Solingen: Viele Solinger wollen Flüchtlingen helfen

Solingen : Viele Solinger wollen Flüchtlingen helfen

Die Stadt sucht Wohnraum auf dem privaten Markt. Knapp 700 Flüchtlinge leben bereits in Solingen. Notunterkünfte in Turnhallen, Schulen oder Zeltlagern sollen nach Möglichkeit vermieden werden.

Das Baby der jungen Familie aus der Mongolei, die heute nach Solingen kommt, ist erst sechs Tage alt. Die drei gehören zu den Flüchtlingen und Asylsuchenden, die in der Klingenstadt ein neues Zuhause suchen. Knapp 700 Menschen aus aller Welt sind es zur Zeit, in den städtischen Übergangsheimen sind kaum noch zehn Plätze frei. Daher wird jetzt Raum auf dem privaten Wohnungsmarkt gesucht. Beim Stadtdienst Soziales sind in den vergangenen Tagen viele Angebote eingegangen.

"Die Hilfsbereitschaft ist groß und vor allem auch die Motivation, warum Bürger Flüchtlinge aufnehmen wollen", sagt Jürgen Albermann. Der Leiter des Stadtdienstes Soziales erwähnt zum Beispiel den älteren Herrn aus Schlesien, der selbst einmal Flüchtling war oder die Besitzer eines kleinen Hotels, die sich erinnern, wie nett sie in der Klingenstadt aufgenommen wurden.

Wenn Asylsuchende und Flüchtlinge in privat vermietete Wohnungen einziehen, bemüht sich die Stadt, dass sich Mieter und Vermieter verstehen, zusammen passen, sagt Albermann. Unter denen, die helfen wollen, ist auch der Bürgerverein "Wir in der Hasseldelle". In der Siedlung gibt es viele Leerstände. "Wir wollen jedoch auch nicht die Problematik dort verschärfen", sagt der Stadtdienstleiter. Mit Hilfe des Bürgervereins will sich die Stadt darum bemühen, dass die Flüchtlinge ins Siedlungsleben aufgenommen werden und dort nicht nur Wohnraum finden.

Oft muss es schnell gehen, wenn Flüchtlinge nach Solingen kommen. "Manchmal gibt es nur einen Tag Vorlauf", sagt Iris Erkelenz, die zuständige Sachgebietsleiterin im Stadtdienst Soziales. "Wir brauchen zusätzliche Stellen und hoffen da auf Unterstützung der Politik", umreißt Jürgen Albermann die Situation. Auch in den Schulklassen könnte es bald eng werden. Schon nach der EU-Erweiterung ist die Zahl der Menschen, die in Solingen eine neue Heimat suchen, angestiegen. Jetzt kommen noch die Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten hinzu. Die Menschen, die in Solingen Zuflucht suchen, bekommen zu 20 bis 30 Prozent eine Aufenthaltserlaubnis auf Dauer, schätzt Iris Erkelenz.

Wohnungen auf dem freien Markt werden auch künftig gebraucht, denn die Unterbringung in Schulen, Turnhallen oder Containern soll nach Möglichkeit vermieden werden. Dennoch gibt es auch solche Notfallpläne bei der Stadt bereits. "Wir müssen vorbereitet sein", sagt Jürgen Albermann.

Sehr angetan sind die Mitarbeiter des Stadtdienstes Soziales derzeit über die Welle der Hilfsbereitschaft. So türmen sich im Rathaus Kleiderspenden, aus Kirchengemeinden und von Wohlfahrtsverbänden kommen Hilfsangebote ebenso wie von Privatpersonen. Sie wollen helfen, dass die Flüchtlinge in Solingen nicht nur ein Dach über dem Kopf finden, sondern auch langfristig integriert werden.

Wenn heute die junge Familie aus der Mongolei kommt, gilt es erst einmal, beim mobilen Übersetzungsdienst der Stadt jemanden zu finden, der die passende Sprache spricht. Doch auch wenn das nicht gelingt, "irgendwie klappt das immer, manchmal einfach mit Händen und Füßen", ist Iris Erkelenz zuversichtlich.

(RP)