet. Die Stadt will so ihre Bediensteten schützen.

Weil es in den zurückliegenden Wochen in den sozialen Netzwerken im Internet immer wieder zu Bedrohungen gegenüber Mitarbeitern des Solinger Jugendamtes gekommen ist, hat die Stadt jetzt die Sicherheitsmaßnahmen massiv nach oben gefahren. So schützen seit dieser Woche - und bis auf Weiteres - Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma die Büros des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in Wald.

Von außen sind die Wachleute, die die Stadtmitarbeiter schützen sollen, nicht zu sehen. Das Wachpersonal befindet sich im Gebäude. Foto: Martin Kempner

Das hat eine Sprecherin der Stadt gestern auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. "Es stimmt, dass wir aufgrund von aggressiven Äußerungen und Anfeindungen, die im Internet verbreitet werden, reagiert haben", hieß es aus dem Rathaus. Man nehme die aktuellen Bedrohungen durchaus ernst, sagte die Stadtsprecherin, die parallel ankündigte, die Schutzmaßnahmen würden so lange wie nötig aufrechterhalten.

Der Hintergrund: Nachdem Anfang dieses Jahres ein erst wenige Wochen altes Mädchen aus seiner Familie genommen worden war, weil zuvor Ärzte des Klinikums nach einer Untersuchung im Dezember 2017 den Verdacht geäußert hatten, das Kind könnte misshandelt worden sein, schalteten die betroffenen Eltern das Amtsgericht ein - und machten den Fall gleichzeitig im Internet publik.

Was folgte, war ein regelrechter Sturm der Empörung, der vor allem die Mitarbeiter des Jugendamtes traf. Beispielsweise wurden in sozialen Medien wie etwa Facebook von vollkommen Unbeteiligten Drohungen ausgesprochen, von denen sich die Familie des kleinen Mädchens später ausdrücklich distanzierte.

  • Geister, die man rief

Doch auch das führte offenkundig nicht zu einer Beruhigung der Lage sowie zu einer Rückkehr zu einer sachlichen Diskussion. Im Gegenteil - zuletzt nahmen die verbalen Entgleisungen im Netz anscheinend sogar noch einmal zu. Weswegen sich die Verantwortlichen im Rathaus nun veranlasst sahen, mit der Beauftragung der externen Wachfirma den Anfeindungen zu begegnen.

"Uns liegt die Sicherheit unserer Mitarbeiter im Jugendamt sehr am Herzen", sagte die Sprecherin der Stadt Solingen am Freitag. Betroffen sind Bedienstete des ASD beim Stadtdienst Jugend, die in einem zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehörenden Immobilie an der Friedrich-Ebert-Straße nahe dem Stadtsaal Wald sitzen. Die dortige Dependance des Allgemeinen Sozialen Dienstes ist für die beiden Stadtbezirke Gräfrath sowie Wald zuständig. Dabei ist die Schutzmaßnahme auf diese Außenstelle beschränkt. "Andere Bereiche sind nicht einbezogen", teilte die Stadt mit.

Derweil zieht sich der juristische Streit um die Inobhutnahme des Säuglings weiter hin. Das Mädchen lebt zurzeit in einer Pflegefamilie. Dagegen wehren sich die Eltern vor Gericht. Sie beteuern, das Mädchen nie geschüttelt zu haben, und glauben vielmehr, dass das bei ihrer Tochter attestierte Schütteltrauma auf Komplikationen bei der Geburt zurückzuführen ist.

Gleichwohl ist eine Entscheidung in dem Fall des Babys noch nicht getroffen worden. Einem Medienbericht zufolge lehnte eine Richterin des Familiengerichts Ende Februar einen vom Jugendamt bestellten Gutachter ab. Inzwischen wurde das Oberlandesgericht eingeschaltet, das prüfen soll, ob alle Maßnahmen rechtens waren. Darüber hinaus kämpft die Familie weiter auf verschiedenen Ebenen. So wurden bereits TV-Teams eingeschaltet und im Internet eine "Petition" veröffentlicht.

(or)