Solingen: Viele Persönlichkeiten, doch fehlen Straßen

Solingen: Viele Persönlichkeiten, doch fehlen Straßen

Eine Straße soll nach Tilde Klose (1892-1942) benannt werden. Das hat der Hauptausschuss einstimmig beschlossen. Doch gibt es ein Problem: Derzeit ist keine Straße für sie frei, neue Erschließungen nicht geplant.

"Wir sammeln und sammeln Vorschläge, doch in Solingen gibt es fast keine neuen Straßen mehr", bringt es Ulrich Uibel (SPD) auf den Punkt. Und so muss die in Solingen geborene Widerstandskämpferin, die nach achtjähriger Haft von den Nazis ermordet wurde, auf eine Warteliste gesetzt werden — auf der es bereits Anwärter gibt. Den Solinger Maler und Widerstandskämpfer Ernst Walsken (1909-1993) etwa oder Betty Reis (1921-1944).

Der Leidensweg des jüdischen Hausmädchens hatte 1938 in der Reichspogromnacht in Solingen begonnen, als SA-Männer die junge Frau festnahmen, in einem Keller vergewaltigten und schwer misshandelten. Sie wurde 1944 im KZ Bergen-Belsen ermordet. Das Kulturforum Solingen hatte vorgeschlagen, den Vorplatz des Hauptbahnhofes nach ihr zu benennen. Für diesen Platz gibt es einen weiteren Vorschlag: Platz der deutschen Einheit. Und der stammt von der CDU.

Das Bedürfnis von Bürgern und Politikern, Menschen und Ereignisse dem Vergessen zu entreißen, ist unübersehbar. Doch scheitert dieses Bemühen derzeit auch daran, dass die Stadt keine Straßen umbenennen will. Mit Rücksicht auf die Anwohner, die dann möglicherweise auf einen gewohnten Straßennamen verzichten und ihre Adresse ändern müssten.

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Manfred Krause (Grüne) regt an, den Benennungs-Stau in der Weise zu umgehen, dass nicht nur Straßen in den Blick genommen werden. "Außer Schulen und Kindergärten haben wir noch viele andere öffentliche Gebäude." Gerd Schlupp (DSW) schlägt eine öffentlich angebrachte Gedenkplatte als eine mögliche Alternative zur Straßen- oder Häuserbenennung vor.

Für die Straßenbenennung sind die Bezirksvertretungen zuständig, sofern sie nicht über örtliche Bedeutung hinausgehen. Dabei werden Vorschläge nicht nur von Parteien, sondern auch direkt von Bürgern aufgenommen. So war es beim Vorschlag Tilde Klose, der von Günter Hindrichs eingebracht und von der Solinger Ortsgruppe der Naturfreunde Deutschlands unterstützt wurde. In der kommenden Sitzung will sich der Ausschuss erneut mit dem Thema befassen und alle Vorschläge vortragen lassen.

(RP/rl)
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