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Solingen: Vielstimmige Argumente

Solingen : Vielstimmige Argumente

Der Streit um den Bau des neuen Autobahnanschlusses zur A 3 geht weiter. Während die Grünen um die Natur und Anwohner um ihre Lebensqualität fürchten, argumentiert Marc Westkämper (CDU) wegen der Staus für die Straße.

Die Frühlingssonne taucht den Putz der kleinen Kirche zwischen Solingen und Langenfeld in ein noch strahlenderes Weiß als sonst. Von den nahen Obstwiesen nördlich der St. Reinoldi-Kapelle in Rupelrath schallt der Chor einer ganzen Armada heimischer Singvögel herüber, als auch Sylvia Löhrmann etwas sagen will. Doch plötzlich durchschneidet der stählerne Koloss mit ohrenbetäubendem Lärm das Idyll. Ein ICE in Richtung Köln/Bonn donnert vorbei – und für endlos wirkende 15 Sekunden ist beim besten Willen keinerlei Kommunikation mehr möglich.

UN-Konferenz in Bonn

„Hier stehen Natur und Kultur auf dem Spiel“, setzt Löhrmann an, als der Zug endlich verschwunden ist. Die Chefin der grünen Landtagsfraktion aus Solingen ist zusammen mit Victor Haase, Ökologie-Referent der Fraktion und Langenfelder Parteichef in Personalunion, nach Rupelrath geeilt, um zum Kampf gegen das zurzeit meist umstrittene Verkehrsprojekt in der Region zu blasen. In der kommenden Woche beginnt am Ziel des ICE in Bonn die UN-Natur- und Artenschutzkonferenz. Für die Grünen Grund genug, Stellung zu beziehen gegen den geplanten Bau der Straßen L 405 sowie B 229n, mit denen Solingen besser an die Autobahn A 3 angebunden werden soll. Die Argumente sind klar. Während die Bürgerinitiative „L 405/B 229nein“ vor allem um die Wohnqualität hier im Westen Solingens fürchtet, geht es den Grünen in erster Linie darum, die Natur vor „Eingriffen“ (Löhrmann) zu schützen. Wichtige Naturräume könnten, so Löhrmann, durch den Autobahnanschluss verloren gehen. Und unter anderem seien eben auch die Vögel von den nahen Wiesen gefährdet.

Tiere, denen es für immer die Sprache verschlägt? Bevor’s so weit kommt, breitet sich zunächst unter einigen Zweibeinern in Langenfeld und Solingen eine gewisse Sprachlosigkeit aus – und das auch ganz ohne vorbeidonnernde Züge. Denn während Victor Haase nach dem Bau der Straße „nur geringe Lärmreduzierungen für wenige“ erwartet, erhofft sich Marc Westkämper (CDU), Bezirksvorsteher von Ohligs, einen regelrechten Schub für die Klingenstadt. Westkämper: „Die Staus in Landwehr sind Argument genug.“ Das sehen die Betroffenen aus der Initiative wiederum anders. „So wird nur zusätzlicher Verkehr angezogen“, erklärt Sprecher Dieter Lehnick, für den höchstens eine Anbindung über die Haus-Grevener-Straße in Langenfeld eine Alternative darstellt. Ein Plan, den Victor Haase naturgemäß skeptischer einschätzt: „Dazu müssten erst mal verlässliche Zahlen vorliegen.“ Sylvia Löhrmann will den Straßenbau im Landtagswahlkampf 2010 zur Nagelprobe „für Rot und Schwarz gleichermaßen machen“.

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(RP)