Solingen Von der Poststelle auf die Bühne

Solingen · Wolfgang Heil feierte gestern seinen Ausstand als Leiter der städtischen Poststelle im Rathaus. Als Jungfrau "Wilma" des Solinger Dreigestirns wird er im Karneval jetzt von sich reden machen.

Noch einmal die Eingangs- und Ausgangspost aufteilen, dann hatte Wolfgang Heil seinen Dienst getan: Nach 42 Jahren bei der Poststelle im Solinger Rathaus verabschiedete sich der 64-Jährige gestern Vormittag um 11 Uhr in den Ruhestand. "Ich habe in dieser Zeit viele Oberbürgermeister und Oberstadtdirektoren kennengelernt", wirft er einen Blick zurück, nachdem er mit den Weggefährten an seinem Arbeitsplatz seinen Ausstand gefeiert hat.

Ursprünglich ist Wolfgang Heil in einem vollkommen anderen Metier zu Hause: Beim Schneidwarenhersteller Zwilling machte er seine Ausbildung zum Scherenschleifer und wurde in guter Solinger Tradition Heimarbeiter. "Als dann mit Scheren irgendwann weniger los war, bin ich zur Stadt gegangen", berichtet Heil. Bei der städtischen Post- und Telefonzentrale war er zunächst "Springer", übte also sämtliche Tätigkeiten aus, die an seinem Arbeitsplatz anfielen. "Im Vergleich zu damals ist heute vieles einfacher und schneller geworden", sagt Heil und verweist auf Hilfsmittel wie die moderne Frankier- und die Kuvertiermaschine.

Mehr als 20 Jahre lang leitete Heil die Poststelle. "Als mein Vorgänger in den Ruhestand gegangen war, hat man mich einfach gefragt, ob ich das machen wolle", erzählt er. Fünf Mitarbeiter in seinem Team sortieren im Altbau des Rathauses an der Cronenberger Straße neben vielen Mitteilungen der Stadtdienste an die Bürger auch die Post für die Ratsmitglieder. "Wir haben hier natürlich viel mit den Parteien zu tun", sagt Wolfgang Heil.

Offiziell endet sein Arbeitsverhältnis am 1. Januar 2014. Doch er sparte sich seine Urlaubstage in diesem Jahr für die letzten Wochen seiner beruflichen Laufbahn auf – und das aus ganz besonderem Anlass: Denn Wolfgang Heil wird sich auch nach seinem letzten Arbeitstag über einen Mangel an Beschäftigung nicht beklagen können.

Als Jungfrau "Wilma" bereichert er in der am Montag beginnenden fünften Jahreszeit das neue Dreigestirn des Solinger Karnevals. Rund 60 Auftritte in der Rolle ihrer Lieblichkeit erwarten Wolfgang Heil in der Session.

Das närrische Treiben liegt dem Solinger seit Jahrzehnten am Herzen: "Ich habe 30 Jahre lang bei den Klingenstädtern die Posaune gespielt", erzählt das Mitglied der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß, und er verspricht, dem Karneval auch nach seiner Amtszeit als Jungfrau an der Spitze der Solinger Jecken treu zu bleiben.

(ied)
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