Jugendseelsorger Christian Killing: Vier Jahre zum Ankommen

Jugendseelsorger Christian Killing: Vier Jahre zum Ankommen

Christian Killing wollte immer Pastoralreferent werden. Jetzt ist er der neue Jugendseelsorger für das Städtedreieck.

Vier Jahre braucht er, um richtig anzukommen, schätzt Christian Killing. Das erste Jahr, um die Region und die Jugend kennenzulernen. Im Zweiten will er Neues ausprobieren, im Dritten seine Erfahrungen anwenden. Und im vierten Jahr entstehen dann die ersten Traditionen.

Christian Killing ist der neue Jugendseelsorger des Erzbistums Köln für das Bergische Städtedreieck. Den Start in seinen neuen Job, sein neues Leben feierte der 29-Jährige mit einem Gottesdienst und einem Empfang in der Kirche St. Laurentius in Wuppertal. Viele Jugendliche aus der Region waren gekommen, um ihn zu begrüßen. Das war Anfang September.

Seitdem war der Terminkalender des 29-Jährigen pickepackevoll, wie er selbst sagt. Er trägt Kinnbart und Hornbrille, Hemd und Stoffhose zu Sportschuhen. Trotz der ersten vier Monate hat sich noch keine Routine im Alltag des Theologen eingestellt. "Meine Routine besteht nur daraus, morgens von Düsseldorf nach Wuppertal zu fahren und als erstes einen Kaffee zu trinken", sagt er und lacht. Was dann folgt, ist jeden Tag anders.

Sein Job besteht momentan darin, die Region und ihre katholische Jugend kennenzulernen. "Ich habe für mich beschlossen, die Anfangszeit zu nutzen, um anzukommen und Beziehungen aufzubauen", sagt der Jugendseelsorger. "In meiner vorherigen Stelle in Mettmann habe ich übermotiviert Aktionen geplant und saß dann an drei Sonntagen alleine da."

Das soll im Bergischen anders laufen. Er kannte Solingen, Remscheid und Wuppertal bis dahin nur vom Eislaufen im Ittertal. "Obwohl mein Büro mit Kapelle mitten in Elberfeld ist, muss ich rausgehen", sagt der Rheinländer. Ein Anfang war eine Wallfahrt nach Altenberg. Er wanderte mit Jugendlichen aus drei verschiedenen Richtungen zum Dom des Kurorts. "Da habe ich zum ersten Mal gedacht: die Jugend im Bergischen, da ist sie". Aber auch zu einer Jugendmesse im Solinger Lichtturm hatten sich an einem verschneiten Samstagabend etwa 30 Jungen und Mädchen auf den Weg gemacht. "Die Jugend nimmt an, was wir ihr bieten, und sie ist mobil", sagt Killing. "Sie nehmen auch längere Wege auf sich, um unsere Veranstaltungen zu besuchen."

Da der 29-Jährige nicht in einer Gemeinde verwurzelt ist, sieht er es als seine Aufgabe an, zu vermitteln und sich für die Jugendlichen einzusetzen. "Ich möchte helfen, wenn jemand in der Gemeinde etwas bewegen will, aber an den Verwaltungsstrukturen scheitert", sagt Killing. Doch auch zerstrittene Leiterrunden zu schlichten, gehöre dazu.

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Dass seine Schützlinge zum Teil nur wenige Jahre jünger sind, sieht der Seelsorger als Vorteil. "Es gibt weniger Distanz, das ist oft hilfreich. Ich will authentisch sein und auf Augenhöhe mit ihnen sprechen."

Dabei konzentriert sich der Seelsorger vorerst auf Gemeindemitglieder, Messdiener, Pfadfinder - alle, die eine enge Bindung zur Kirche haben. "Ich will mit meinem Angebot langfristig aber nicht nur das klassische katholische Klientel erreichen", sagt er. "Sondern auch die Leute, die die Kirche neu kennenlernen." Darum plant Killing zum Beispiel eine Irlandreise für Berufsschüler und alle, die weder Messdiener noch Pfadfinder sind. Besonders freut er sich auch auf eine Wallfahrt in den Herbstferien. Er fährt als Zuständiger aus dem Bergischen mit 2000 Jugendlichen des Erzbistums nach Rom.

Der Terminplan für 2018 ist prall gefüllt: Killing plant regelmäßige Termine in den drei Städten, eine Taizé-Fahrt, eine Woche im Kloster Gerleve im Münsterland. Im Mai und Juni ist jedes Wochenende verplant. "Aber das ist schön, da kann ich mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen."

Sein Theologiestudium in Münster fing Christian Killing eigentlich mit einem anderen Ziel an. Für den Rheinländer war klar, dass er als Pastoralreferent arbeiten wollte. Die Option des Jugendseelsorgers stellte sich damals nicht - bis vor wenigen Jahren durften nur Priester diese Stellen antreten. Das hat sich geändert. Für Killing, der schon während des Studiums in der Jugendbildung gearbeitet hat, kam die Stelle des Erzbistums Köln im Bergischen Städtedreieck also gerade recht.

Sein Ziel vom Pastoralreferenten ist erst einmal in den Hintergrund gerückt. "Im Moment mache mir keine Gedanken über das, was mal sein wird, wenn ich nicht mehr hier arbeite", sagt Killing aufrichtig. "Dieser Job hat sehr schön angefangen, und er kann noch sehr viel schöner werden." Dennoch findet er selbst, dass er mit spätestens 45 Jahren als Jugendseelsorger zurückziehen sollte. Bis dahin hat er noch 16 Jahre vor sich.

(veke)