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Solingen: Vom Kinderferienlager in die Geschäftsführung

Solingen : Vom Kinderferienlager in die Geschäftsführung

Bernd Böhm geht in den Ruhestand. 45 Jahre ist der Elektriker und Sozialarbeiter der Awo haupt- und ehrenamtlich verbunden. Böhm war sieben Jahre alt, als er am ersten Ferienlager der Arbeiterwohlfahrt teilnahm. Weit musste der Grundschüler damals nicht, denn die Freizeit fand im Humboldtgymnasium am Weyer statt.

Die nächsten sechs Ferienaufenthalte führten den Schüler immerhin bis nach Bergneustadt, Westerburg und Scharbeutz. Wäre Bernd Böhm nicht schon durch seine Eltern und Großeltern mit der Arbeiterwohlfahrt verbunden gewesen, spätestens nach den Ferienlagern war klar, dass die Awo zu seinem Leben gehören würde, auch wenn sein Weg in die Geschäftsführung nicht ohne Umweg erfolgte.

Bernd Böhm lernte zunächst den Beruf des Elektrikers, arbeitete in dieser Zeit selbst als Betreuer in den Freizeiten des Wohlfahrtsverbandes und entschloss sich 1969, über den zweiten Bildungsweg jene Schulabschlüsse nachzuholen, die er zum Studium an der Fachhochschule Düsseldorf benötigte, um Sozialarbeiter zu werden.

Und auch hier bildete die Arbeiterwohlfahrt wieder einen Ankerpunkt für den Solinger, denn seine Examensarbeit befasste sich mit der "Entstehung und Entwicklung des Jugendwerks der Arbeiterwohlfahrt". Nach dem Examen 1976 folgte ein Anerkennungsjahr bei der Stadt Solingen, die Bernd Böhm 1977 als Sozialarbeiter übernahm. Doch die Karriere bei der Stadt dauerte nicht lange, am 2. Januar 1978 übernahm er die Stelle als Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt.

"Fünf Kollegen hatte ich damals, erinnert sich Bernd Böhm, der jetzt bei seinem Ausscheiden einem Kreisverband mit knapp 100 hauptamtlichen Kräften vorstand. Dass er mit 63 Jahren in den Vorruhestand geht, war eine bewusste Entscheidung, die der Mann mit dem fröhlichen Lächeln schon seit längerem getroffen hat. Sicher wird er der Awo verbunden bleiben, doch auf ein bestimmtes Ehrenamt will er sich noch nicht festgelegen. Erst einmal soll all das, was in seinem Berufsleben oft zu kurz kam, oben anstehen.

Die Pflege von Freundschaften zum Beispiel oder das Reisen. Deutsche Städte möchte sich Bernd Böhm gerne ansehen, mit Lebensgefährtin Christel Prost ins europäische Ausland reisen oder mit einem Freund zum Spiel von Borussia Dortmund. Bei allen Freizeitplanungen schließt das ehemalige Ratsmitglied der SPD eines allerdings aus: eine Rückkehr in die Kommunalpolitik.

Belastet, aber auch geprägt haben den Geschäftsführer im Laufe seiner Tätigkeit vor allem zwei Ereignisse: der Tod eines Kindes im Ferienlager und der Brandanschlag auf das Haus der Familie Genc. Entschädigt wurde Bernd Böhm, der mit seiner ehrenamtlichen Zeit der Arbeiterwohlfahrt seit 45 Jahren aktiv verbunden ist, durch viele schöne Erfahrungen. Wenn er die gut funktionierenden Kindertagesstätten betrachtet oder die Beratungsstellen für Familien, zufriedene Senioren sieht in den Begegnungsstätten, dann weiß Bernd Böhm, dass es richtig war, sein Berufsleben bei der Awo zu verbringen, gestützt von einem Kreis von Mitarbeitern und Vorstandskollegen, von denen viele zu seinen Freunden geworden sind.

(RP/rl)