Solingen: VW-Skandal: Bis zu 6000 Autos betroffen

Solingen : VW-Skandal: Bis zu 6000 Autos betroffen

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte betrifft auch zahlreiche Solinger. Tausende Autos müssen zurück in die Werkstätten.

Tausende Autofahrer in Solingen werden in der kommenden Zeit Post aus Wolfsburg erhalten. Der Grund: Nachdem vor knapp zwei Wochen bekannt wurde, dass die Abgaswerte vieler Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns durch einen Software-Trick manipuliert wurden, startet das Unternehmen demnächst die größte Rückrufaktion seiner Geschichte.

"Es ist vorgesehen, dass VW und die weiteren betroffenen Marken im Oktober den zuständigen Behörden die Maßnahmen vorstellen", sagte gestern Abend ein Konzernsprecher unserer Redaktion. Die Kunden würden dann "in den nächsten Wochen und Monaten informiert", so der Sprecher.

Ein einmaliges Ereignis in der Volkswagen-Firmenhistorie, auf das Ernst-Robert Nouvertné gerne verzichtet hätte. "Der Abgasskandal wird einen massiven Imageschaden zur Folge haben", sagte Nouvertné, der am Schlagbaum sowie am Wasserturm zwei Autohäuser für Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda, Seat und VW-Nutzfahrzeuge betreibt, jetzt auf Anfrage.

Der Ärger des Solinger Vertragshändlers ist verständlich. In den zurückliegenden Tagen haben Nouvertné und seine Mitarbeiter schon einmal eine vorsichtige Rechnung angestellt, was im Zuge der VW-Krise demnächst auf sie zurollen könnte. Und die Zahlen, die dabei herauskamen, sind durchaus beeindruckend.

Wir erwarten, dass allein bei uns zwischen 5000 und 6000 Autos betroffen sein werden", schätzt der Geschäftsführer. Denn immerhin, so Ernst-Robert Nouvertné, seien Diesel-Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2014 betroffen.

Dabei, das stellt der Autohändler klar, müssen Kunden aber nicht fürchten, ihr Auto bald nicht mehr benutzen zu dürfen. Die manipulierten Messergebnisse bezögen sich auf die ausgestoßenen Stickoxide, erklärt Nouvertné. Die TÜV-Zulassung sei demzufolge nicht in Gefahr. Nouvertné: "Dabei werden nur die Kohlendioxid-Werte überprüft. Und an denen wurde nicht manipuliert."

Gleichwohl wartet auf Händler und Kunden viel Ärger. VW teilte gestern mit, dass man "mit Hochdruck an einer Lösung" arbeite und "alle Kunden umgehend" informiere, sobald die Fahrzeuge instandgesetzt werden könnten.

Doch dann geht die Arbeit in den Werkstätten erst richtig los. "Bei einigen Autos ist lediglich ein Software-Update nötig. Andere brauchen hingegen neue Bauteile, die ausgetauscht werden müssen", beschreibt Ernst-Robert Nouvertné das technische Prozedere, mit dem es indes auch noch nicht getan ist. Denn die Kunden müssen in der Zeit, in der ihre Autos in der Werkstatt stehen, mobil bleiben. Aus diesem Grund werden die Nouvertné-Autohäuser den Betroffenen Ersatzfahrzeuge anbieten.

Alles Maßnahmen, die umgangssprachlich formuliert, ordentlich ins Geld gehen werden. "Für die Kunden ist das alles natürlich kostenfrei", stellte Vertragshändler Nouvertné jetzt noch einmal klar. Doch auf den VW-Konzern selbst rollt eine sprichwörtliche Kostenlawine zu. Allein in Solingen könnten bei Aufwendungen pro Fahrzeug von etwa 700 Euro am Ende mehr als vier Millionen Euro zu Buche schlagen - Kosten, die die Autohäuser wiederum VW in Rechnung stellen werden.

Den Imageschaden hingegen müssen die Händler mittragen. Zwar lief das Geschäft in den Nouvertné-Niederlassungen zuletzt wie gewohnt. "Wir sind selbst überrascht, dass die Leute ganz ruhig reagieren", sagte Ernst-Robert Nouvertné. Entwarnung kann jedoch noch nicht gegeben werden, da bislang kaum absehbar ist, wie gravierend die Spätfolgen des Skandals ausfallen. Und die werden auch die Händler spüren. "Das müssen wir ausbaden", ist sich Ernst-Robert Nouvertné sicher, der gleichwohl an ein gutes Ende glaubt. Nouvertné: "Ich bin optimistisch, dass wir die Krise überwinden".

(or)
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