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Vor der "Six Bridges Rally" - Welterbe-Tour für die Müngstener Brücke

Auf Welterbe-Tour durch Europa : „Die Strecke ist ein Traum"

Mitorganisator Timm Kronenberg spricht über die „Six Bridges Rally“, die vom 11. bis zum 26. September dazu beitragen soll, dass die Müngstener Brücke und fünf weitere Viadukte in Europa Weltkulturerbe werden.

In zwei Wochen, am 8. August, ist Anmeldeschluss für die von Ihnen und Marc Baehr veranstaltete Sechs-Brücken-Rallye. Wie viele Teams haben sich bisher angemeldet?

Timm Kronenberg Wir haben bisher 41 Anmeldungen, 36 für Wagen, fünf für Motorräder.

Wo kommen die Teams her und wie alt sind die Teilnehmer?

Kronenberg Gut die Hälfte kommt aus dem Bergischen Land. Viele wohnen in Remscheid, einige in Wuppertal und Solingen. Wir haben aber auch Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet und vom Rhein. Zwei Teams reisen aus Süddeutschland an. Außerdem freuen wir uns, dass ein Schweizer und ein Franzose dabei sind. Die Jüngsten sind Mitte 30; der Älteste ist 87. Es gibt viele Teams, die aus Ehepaaren bestehen, und auch reine Frauenteams.

Die Fahrzeuge sollen mindestens 20 Jahre alt sein. Was erwartet die Zuschauer beim Start der Rallye und bei den Empfängen im Ausland, die man den Teilnehmern an den fünf weiteren Brücken ausrichtet?

Kronenberg Die Palette reicht vom Käfer über einen Mercedes 600 bis zum Bentley mit Rolls-Royce-Motor, der schon bei der Rallye Peking-Paris dabei war. Ein Teilnehmer hat sogar einen persönlichen Bezug zur Müngstener Brücke: Sein Ururgroßvater war an ihrem Bau beteiligt.

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Gibt es einen besonderen Höhepunkt der Rallye?

Kronenberg Nicht nur einen, sondern viele. Manche der 19 Weltkulturerbe-Stätten, die von uns angefahren werden, sind wirklich zum Niederknien. Wir werben auf unseren Aufklebern nicht umsonst mit „6000 fantastische Kilometer – 16 Tage voller Überraschungen“. Ein besonderer Höhepunkt wird aber unsere Europa-Party am 22. September in einem Chateau bei Bordeaux werden. Zu ihr kommt auch eine Nachfahrin von Gustave Eiffel. Danach liegt als letzte der sechs Brücken der von Eiffel erbaute Viaduct de Garabit an unserer Strecke.

Ist es noch ein Vergnügen, wenn man 16 Tage lang im Auto oder auf dem Motorrad sitzt?

Kronenberg Da wir nur über Landstraßen fahren, bedeuten 370 Kilometer pro Tag eine etwa siebeneinhalbstündige Fahrzeit. Bei uns ist alles aber nur ein Kann, kein Muss! Es sind beispielsweise Teilstrecken möglich: Das französische Team steigt erst in Frankreich ein. Alle Teams fahren alleine, treffen sich aber achtmal in den 16 Tagen.

Wie ist die Idee für die Rallye entstanden?

Kronenberg Aus der Verbindung zweier Anlässe: 2017 habe ich für die Stadt das Brückenfest mitgestaltet. Bei der Feier zum 120-jährigen Bestehen der Müngstener Brücke gab es ja den Aufschlag für die Bewerbung zum Weltkulturerbe. Da ist mein Faible für die Müngstener Brücke noch stärker geworden. Ein Jahr später bin ich mit meinem guten Freund Marc Baehr die Rallye European 5000 gefahren. Das hat mir das Rallye-Feeling gegeben und mich auf diese Idee gebracht. Marc Baehr war sofort mit im Boot und hat die Strecken ausgearbeitet, um die sechs Brücken durch eine Rallye zu verbinden – mit Autos, die mindestens 20 Jahre alt sind. Bei den Verantwortlichen der Stadt gingen schnell die Daumen hoch.

Wie ging es weiter?

Kronenberg Wir haben ein Exposé ausgearbeitet. Im Oktober letzten Jahres, quasi im Komplett-Lockdown, sind Marc Baehr und ich dann die Strecke abgefahren. Die Hotels hatten wir vorher gebucht.

Und die Strecke hatte ihre Reize?

Kronenberg Die Strecke ist ein Traum. Ich denke dabei beispielsweise an die Côte d’Argent und an Biarritz am Atlantik, an das Douro-Tal in Portugal, wo man drei Stunden lang an Weingütern vorbeifährt, und an das Guggenheim-Museum in Bilbao, Spanien. Aber ich will nicht zu viel verraten.

Könnten Ihnen Auflagen wegen der Pandemie noch einen Strich durch die Rechnung machen?

Kronenberg Natürlich muss man die Pandemie im Hinterkopf haben. Wir halten uns aber nirgendwo lange auf. Fast alle Mitfahrer sind geimpft; alle buchen ihre Hotelzimmer oder Zeltplätze selbst. Einige werden auch in ihrem Bus oder Kombi schlafen. Letztendlich sind wir alle nur Zweier-Teams, die alleine unterwegs sind – und keine Gruppenreisenden in einem Bus oder Flieger.

Wird die „Six Bridges Rally“ eine einmalige Veranstaltung bleiben?

Kronenberg Die Rallye soll, wenn sie ein Erfolg ist, weitergeführt werden. Auf jeden Fall im nächsten Jahr, wenn das 125-jährige Bestehen der Müngstener Brücke gefeiert wird.

Wird es große Änderungen im Vergleich zur diesjährigen Rallye geben?

Kronenberg Es wird vielleicht eine leicht abgewandelte Strecke sein. Vor allem hoffen wir aber, dass noch mehr Europäer mitfahren, dass viele Italiener, Franzosen, Spanier und Portugiesen dabei sind. 2022 dürfen die Fahrzeuge auch jünger sein. Dann sind Wagen zugelassen, die 15 Jahre und älter sind.

Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen und Marc Baehr?

Kronenberg Marc und ich fiebern dem Start entgegen. Wir freuen uns riesig. Immerhin haben wir weit über 1000 Stunden in die Vorbereitung gesteckt. Es wird toll, wenn die Teilnehmer am 11. September um 11 Uhr im Brückenpark starten. Wir haben extra einen großen Torbogen produzieren lassen. Vor dem Start erhalten die Teams in der Schmiede ihre 100-seitigen Roadbooks mit der Wegbeschreibung, Aufgaben sowie vielen Tipps und ihre Teilnehmerbändchen.