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Solingen: Vier Hunde gezielt vergiftet?

Solingen : Vier Hunde gezielt vergiftet?

Mit Rattengift und präparierten Lebensmitteln hat ein unbekannter Täter in der Hofschaft Scheuren in den vergangenen Wochen vier Hunde vergiftet. In einer Tierklinik konnten die Vierbeiner gerettet werden, bei Anwohnern und Hundebesitzern herrscht Fassungslosigkeit.

Er gilt als bester Freund des Menschen, ist treuer Begleiter, oftmals ein Teil der Familie und gehört zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen – der Hund. Doch so sehr die felligen Vierbeiner von manchen geliebt werden, so sehr werden sie von anderen gehasst. Und manchmal äußert sich dieser Hass in erschreckenden Taten: So wurden in den vergangenen Wochen insgesamt vier Hunde in der Hofschaft Scheuren von einem unbekannten Täter mit Rattengift und präparierten Lebensmitteln vergiftet – mutmaßen die Anwohner. Nur durch die sofortige Behandlung in einer Tierklinik konnten die Hunde gerettet werden.

Chico kämpft noch ums Überleben

Der Zwergschnauzer Chico ist noch nicht über den Berg. „Nach zwei Aufenthalten in der Klinik ist Chico seit vergangenem Samstag wieder zu Hause. Er ist apathisch, liegt nur, ich muss Tag und Nacht auf ihn aufpassen“, erzählt Besitzerin Sabine Decker. Was passiert sein muss, kann sie sich nur zusammenreimen: „Wir waren nachmittags spazieren, auf einer kleinen Grünfläche am Rand der Hofschaft hat Chico etwas aufgehoben, das ich ihm dann aus der Schnauze genommen habe.“ Abends dann habe der fünfjährige Rüde Gleichgewichtsstörungen und Durchfall bekommen und sich übergeben müssen, „mir war direkt klar, dass er vergiftet worden sein muss“.

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Auch Konrad, der einjährige Berner-Sennenhund von Stefanie Kronenberg, hat das Gift gefressen: „Er war morgens etwa eine Stunde alleine im Garten. Als ich mittags nach Hause kam, lag er im Flur, die Beine von sich gestreckt, überall war Erbrochenes. Wir mussten ihn sogar ins Auto tragen.“ Neben Wut und Angst herrscht in Scheuren in diesen Tagen vor allem ein Gefühl vor: Fassungslosigkeit. „Das Gift wurde über den Zaun in unseren Garten geworfen, in anderen Gärten muss es gezielt abgelegt worden sein. Ich verstehe das einfach nicht: Hunde zu hassen ist eine Sache. Aber hier leben auch viele Kinder, das ist einfach nicht nachvollziehbar“, sagt Stefanie Kronenberg. Auch ihr vierjähriger Sohn Fabian habe einen der eckigen, violetten Giftwürfel aus Wachs im Garten gefunden. Tierärztin Dr. Alexandra Schlupp weiß, womit es die besorgten Anwohner zu tun haben: „Rattengift wirkt mit Cumarin-Derivaten, diese hemmen die Blutgerinnung, es kommt zu tödlichen inneren Blutungen.“ Sie sei überzeugt, dass in Scheuren zusätzlich eine krampfauslösende Substanz untergemischt worden sei.

Direkt zum Tierarzt

„Symptome für eine Vergiftung mit Rattengift sind blutiges Erbrechen und Durchfälle, die Besitzer sollten sich umgehend auf den Weg zum Tierarzt machen. In solchen Fällen ist immer eine intensivmedizinische Betreuung und die Gabe von hochdosiertem Vitamin K als Gegenmittel notwendig“, weiß die Tierärztin. Einen Schutz gebe es nicht, „man kann nur aufpassen, dass der Hund draußen niemals etwas frisst.“ Die verwendeten Wachsblöcke, sagt Rainer Bartels, Geschäftsführer des Schädlingsbekämpfungsservice Rattex, seien das giftigste, das es derzeit auf dem Markt gebe, „verantwortungsbewußte Schädlingsbekämpfer verwenden diese Blöcke überhaupt nicht, da auch ihre Wirkung auf Nager fragwürdig ist.“ Die betroffenen Hundebesitzer haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

(RP)